Die Bremens Tiere rettet: Mit der Amtstierärztin unterwegs

Wenn Tiere misshandelt oder vernachlässigt werden, ist sie zur Stelle: Diane Scheffter kontrolliert Bremens Tierhalter — und das meistens unangemeldet.

Video vom 29. Mai 2020
Tierschützerin Diane Scheffer im Interview auf der Straße.

Seit 24 Jahren kurvt die amtliche Tierschützerin Diane Scheffter mit ihrem Einsatzwagen kreuz und quer durch Bremen, auf der Suche nach gequälten oder vernachlässigten Tieren — sie kommt immer ohne Ankündigung.

Tierschutz – kein ungefährlicher Job

Was als Tierquälerei gilt, entscheidet das Gesetz. Die Tierärztin geht jährlich etwa 600 Anzeigen nach, denn die Hotline zum Veterinäramt steht selten still. Bei Besuchen macht ihr nicht jeder gern die Tür auf.

Wenn wir Amtstierärzte vor einer Wohnung oder einem Haus stehen und sagen, dass eine Tierschutzbeschwerde vorliegt, ist es sofort so bei den Leuten, dass sie dicht machen und fragen, wer sie angezeigt hat.

Ein Foto von Amtsärztin Diana Scheffter
Diane Scheffter, Bremer Amtstierärztin

Wenn bei dem ersten unangemeldeten Besuch niemand die Tür öffnet, kommt Diane Scheffter noch ein paar Mal unangemeldet vorbei, bevor der Besuch dann angekündigt wird – sonst kann die Arbeit nicht weitergehen. "Wir bleiben dran, bis es erledigt ist – auch wenn es manchmal Jahre dauert", erklärt die Tierärztin.

Eine Nahaufnahme des Schildes vor dem Amt für Tierschutz in Bremen
Nicht jeder macht Mitarbeitenden vom Tierschutzamt gern die Tür auf.

Auch wenn manche Leute schon ziemlich wütend werden, wenn die Amtstierärzte eingreifen, ist Diane Scheffter bisher noch nichts bei ihren Einsätzen passiert. "Ein Kollege aus Cuxhaven ist mal von einem Landwirt angeschossen worden", erzählt sie. "Der war dann mehrere Wochen im Krankenhaus, aber das ist das Berufsrisiko."

Auch unliebsame Tiere sind durch das Tierschutzgesetz geschützt

Im Bremer Veterinäramt ist Diane Scheffter dafür bekannt, dass es ihr ernst ist mit ihrem Amt. Der Satz "Das ist ja nur ein Tier" ist für die Amtstierärztin der schlimmste Spruch überhaupt. Dazu liebt sie Tiere zu sehr und hat auch schon zu viel Leid gesehen – ob Hunde mit Milben, Schlachtschweine mit Eiterbeulen und verwahrloste Tiere in Messiwohnungen. Vor einigen Jahren fand sie in einem Geschäftshaus in der Innenstadt ein Wohnzimmer voller Katzen vor. Sie schätze sie zunächst auf 60. Es waren 105. Was ein Tier quält oder nicht, dafür gibt es klare Gesetze:

Es gibt das Tierschutzgesetz und bestimmte Verordnungen. Da sind Mindestanforderungen an die Haltung. An das, was Tieren nicht passieren darf. Und das ist das, wonach wir kontrollieren.

Ein Foto von Amtsärztin Diana Scheffter
Diane Scheffter, Bremer Amtstierärztin

Für die Amtstierärztin steht jedes Tier unter ihrem Schutz, auch die wenig beliebten Tauben. Hier hat sie zum Beispiel einen Hinterhof in der Sögestraße schon mehrfach kontrolliert, weil die Vögel sich dort in den Netzen verfangen, die gegen den Taubenschiss schützen soll. Der Eigentümer musste neue Netze anbringen.

Zweiter Blick offenbart oft schlimme Zustände in der Tier-Industrie

Foto eines Tiertransporters von der Seite
Auch Tiertransporter kontrolliert die Tierärztin.

Zu ihrer Arbeit gehört auch die Kontrolle von Tiertransporten. Gemeinsam mit der Polizei nimmt Diane Scheffter mindestens einmal im Monat die Transporte ins Visier und prüft, ob es den Tieren gut geht. Das ist oft nicht der Fall, auch wenn es auf den ersten Blick meistens ganz gut aussieht.

Rein in die Transporter darf sie allerdings nicht, denn das würde die Tiere aufregen. Mit einem speziellen Prüfsystem wird daher errechnet, ob die Tiere genug Platz haben. Für Schweine mit über 120 Kilo Gewicht müssen beispielweise mindestens 0,7 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Nicht immer haben die Tiere beim Transport im Doppeldecker genug Platz. Bei Rindern drückt oftmals die Decke von oben — das ist qualvoll.

Die Tiertransporte gehen nicht spurlos an der Amtstierleiterin vorbei, da hilft alle Erfahrung nicht. "Wir sollten uns wirklich fragen, wie das ist mit dem Verzehr von Fleisch ist und ob wir einfach vorbehaltlos Fleisch essen sollten. Oder ob wir tatsächlich damit wertschätzend umgehen, wenn wir Fleisch essen wollen."

Noch leben sie. Noch hängen sie nicht am Haken.

Ein Foto von Amtsärztin Diana Scheffter
Diane Scheffter, Bremer Amtstierärztin

Die Ärztin und das liebe Vieh

Schon als Kind wollte Scheffter Tierärztin werden. Besonders hatten es ihr die Haakebeck-Pferde angetan. Wenn die berühmten Gespanne zuhause um die Ecke kamen, beladen mit Bierfässern, musste sie immer sofort hinlaufen. Ihr eigener Hund Santos kommt natürlich aus dem Tierschutzhund. Ihn hat sie selbst aus großer Not geholfen und aus einer schlimmen Haltung befreit.

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Autorin

  • Ulla Hamann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Mai 2020, 19:30 Uhr