Bremer Stadtmusikanten verstummen für 2 Wochen

Eine Touristenattraktion macht Pause: Die Technik des Bremer Lochs wird ab heute auf Vordermann gebracht.

Frau wirft Münze in Bremer Loch
Münzen spenden und als "Lohn" ein Stadtmusikanten-Geräusch: So funktioniert das so genannte Bremer Loch. Bild: dpa | Ingo Wagner

Es ist Bremens beliebteste und ungewöhnlichste Spendenbüchse: der Schacht im Straßenpflaster neben dem Haus der Bürgerschaft. Seit mehr als zehn Jahren kräht, miaut, bellt und i-aht es aus dem Inneren des Bremer Lochs, sobald jemand eine Münze in den Schlitz des prunkvoll verzierten Gullydeckels wirft. Eine Fotozelle registriert unterirdisch die Münze, und ein Chip spielt eines der vier Tiergeräusche digital ab, die allesamt aus dem Schallarchiv von Radio Bremen stammen. Zuletzt blieben die Stadtmusikanten jedoch zur Enttäuschung vieler Spender immer häufiger stumm. Der Dauereinsatz, der Zahn der Zeit und auch Vandalismus haben der Technik zugesetzt, die jetzt – rechtzeitig vor der Geburtstags-Sause der Bremer Maskottchen im Sommer – ausgetauscht wird.

Die Bremer Stadtmusikanten machen ab 11. März Erholungsurlaub und verlassen für zwei Wochen das Bremer Loch.

Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe

Goldgrube mit neuem Herzstück

Für die Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe e.V., der Betreiberin und Nutznießerin der Spenden, ist die unterirdische Sammelbüchse eine wahre Goldgrube: Beim letzten Kassensturz 2018 belief sich die Jahresbilanz auf über 18.000 Euro. Das Geld kommt armen und benachteiligten Menschen in der Hansestadt zugute. Und weil die Bürgerhilfe für jeden Cent dankbar ist, soll das die neue Technik berücksichtigen: Nach dem Umbau sollen die Stadtmusikanten auch auf die kleinste Münze mit klingendem Dank reagieren. Für die neue Elektronik hat der Verein einen Bremer Spender gefunden, der auf Prozessleittechnik spezialisiert ist und sensible Hightech-Münzerfassung versprochen hat.

In Bremen liegt das Geld unter der Strasse

In der Regel wird das Bremer Loch ein Mal die Woche vom Deutschen Roten Kreuz geöffnet und geleert. In touristischen Spitzenzeiten wie zur Osterwiese, dem Freimarkt oder vor Weihnachten auch häufiger. Dann muss das Geld erstmal gewaschen werden – ganz legal. Die internationalen Münzen – viele aus USA, Polen und Russland – werden zur Zeit noch zur Seite gelegt. Wenn genug zusammengekommen sind, werden sie bei der Bank umgetauscht.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Kickt, 9. März 2019, 17:15 Uhr