Tag der Putzfrau: 9 von 10 arbeiten schwarz – auch in Bremen

Babysitten, Putzen, und Staubsaugen: Viele Bremer lassen sich bei der Hausarbeit helfen. Die meisten Putzkräfte arbeiten schwarz. Eine Zahl überrascht allerdings die Arbeitnehmerkammer.

Frau wischt die Treppen in ihrer Wohnung
Geputzt wird viel – und fast immer schwarz. Für die allermeisten Reinigungskräfte ergibt die Anmeldung ihrer Tätigkeit keinen Sinn. Bild: Imago | Jürgen Tack

Die "unsichtbare Arbeit": So wird die Hausarbeit auch im Volksmund genannt. Aufgaben, deren Erledigung kaum auffällt, aber enorm viel Zeit verschlingt. Eine Putzkraft schafft da Abhilfe – und entlastet etwa Eltern, die zwischen Job und Kind kaum Zeit für das Saubermachen der Wohnung finden. Der "Internationale Tag der Putzfrau" ist helfenden Putzhänden gewidmet und soll auf ihre häufig schlechten Arbeitsverhältnisse aufmerksam machen.

Weniger Putzkräfte, gleicher Anteil Schwarzarbeit

Doch immer weniger Deutsche beschäftigen laut Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Putzhilfen. Waren es 2015 noch knapp 4,3 Millionen Haushalte in Deutschland, die eine Putzkraft beschäftigen, ging die Zahl 2017 auf 3,75 Millionen zurück. Ein Unterschied von mehr als zwölf Prozent. Dagegen ist die Zahl der schwarz arbeitenden Putzkräfte so gut wie gleich geblieben. Statistisch lässt sich die Zahl nicht berechnen, dafür aber relativ genau einschätzen. Das macht das IW anhand der Befragungsdaten von rund 20.000 Personen. Demnach arbeiteten 2015 88,9 Prozent aller Putzkräfte schwarz, im vergangenen Jahr waren es 88,1 Prozent. Das ist ein Wert, der sich auf alle Regionen in Deutschland übertragen lässt.

Für Regine Geraedts, Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik bei der Arbeitnehmerkammer Bremen, ist dieser Wert kaum verwunderlich. "Es ist nun mal so, dass 'offizielle' Arbeitsverhältnisse gegen die Schwarzarbeit kaum konkurrieren können." Zu gering seien meist die Vorteile, den Job entweder in einem festen Anstellungsverhältnis oder geringfügig beschäftigt, also als "Minijob", auszuführen.

Zahl der Minijobber in Bremen überrascht Arbeitnehmerkammer

Dennoch überrascht Bremen: Die Zahl der Minijobber hat sich den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt – von 1.118 auf 2.032. "Das ist tatsächlich interessant", so Geraedts. "Ich würde das als einen Hinweis auf einen steigenden Bedarf an hauswirtschaftlichen Dienstleistungen interpretieren." Mehr würde man sich seitens der Arbeitnehmerkammer jedoch über feste Anstellungsverhältnisse freuen. Minijobber seien in vielerlei Hinsicht schlechter gestellt. So haben sie etwa keine Ansprüche an die Sozialversicherungen.

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Außerdem dürfe man bei etwa 365.000 Haushalten in Bremen nicht vergessen, dass es sich bei all diesen Zahlen nur um einen winzigen Bruchteil der tatsächlichen Reinigungskräfte handelt, sagt Geraedts. Wie im Rest Deutschlands arbeiten die allermeisten schwarz. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft beschäftigt in Bremen mehr als jeder zehnte Haushalt eine Putzkraft. Rechnet man das auf die 365.000 Haushalte hoch und zieht die Zahl der offiziell beschäftigten Putzkräfte ab, ergibt das in der Theorie 34.000 Reinigungskräfte, die schwarzarbeiten.

Ich denke, um diesen Job ist es unter anderem so schlecht bestellt, weil sich viele Deutsche immer noch schwer damit tun, Hausarbeit als 'richtige' Arbeit anzuerkennen. Und das, obwohl sie ein so wichtiger Teil unseres Alltags ist.

Regine Geraedts, Arbeitnehmerkammer Bremen

Neben seiner Anfälligkeit für Schwarzarbeit bleibt der Job vor allem eines: Eine Frauendomäne. Von den insgesamt 2.269 formell beschäftigten Putzkräften in Bremen sind lediglich 212 Männer. Das Verhältnis dürfte bei den Schwarzarbeitern kaum anders sein.

Nur wenige Beschäftigte, viel Schwarzarbeit und fast nur Frauen: Die Bremer Arbeitnehmerkammer sieht Möglichkeiten, das zu verändern. Man müsse solche Beschäftigungsverhältnisse in Agenturen bündeln, so Geraedts. "Dann hätten Putzkräfte endlich vernünftige Arbeitsverträge, Fortbildungen und auch Kollegen." Außerdem sei damit ein wichtiger Schritt getan, um das Putzen und Aufräumen als richtige Arbeit anzuerkennen. "Damit tun sich viele Deutsche immer noch schwer; obwohl diese Aufgaben ein so wichtiger Teil unseres Alltags sind."

Ein Tag als Reinigungskraft in Friedehorst

Reporterin Jagoda Przybyla beim wechseln eines Müllsacks
  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei "Der Nachmittag", 8. November, 15:38 Uhr