Untergehende Inseln: Ein Stück Südsee im Klimahaus Bremerhaven

Der Südseestaat Tokelau droht vom steigenden Meeresspiegel verschluckt zu werden. Im Klimahaus wird ihm nun ein Raum gewidmet. Zur Eröffnung kam sogar der Regierungschef.

Video vom 11. Dezember 2019
Viele Schilder mit diversen Orten der Welt an einem Stamm im Klimahaus Bremerhaven.
Bild: Radio Bremen

Die etwa 1.500 Einwohner des zu Neuseeland gehörenden Inselstaates Tokelau sind dem Klimawandel akut ausgesetzt. Im Bremerhavener Klimahaus finden sie nun Gehör und berichten von ihrer bedrohten Existenz. Zur Eröffnung des Ausstellungsraums am Mittwochnachmittag reiste auch Regierungschef Kelihiano Kalolo, mit einer Delegation an – direkt vom Klimagipfel in Madrid.

Zwei Meter über dem Meeresspiegel

Ein Mann steht in einem Raum und schaut auf einen Bildschirm.
Der Tokelau-Raum im Klimahaus ist direkt an die Reisestation Samoa angegliedert. Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Im Klimahaus wie auch geografisch liegt Tokelau in Nachbarschaft zu Samoa. Infotafeln und ein Film geben im Ausstellungsraum Einblicke in das Leben an einem der abgelegensten Flecken der Erde. Die drei Atolle von Tokelau sind nur per Boot erreichbar, höchstens zwei Meter liegen die Koralleninseln über dem Meeresspiegel, ringsherum unendliche Wassermassen – die Inseln könnten die ersten sein, die dem ansteigenden Meeren zum Opfer fallen. "Es gibt verschiedene Prognosen", sagt Holger Bockholt vom Klimahaus. "Manche sagen es ist bereits 2050 so weit, andere glauben, es dauert noch 200 Jahre."

Als Regierungschef Kalolo selbst Kind war, gab es auf Tokelau noch sandige Strände und kleine Inseln für Ausflüge, erzählt er im Klimahaus. "Jetzt steigt der Meeresspiegel an, die Hitze wird immer heftiger, es gibt Dürre, die Korallen bleichen aus – das alles passiert wegen des Klimawandels." Obwohl sie selbst kaum Emissionen verursacht, bekommt die Bevölkerung die Folgen des weltweiten CO2-Austauschs unmittelbar zu spüren.

100 Prozent erneuerbare Energien

Kelihiano Kalolo Regierungschef Tokelau im Klimahaus
Kelihiano Kalolo, Regierungschef von Tokelau, kam zur Eröffnung ins Klimahaus Bild: Radio Bremen

Trotz vermeintlich ohnmächtiger Lage, unternehmen Tokelau und seine Bevölkerung große Anstrengungen, um beim Kampf gegen die Klimakrise vorweg zu gehen: "Wir haben 100 Prozent erneuerbare Energien im Jahre 2012 erreicht", sagt Kalolo. Die Insulaner pflanzen in den vom Klimawandel schon stark geschädigten Riffen Korallen an – in der Hoffnung, dass sie nachwachsen. Sie haben auch einen Wall gebaut, der die Atolle vor Flutwellen und Stürmen schützen soll. Aber er kann den Wellen schon jetzt kaum standhalten. Die Region lebt vom Fischfang, doch viele der früheren Fischarten gebe es nicht mehr, sagt Fischer Alesana Teao in einem Film, den Kalolo ins Klimahaus mitgebracht hat. "Das trifft besonders saisonale Sorten, wie die Makrele, die es hier früher massenhaft gab." Stattdessen gebe es jetzt Fische, die sie vor Ort nie zuvor gesehen hätten.

Optimismus trotz schlechter Aussichten

Ein Bagger gräbt am Strand von Tokelau
Die Inselbewohner stemmen sich gegen den Klimawandel. Bild: Klimahaus | Manolo Ty

Keine guten Aussichten, eigentlich. Trotzdem will Regierunsgchef Kalolo die Hoffnung nicht aufgeben. Die Konferenz in Madrid habe ihn ermutigt, trotz der Klimawandel-Leugner. Tokelau hoffe, dass die Welt am Ende doch zuhöre – vor allem die Länder, die ihre Selbstverpflichtungen zur Klimawandel-Eindämmung nicht erfüllten: "Wir sind optimistisch, weil sich so viele Länder anschließen. Wir hoffen, dass die Welt am Ende zuhört – besonders die Länder, die ihren Versprechen nicht folgen."

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Dezember 2019, 19:30 Uhr