Bremerhavener Polizisten nutzen jetzt Elektroschocker

Lange wurde im Land Bremen über den Einsatz von sogenannten Tasern diskutiert. Nun werden die Elektroschock-Waffen in Bremerhaven im Einsatz getestet.

Ein Mann, der einen gelben Taser in den Händen hält

Im Bremerhavener Stadthaus 1 brutzelt es: Lautes, elektrisches Krisseln, ein bedrohlicher Lichtbogen vorn an der knallgelben Plastik-Pistole und ein ziemlich einsatzbereiter Polizist: "Stehenbleiben, Polizei, oder ich setze Strom ein", warnt der Beamte zweimal. Dann ein Knall und lautes Zischen. Der Taser wird abgefeuert, dünne unter Strom stehende Drähte fliegen dem Angreifer entgegen. Die Widerhaken dringen durch die Kleidung etwa 1,4 Millimeter in die Haut ein. Der gut geschützte Kollege geht zu Boden und simuliert mit den zuckenden Körper des Angeschossenen.

So also soll es aussehen, wenn in Bremerhaven Taser eingesetzt werden. Und das werden sie ab jetzt. Neun der "Distanz-Elektroimpulsgeräte", im Amtsdeutsch kurz "Deigs", hat die Bremerhavener Polizei angeschafft, um für das ganze Land Bremen zu sondieren, wie sinnvoll der Einsatz ist.

Polizeichef: Taser schließen eine Lücke

Für Bremerhavens Polizeichef Harry Götze ist der Nutzen klar: "Die ’Deigs’ schließen eine Lücke zwischen den bisher zur Verfügung stehenden Einsatzmitteln und der Schusswaffe", sagt er. Der Einsatz habe eine hohe Wirkungskraft – und bringe die sofortige "Beendigung einer aggressiven Haltung."

Außerdem hat mich überzeugt, dass die Folgewirkungen für die Betroffenen extrem gering sind.

Harry Götze, Leiter der Ortspolizeibehörde Bremerhaven

Ganz so sehen das nicht alle im Land. Der geplante Taser-Einsatz hatte 2017 für Irritationen in der rot-grünen Koalition gesorgt. Als die SPD die Idee ins Spiel brachte, gingen die Grünen auf die Barrikaden. "Taser sind nicht harmlos, sie können töten", mahnte Björn Fecker von den Bremer Grünen damals. Auch die Bremer Linke war und ist gegen einen Einsatz der Waffen.

Harry Götze mit einem Taser
Bremerhavens Polizeichef Harry Götze mit einem der neun neuen Taser.

Vielleicht lag es darum nahe, die Testperiode ins SPD-CDU-regierte Bremerhaven zu verlegen. "Wir haben uns auch sehr schnell bereit erklärt, das durchzuführen", sagt Polizei-Leiter Götze. Er ist sich der Risiken durchaus bewusst. "Die größte Gefahr liegt im Sturzgeschehen", erklärt er: "Der Getroffene wird sofort handlungsunfähig." Im Konzept sei vorgesehen, dass beim Taser-Einsatz immer ein Rettungswagen oder ein Notarzt hinzugezogen wird.

Amnesty International hält Taser für gefährlich

Dass es auch ein Risiko für gefährliches Herzkammerflimmern gibt, räumt die Polizei ein: Es sei mit 0,1 Prozent aber sehr gering. Außerdem gebe es bisher keinen einzigen Fall, in dem ein Taser als "todesursächlich" galt. Das sieht Amnesty International anders. Die Organisation nennt Zahlen, nach denen es allein in den USA von 2001 bis 2017 über 700 Todesfälle durch Taser-Einsatz gegeben habe.

Nach der Ausbildung von 40 Bremerhavener Polizisten an den ’Deigs’ startet nun der Pilotversuch. Er soll zwölf Monate dauern und 35.000 Euro kosten. Am Ende soll eine strategische und auch eine medizinische Auswertung die Entscheidung bringen, ob Polizisten im Einsatz- und Streifendienst generell mit Tasern ausgestattet werden. Bei den Spezialeinsatz-Kommandos (SEK) werden die Waffen schon seit längerem im Regelbetrieb genutzt.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Oktober 2018, 19.30 Uhr

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