Mit diesen Bremer Spielen vergeht die Corona-Auszeit schneller

Keine Lust mehr auf "Mensch ärgere dich nicht"? Kein Problem! Wir stellen die besten Brettspiele von Bremer Autoren vor — von A wie "Azul" bis Z wie "Zauberei hoch drei".

Das Spiel Funkenschlag von Friedemann Friese
In der Spielewelt ein Welthit: Friedemann Frieses Brettspiel "Funkenschlag".

Das Coronavirus zwingt Familien, die kommenden Wochen zuhause zu verbringen. Die Zeit vor dem Fernseher totzuschlagen, ist für viele jedoch keine Option. Schließlich gibt es auch Alternativen. So gilt Bremen als heimliche Hochburg für Spielerfinder.

1 Für kleine Kinder: Zauberei hoch drei

Zaubertränke, Hexenbesen und sprechende Katzen — der Bremer Spieleautor Lukas Zach hat aus dem Stoff, aus dem Kinderträume gemacht sind, ein Spiel gezaubert. Die Geschichte von "Zauberei hoch drei": Ein paar Zauberschüler büxen aus, um heimlich den Mitternachtsmarkt für Magiebedarf zu besuchen. Das ist eigentlich nur erwachsenen Hexen und Hexern erlaubt. Daher müssen sich die Kinder auf ihrem nächtlichen Weg zurück in die Zauberschule gemeinsam am Wächtergeist Willi vorbeischleichen.

Spielprinzip: Bei diesem Spiel gewinnen oder verlieren die Kinder gemeinsam. Es ist also kooperativ. Das ist sicher ein Grund, weshalb es auf der Empfehlungsliste für das Kinderspiel des Jahres 2017 stand.

Alter und Anzahl: Das Spiel ist für zwei bis sechs Kinder im Alter von offiziell sechs Jahren geeignet. Kenner finden diese Altersbeschränkung allerdings etwas zu hoch gegriffen. "Das geht durchaus schon mit Jüngeren", sagt Jürgen Münzer, Geschäftsführer der Spielerei im Bremer Viertel.

Dauer: Eine Partie dauert 20 bis 30 Minuten.

Alternativen: Vergleichbar mit "Zauberei hoch drei" ist beispielsweise das Wettlaufspiel "Spinderella", in dem die Spieler in die Rolle von Ameisen schlüpfen, die nicht von einer kleinen Spinne an einem Faden erwischt werden wollen. Das Spiel gewann 2015 den Preis "Kinderspiel des Jahres".

2 Für große Kinder: Fabelsaft

Auch ohne Werder-Spiele muss man in Bremen nicht auf grün verzichten. Dafür sorgt der Bremer Spieleautor Friedemann Friese. Denn Spiele, die der in der Szene weltbekannte Autor veröffentlicht, haben genau zwei Merkmale: Sie beginnen mit "F" und sie sind grün. Eines der jüngsten Familienspiele des Autors heißt "Fabelsaft". Das Kartenspiel hat es 2017 auf die Empfehlungsliste der Spiel-des-Jahres-Jury geschafft.

Spielprinzip: Spieler haben die Aufgabe, mit Hilfe einiger Waldtiere, schmackhafte Säfte aus verschiedenen Zutaten wie Bananen, Erdbeeren oder einer Ananas zu mischen. Wem dies mit Hilfe von Schnecke, Schildkröte, Nashorn und Co. am besten gelingt, gewinnt das Spiel.

Alter und Anzahl: "Fabelsaft" lässt sich mit zwei bis fünf Personen spielen. Es ist ein Familienspiel, das für Kinder ab acht Jahren geeignet ist.

Dauer: Eine Partie "Fabelsaft" dauert rund 25 Minuten. Es gibt aber eine Besonderheit: Keine Partie gleicht der anderen. Denn anfangs werden nur ganz wenige der insgesamt 210 Spielkarten verwendet, die Regeln sind leicht zu lernen. Mit jeder Partie werden dann zusätzliche Karten benutzt — und auch die Regeln verändert.

Spiele im Geschäft: Zauberei hoch Drei, Fabelsaft, Azul, fotografiert im Bremer Spieleladen „Spielerei“
Zauberei hoch drei, Fabelsaft und Azul: Drei Spiele von Bremer Autoren. Bild: Radio Brmeen | Kristian Klooß

Alternativen: Moderne Kartenspielklassiker, die sich im weitesten Sinne mit "Fabelsaft" vergleichen lassen, gibt es einige. Dazu zählt zum Beispiel "Bohnanza", bei dem Spieler Bohnen tauschen und geschickt anpflanzen müssen. Beim Spiel "Kuhhandel" wird das Schwarze-Peter-Prinzip clever aufgegriffen.

3 Für Kleine und Große: Azul

Michael Kiesling zählt zu den erfolgreichsten Spieleautoren der Welt. Der in Achim lebende Unternehmer führt eine IT-Firma nahe der Uni Bremen. Nebenbei entwickelt er Spiele. Sein heute berühmtestes heißt "Azul". Es wurde 2018 zum Spiel des Jahres in Deutschland und in Frankreich gewählt.

Spielprinzip: Spieler wählen prachtvolle Fliesen aus der Tischmitte aus, um damit den portugiesischen Königspalast in Évora zu kacheln. Wem dies am besten gelingt, gewinnt das Spiel.

Alter und Anzahl: Azul ist ein Familienspiel für zwei bis vier Personen. Kinder ab acht Jahren können es mit Eltern genauso spielen wie Erwachsene unter sich. Es holt Anfänger ebenso ab wie Vielspieler.

Dauer: Eine Partie dauert 30 bis 45 Minuten. Doch das Spiel verliert auch nach vielen Partien nicht an Reiz. Denn mit jeder Runde lernen die Spieler wieder ein wenig dazu und werden mit der Zeit besser.

Alternativen: Es gibt auch andere Spiele, die nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktionieren. Dazu zählt das Spiel "Sagrada", bei dem Spieler mit bunten und transparenten Würfeln Kirchenfenster gestalten. Auch die Nachfolgerspiele von Azul — vor allem "Azul: Der Sommerpavillon" — werden von Kritikern gelobt.

Video vom 2. März 2018
Ein Brettspiel auf einem Holztisch

4 Für alle gemeinsam: Pandemie und Adventure Island

Auch wenn es zynisch klingen mag: Das Spiel zur Corona-Krise existiert bereits. Es heißt "Pandemie". Es gilt als eines der besten kooperativen Spiele der Welt — und hilft nebenbei, die Mechanismen zu verstehen, die eine weltweite Infektionserkrankung so gefährlich machen.

Spielprinzip: Spieler schlüpfen in die Rolle von Medizinern, Epidemiologen, Logistikern und anderen Menschen, die gemeinsam den Ausbruch einer weltweiten Pandemie verhindern wollen. Alle gewinnen oder verlieren gemeinsam. Erfolg haben dabei nur jene Teams, die kooperativ und abgestimmt nach Lösungen suchen.

Alter und Anzahl: Pandemie ist ein gehobenes Familienspiel für zwei bis vier Personen ab zwölf Jahren.

Dauer: Eine Partie dauert rund 45 bis 60 Minuten.

Alternativen: Wer die Corona-Pandemie auch einmal verdrängen will, muss auf kooperative Spiele nicht verzichten. Der Bremer Autor Lukas Zach entführt Spieler beispielsweise auf die Insel "Adventure Island". Als Gestrandete müssen alle gemeinsam überleben und einen Weg nach Hause finden. Je nachdem wie sich die Gruppe bei ihren Herausforderungen entscheidet, ändert sich der Spielverlauf. Auch für Anfänger oft nicht zu schwer sind viele der so genannten Exit- und Escape-Spiele, bei denen alle am Tisch gemeinsam Aufgaben lösen, um zum Beispiel aus Gebäuden zu entkommen, Bomben zu entschärfen oder Gefangene zu befreien.

5 Nur für Große: Era of Tribes, Funkenschlag und Heaven & Ale

Arne Lorenz aus Lemwerder hat viele Jahre damit verbracht, das Zivilisationsspiel "Era of Tribes" zu entwickeln. Über die Webseite "Kickstarter", bei denen Menschen weltweit helfen, die Ideen anderer zu finanzieren, hat er dafür viele Unterstützer gefunden. Sie lenken seither die Geschicke von Römern, Germanen und Co. durch verschiedene Zeitalter.

Spielprinzip: "Era of Tribes" ist ein sehr anspruchsvolles Spiel, bei dem die Spieler eine Dynastie aus dem jungsteinzeitlichen Europa bis in die Neuzeit führen. Um aus den ersten Siedlungen ein Imperium aufzubauen, haben sie jeweils die Wahl, auf welche Aktionen sie in jedem Zug setzen — sie können mit Luxusgütern handeln, Steuern eintreiben, sich mit anderen Stammesführern anlegen, Technologien entwickeln und vieles mehr.

Alter und Anzahl: Bei diesem Spiel handelt es sich um ein so genanntes Expertenspiel, an dem vor allem Vielspieler Spaß haben dürften. Das Spiel kann mit bis zu vier Personen gespielt werden — und sogar allein.

Dauer: Wer vor längeren Anleitungen und einer Spieldauer von mehreren Stunden nicht zurückschreckt, für den könnte dieses Spiel etwas sein. Ein Vorteil: Der modulare Spielaufbau sorgt dauerhaft für Abwechslung.

Alternativen: Auch andere Bremer Autoren haben Brettspiele entwickelt, die vor allem auf ambitionierte Spieler abzielen. Bei "Heaven und Ale" von Michael Kiesling und Andreas Schmidt brauen Mönche in einem Kloster Bier. Das Spiel wurde 2018 zum Kennerspiel des Jahres nominiert.

Bei Friedemann Frieses "Funkenschlag" hingegen bauen die Konkurrenten Kraftwerke und Energienetze auf. Das Spiel, das ursprünglich 2004 veröffentlicht wurde, ist so beliebt, dass fast jährlich Erweiterungen erscheinen.

6 Alternativen zu Monopoly, Kniffel & Co.

Spielen verbinden viele Menschen noch immer mit "Risiko" oder "Monopoly". Bremen bekam beispielsweise im Jahr 2000 eine eigene Monopoly-Edition, Bremerhaven 2011. Und selbst der SV Werder erhielt 2015 seine Ausgabe.

Die alten Spielprinzipien von "Monopoly" oder "Risiko" haben aber Nachteile. Sie sind oft langatmig. Denn Spieler sind nicht gemeinsam am Zug und müssen meist lange warten, bis es weitergeht. Außerdem sind diese Spiele oft gemein — vor allem dann, wenn jemand chancenlos ausscheidet und das Spiel der anderen danach noch zwei Stunden andauert.

Moderne Spiele haben diese Schwächen durch clevere Regeln überwunden. Das wohl bekannteste ist "Catan". Doch auch "Carcassone", "Zug um Zug", "Dominion" oder "Machi Koro" sind einstiegsfreundliche Familienspiele, die "Monopoly" und "Risiko" den Rang abgelaufen haben. Darüber hinaus gibt es viele andere Spiele, die bekannten Klassikern überlegen sind:

Statt "Kniffel" bieten sich zum Beispiel "Quixx", "Dizzle" und "Ganz schön clever" an.

Statt "Mensch ärgere dich nicht" sollten es Familien mal mit Spielen wie "Dog", "Can’t stop!" oder "Faultier" von Friedemann Friese versuchen.

Statt "Skat" und "Doppelkopf" — zwei tolle, aber auch schwierige Spiele — bieten sich "Wizard", "Skull King" und "Half-Pint Heroes" an. Ein potenzieller Kandidat für das diesjährige Spiel des Jahres ist zudem "Die Crew", bei dem eine Raumschiffbesatzung nicht gegeneinander, sondern miteinander um Stiche spielt. Und auch das 2018 veröffentlichte "Pikoko" sticht nicht nur durch seine Ästhetik hervor.

Statt "Scrabble" lohnen sich Wortspiele wie "Codenames" oder "Just One" — das Spiel des Jahres 2019.

Statt "Mau-Mau" und "Uno" eignen sich "L.A.M.A." und das kooperative "Tippi Toppi", um die gemeinsame Zeit spielerisch zu meistern.

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Video vom 17. März 2020
Ein Junge und ein Mädchen sitzen am Küchentisch und puzzeln zusammen.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 30. März 2020, 23:30 Uhr