Besucherzahlen in Bremerhaven steigen – warum das nicht reicht

Noch nicht alle haben sich schon an die Corona-Regeln im Urlaub gewöhnt. Und die Touristenmagnete in Bremerhaven machen herbe Verluste – bis auf einen.

Die Skyline von Bremerhaven
Obwohl Urlauber nach Bremerhaven kommen, machen die Touristenmagnete wie Klimahaus und Zoo herbe Verluste. Bild: DPA | Sina Schuldt

Es ist eigentlich die schönste Zeit des Jahres: In vielen Bundesländern sind Sommerferien, die ideale Zeit zum Verreisen – wenn da nicht die Corona-Pandemie wäre. Viele Urlauber bleiben im eigenen Land. Nach und nach kommen auch wieder Touristen nach Bremerhaven. Aber auch da ist nichts wie sonst. Ein Urlaub mit Abstands- und Hygieneregeln – und viel Planung. Denn nicht überall kann man spontan hin. Und obwohl durchaus Urlauber da sind, machen die touristischen Einrichtungen herbe Verluste.

Übernachtungszahlen steigen

Menschen laufen an Läden vorbei.
Im Columbus-Center gilt: Abstand halten. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Die Bremerhavener Fußgängerzone ist gut besucht. Im Columbus-Center und dem neuen Outlet herrscht Maskenpflicht. Pfeile und Klebeband auf dem Boden markieren die Laufrichtung, Schilder weisen auf die Abstandsregeln hin. Wenn man sich unter den Touristen umhört, haben sich die meisten damit arrangiert.

Es ist halt ungewohnt, aber man muss damit leben. Wir wären jetzt eigentlich in Bulgarien gewesen, sind jetzt aber hierhin gefahren, ist auch schön.

Tourist aus dem Ruhrgebiet

Aktuelle Übernachtungszahlen kann die Erlebnis Bremerhaven, die Marketinggesellschaft der Stadt, erst zu einem späteren Zeitpunkt nennen. Die Zahlen aber steigen, wie Marc Reichelt, Abteilungsleiter für Service und Vertrieb, sagt. Insbesondere aus Nordrhein-Westfalen würden viele Urlauber anreisen. Zuerst hätten die Urlaubsregionen rund um Bremerhaven profitiert, aber da die Kapazitäten dort mittlerweile ausgelastet seien, steige die Nachfrage nach Ferienwohnungen in Bremerhaven. Hinzu kämen viele Tagestouristen aus Niedersachsen und Bremen.

Genaue Zahlen kann auch Piet Rothe, Bremerhavener Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), nicht nennen. Er weilt gerade selbst im Urlaub. Aber dass die Zahl der Touristen steigt, kann auch er bestätigen. Während jedoch die Küsten einen regelrechten Ansturm erlebten, sei es in Bremerhaven deutlich ruhiger als sonst. Es fehlten vor allem die Kreuzfahrttouristen und die Tagungsgäste.

Zoo macht große finanzielle Verluste

Zwei junge Eisbären toben auf Steinen.
Anna und Elsa würden dem Zoo ohne Corona ein riesiges Plus in die Kasse spülen. Bild: Zoo am Meer

Zumindest vor dem Zoo herrscht Andrang. Und das, obwohl das neue Online-Buchungssystem das eigentlich verhindern sollte. Im Internet muss man vorher ein Ticket reservieren, wenn man die Eisbären-Mädels und all die anderen Tiere sehen möchte. "Es gibt sehr viele enttäuschte Menschen, die sich tatsächlich auch – man mag es heute kaum glauben – nicht vorher im Internet informieren, dann vor der Tür stehen und sehr überrascht sind, dass es tatsächlich eine Änderung gibt aufgrund von Corona", sagt Nicole Tönjes, Prokuristin im Zoo am Meer. Vor allem die Mitarbeiter an der Kasse haben deshalb viel zu tun.

Es ist eine Menge los, wie immer zu den Sommerferien. Die Menschen sind begeistert, die möchten gerne die beiden Eisbären-Mädels Anna und Elsa sehen. Aber wir haben natürlich Auflagen und dürfen nur eine gewisse Anzahl an Menschen pro Tag in den Zoo lassen.

Nicole Tönjes, Prokuristin im Zoo am Meer in Bremerhaven

Maskenpflicht herrscht nur in geschlossenen Räumen, im Shop, in der Zooschule und im Aquarium. Hier sei die Akzeptanz groß. "Ich glaube, die Leute würden auch den ganzen Zoobesuch über eine Maske tragen", sagt Tönjes.

Der Zoo macht aktuell immense Verluste. Nur rund 1.450 Besucher dürfen aktuell pro Tag eingelassen werden. Fast immer ist der Zoo ausgebucht. Sonst wären es um diese Jahreszeit, auch unabhängig vom Eisbären-Nachwuchs, mindestens 1.000 Besucher mehr, sagt Tönjes. "Uns tut das sehr weh."

Deutsches Auswandererhaus sorgt sich um die Zukunft

Auch im Deutschen Auswandererhaus ist es deutlich leerer als sonst. Normalerweise kann das Museum bis zu 1.400 Besucher am Tag einlassen, jetzt aber nur noch rund die Hälfte. Direktorin Simone Eick berichtet nicht nur von Sorgen darüber, wie sich das Auswandererhaus aufstellen muss, wenn die Pandemie andauert, sondern auch von den starken Veränderungen für die Mitarbeiter: "Früher haben sie die Informationen weitergegeben, haben was erzählt von der Geschichte, haben eine Biografie näher vorgestellt und Objekte – und jetzt ist ihr Hauptjob, zu sagen: 'Bitte denken Sie an den Abstand, bitte tragen Sie Ihre Maske, benutzen Sie doch bitte die Desinfektionsständer, fassen Sie nicht so viel an.'"

Das ist wahnsinnig anstrengend, wenn man den ganzen Tag Verbote ausspricht.

Simone Eick, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses

Deutsches Schifffahrtsmuseum freut sich über mehr Besucher

Bunte Playmobilfiguren stehen in einer Vitrine.
Die Geschichte der Kogge ist im Schifffahrtsmuseum mit Playmobil-Figuren nachgestellt. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Steigende Besucherzahlen verzeichnet überraschenderweise das Deutsche Schifffahrtsmuseum. Die neue Ausstellung "Kogge trifft Playmobil" ist ein Renner, berichtet Museumssprecher Thomas Joppig. Die Ausstellung habe seit der Eröffnung vor einem Monat schon mehr als 10.000 Besucher angelockt. Das ist ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr – und das trotz Maskenpflicht und Abstandsregeln.

Zum Glück funktioniere die Ausstellung auch in Zeiten von Corona. In der parallel laufenden Ausstellung zum Forschungsschiff "Polarstern" seien hingegen viele Bereiche nur mit einer Virtual-Reality-Brille erlebbar, und die dürfen wegen der Pandemie aktuell nicht verteilt werden. Joppig findet, dass die Pandemie zwar zeige, dass in Zukunft vieles auch digital vermittelt werden könne, aber Begegnungen mit den Originalen seien für ihn nicht zu ersetzen.

Ein Museum lebt auch ein Stück weit vom Anfassen, vom Ausprobieren. Und wenn da zu viele Einschränkungen drin sind, dann ist das schade.

Thomas Joppig, Pressesprecher des Deutschen Schifffahrtsmuseums

Nur halb so viele Gäste im Klimahaus

Vom Mitmachen und Erleben lebt auch das Klimahaus. Nur 950 Besucher dürfen sich derzeit gleichzeitig im Haus aufhalten, sagt Pressesprecher Holger Bockholt. Konkrete Angaben zu den Besucherzahlen will das Klimahaus nicht machen. In den Ferien seien aber vor Corona durchaus 50 bis 70 Prozent mehr Besucher gekommen.

Auch im Klimahaus gilt natürlich die Maskenpflicht – dass das auch noch länger so bleiben wird, damit haben sich die Mitarbeiter mittlerweile arrangiert, sagt Bockholt: "Wir alle miteinander, Veranstalter, solche Häuser und auch die Besucher, wünschen uns natürlich nicht, dass das für immer so bleibt. Wir müssen damit allerdings sehr wahrscheinlich noch eine ganze Zeit leben."

Rückblick: Der Tourismus in Bremen kommt zurück

Video vom 20. Juli 2020
Der Bremer Stadtmusikanten-Express fährt an der Bremer Bürgerschaft vorbei.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Sonja Harbers
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 30. Juli 2020, 17:20 Uhr