Dürre in Bremen: "Wir haben Futterknappheit in den Betrieben"

Die lange Trockenheit fordert bei den Bremer Landwirten ihren Tribut. Was muss sich ändern? Christian Kluge vom Landwirtschaftsverband hat eine klare Meinung.

Einige Pferde an einem Strohballen
Herr Kluge, was bekommen Sie von den Bremer Landwirten mit: Welche Auswirkungen hatte die lange Trockenheit auf die Betriebe?
Wir können jetzt schon sagen, dass wir im Ackerbaubereich um die 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag bei Gerste, Weizen und Raps haben. Im Grünlandbereich ist der erste Schnitt (mit Schnitten bezeichnen Landwirte das Mähen, Anm. d. Red.) noch sehr gut gelaufen, der zweite auf Grund der Trockenheit nur sehr mäßig und der dritte war auf manchen Betrieben schon ein Totalausfall, hat also nicht mehr stattgefunden.

Das führt jetzt natürlich schon zu Futterknappheit in den Betrieben. Auf den Wiesen steht schon nichts mehr und es werden bereits Winterreserven angegriffen, um die Tiere versorgen zu können.
Wissen Sie von Höfen, die ernsthafte Existenzsorgen haben?
Für Bremen kann ich im Augenblick sagen: Ernsthafte Existenzsorgen haben wir noch nicht gehört. Aber die wirtschaftliche Situation ist in dem ein oder anderen Betrieb doch deutlich angespannt. Wir müssen jetzt abwarten, wie der vierte und fünfte Schnitt läuft und wie sich die Märkte entwickeln. Dann müssen wir auch schauen, was aus den Bundesländern und dem Bund gemeldet wird, wo man dann auch noch Unterstützung in Anspruch nehmen kann. Und dann werden wir natürlich auch mit Betrieben individuelle Gespräche führen und zur Verfügung stehen, wenn sie sehr in die Bredouille gekommen sind.
Was wünschen Sie sich von der Politik?
Die Landwirtschaft möchte ja nicht ungeprüft Geld haben, wie es zwischendurch immer mal wieder zu lesen ist. Wir brauchen erst einmal Solidarität. Wir stellen im Augenblick nur Fakten dar von unserer Branche, dass es einfach auf Grund der Trockenheit ein sehr schwieriges und verlustreiches Jahr war. Wir hätten gerne, dass sich die Politik damit beschäftigt, dass die Gewinne in den guten Jahren in eine steuerfreie Rücklage geschafft werden können für schlechte Jahre.

Es geht hier nicht darum, einfach Geld zu fordern und die Landwirte damit zu unterstützen. Sondern wir wollen fachbezogene Unterstützung, die dann wirklich Hilfe vor Ort bietet.
Wie wichtig ist eine schnelle Entscheidung zu den Diskussionen über Entschädigungen für die Bremer Landwirte?
Schnelle Entscheidungen sind in diesem Jahr extrem wichtig. Das betrifft nicht nur die Bremer Landwirte, sondern bundesweit gibt es einfach Regionen, die jetzt Hilfe brauchen. Da muss auch über steuervergünstigte Kredite gesprochen werden und über Liquiditätsanpassungen. Die Entscheidungen müssen jetzt gefällt werden, so dass wirklich in die Vorbereitung des nächsten Jahres, in die nächste Erntesaison gegangen wird und die Betriebe auf einer vernünftigen und sicheren Grundlage wirtschaften können.

Dazu kann auch gehören, dass vielleicht Prämienzahlungen vorgezogen werden, was auch keinen Steuerzahler belastet, sondern einfach nur ein administrativer Vorgang wäre. Da brauchen wir schnelle Entscheidungen und hoffen sehr darauf, dass die jetzt auch kommen.
  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. August 2018, 19:30 Uhr