Mordprozess gegen Ex-Krankenpfleger kommt auf die Bühne

Das Oldenburger Staatstheater will den Fall Niels Högel auf die Bühne bringen – und aus der Perspektive der Opfer und Hinterbliebenen erzählen.

Der Krankenpfleger Niels H. auf der Anklagebank neben seiner Anwältin
Der Prozess um den Ex-Krankenpfleger Niels Högel soll in Oldenburg auf die Theaterbühne kommen. Bild: DPA

Am 30. Oktober beginnt am Oldenburger Landgericht der Prozess um die größte Tötungsserie im Nachkriegsdeutschland: Niels Högel werden 99 Morde aus Geltungslust zur Last gelegt. Zwischen 2000 und 2005 soll er Patienten in Oldenburg und Delmenhorst Medikamente gespritzt haben, die lebensbedrohliche Herzprobleme bis hin zum Herzflimmern auslösen. Anschließend reanimierte er seine Opfer, um als vermeintlicher Held dazustehen. Högel verbüßt bereits für sechs weitere Taten eine lebenslange Haftstrafe.

Gespräche mit Zeugen und Hinterbliebenen

Das Oldenburger Staatstheater will den nun kommenden Prozess als Dokumentarstück auf die Theaterbühne bringen. Die Regisseurin Julia Roesler und weitere Mitglieder der "Werkgruppe2" wollen den beginnenden Prozess begleiten, teilte das Theater am Montag mit. Dabei wollen sie auch mit Zeugen und Angehörigen sprechen. Ziel des Projekts sei es, die Ereignisse aus der Perspektive der Angehörigen und der überlebenden Opfer zu erzählen. So solle eine Form des öffentlichen Erinnerns geschaffen werden.

Uraufführung für Frühjahr 2020 geplant

Die Uraufführung des Theaterprojekts "Der Fall H." sei für Februar 2020 in Oldenburg geplant, hieß es. Die "Werkgruppe2" inszeniere seit 10 Jahren dokumentarische Werke, in denen die soziale Wirklichkeit von Minderheiten beschrieben wird, die sonst nur selten oder gar nicht an die Öffentlichkeiten gelange. Dabei nutzt die Gruppe wörtliche Zitate aus zuvor geführten Interviews mit den Betroffenen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 22. Oktober 2018, 23:30 Uhr