Fragen & Antworten

Helgolands Angst vor einem zweiten "Lockdown"

Helgoland ist ausgebucht. Aber jeder Tourist ist eine Gefahr. Deshalb sind die Insulaner vorsichtig. Ab kommender Woche gilt eine verschärfte Maskenpflicht.

Video vom 31. Juli 2020
Eine Fähre, aus der Menschen aussteigen.
Bild: Radio Bremen
Wie erging es den Helgoländern in der Krise?
Zwei Monate lang war die Insel praktisch abgeriegelt vom Rest der Welt. Sogar die Inselbewohner durften nur in Ausnahmefällen aufs Festland, etwa im Notfall zum Arzt. "Es war am Anfang schon gespenstisch, als der Lockdown war", sagt Bürgermeister Jörg Singer. Aber der scheint sich gelohnt zu haben: Bis heute gibt es keinen einzigen Corona-Fall auf Helgoland. Und ein anderes positives Ergebnis gibt es auch, sagt Singer schmunzelnd: Auch Helgoland hat jetzt einen Lieferservice für Essen.
Ein Mann guckt in die Kamera.
Jörg Singer ist Bürgermeister auf Helgoland. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Läuft der Tourismus auf der Insel wieder?
Die Unterkünfte sind aktuell ausgebucht. Allerdings dürfen weniger Tagesgäste kommen. Statt wie sonst im Sommer sind derzeit nicht 4.500, sondern nur 2.500 Touristen auf der Insel. Dennoch steuern mehr Schiffe als sonst die Insel an, denn die dürfen nur halb besetzt sein. Sogar ein Katamaran aus Spanien, der in seiner Heimat gerade nicht fahren darf, ist derzeit im Einsatz.

Dadurch dass wir so eine kleine Insel sind und dabei städtisch, ist es wichtig, dass jeder die Spielregeln einhält.

Jörg Singer, Bürgermeister auf Helgoland
Wie schützt sich die Insel vor dem Virus?
Für die gesamte Insel gibt es laut Bürgermeister ein Hygienekonzept. Es wurde genau überlegt, wie viele Menschen die Insel verträgt, dabei wurden etwa Supermärkte und Einkaufsstraßen berücksichtigt. Und mit den Reedereien wurde geklärt, ab wann sich Fahrten für sie lohnen.

Wer die Insel betritt, muss seinen Namen und seine Telefonnummer hinterlassen. In Restaurants, Hotels und Läden gelten Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht wie auf dem Festland. Und natürlich sind auch die Kapazitäten eingeschränkt. Aber in der kommenden Woche will Helgoland sogar auf der Einkaufsstraße "Lung Wai" und auf der ganzen Promenade vom Hafen bis zum Dorfkern eine Maskenpflicht einführen. Denn insbesondere in der Mittagszeit sei es hier sehr voll, sagt Singer.

Auf der einen Seite lebe die Insel vom Tourismus, auf der anderen Seite herrsche die Angst vor dem Virus, sagt der Bürgermeister. Man müsse sich langsam an eine neue Normalität gewöhnen. "Denn so wie vorher wird es wohl erst mal nicht."
Was passiert, wenn Corona auf der Insel ausbricht?
Es gibt ein Ärztehaus und eine Klinik, in der Corona-Tests möglich sind. Wenn es einen Corona-Fall geben würde, würde der Notfallplan greifen, den Helgoland gemeinsam mit dem zuständigen Kreis Pinneberg ausgearbeitet hat. Dann würden zunächst die Kontaktpersonen ermittelt. "Wenn das jemand ist, der viele Kontakte hatte, dann setzen da mehrere Mechanismen ein, sonst würde der- oder diejenige in Quarantäne gesetzt oder mit dem Schiff zum Festland gebracht", erklärt Singer. Im schlimmsten Fall, bei mehreren Corona-Fällen, dürften keine Gäste mehr auf die Insel.

Ein Wirtschaftsbetrieb wird noch lange davon zehren, und wenn es noch mal einen Lockdown gibt, ist es für viele wohl das komplette Aus. Das wollen wir alle nicht.

Jörg Singer, Bürgermeister auf Helgoland

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Juli 2020, 19:30 Uhr