24h-Geburten-Stopp im St. Joseph-Stift wegen Hebammenmangel

  • Krankenhaus gibt akute Krankheitsfälle bei Hebammen als Grund an
  • Kreißsaal war bis Samstag um 13 Uhr geschlossen
  • Notfälle wurden aufgenommen – alle anderen Frauen verlegt
Eine Hebamme versorgt ein Neugeborenes.
Geburten, wie hier im Bild, gab es im Bremer St. Josef-Stift bis Samstagmittag nicht. Wegen kranker Hebammen bleibt der Kreißsaal 24 Stunden geschlossen. Bild: DPA | Klaus Rose

Der Kreißsaal des Bremer Krankenhauses St. Joseph-Stift ist bis Samstag, 13 Uhr, geschlossen geblieben. Das teilte die Klinik auf ihrer Homepage mit. Grund seien "akute Krankheitsfälle" bei Hebammen gewesen. Frauen, bei denen sich eine Geburt anbahnte, wurden in andere Krankenhäuser verlegt. Medizinische Notfälle wurden aber weiterhin aufgenommen.

Wie der Leiter der Frauenklinik, Torsten Frambach, auf Anfrage von buten un binnen mitteilte, hätten sich so viele Hebammen krankgemeldet, dass der Betrieb nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen sei. "Wir brauchen pro Tag neun Hebammen, um unseren Drei-Schicht-Betrieb organisieren zu können", sagte Frambach. Es sei "medizinisch nicht zu verantworten", den Kreißsaal offen zu halten. Auf Twitter und Facebook gab es einige Reaktionen auf den drastischen Schritt.

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"Für uns ist das eine ganz schreckliche Situation, wir arbeiten alle am Limit", sagte Frambach. Schon seit längerem seien vier Hebammen-Stellen im St. Joseph-Stift unbesetzt. Jetzt hätten die Krankmeldungen den Mangel verschärft. Im St. Joseph-Stift kommen etwa 2.100 Kinder pro Jahr auf die Welt – im Schnitt sieben bis acht pro Tag.

In ganz Bremen fehlen Hebammen

Grundsätzlich fehlen nicht nur am St. Joseph-Stift Hebammen – generell gibt es zu wenige von ihnen. Das liegt auch daran, dass man noch vor fünf Jahren gedacht hat, dass die Geburtenzahlen in Deutschland zurückgehen. Aber das ist nicht so. Trotzdem wurden Geburtsstationen geschlossen – mehrere jetzt auch im Bremer Umland. Hinzu kommt, dass das Geburtshaus Oldenburg – das einzige westlich von Bremen – während der Sommermonate schließt. Der Druck auf die Bremer Plätze ist deshalb groß.

Dem Hebammenlandesverband Bremen zufolge gibt es derzeit etwa 266 Hebammen in der Stadt, 161 davon arbeiten zumindest zum Teil freiberuflich. 19 Stellen seien aktuell unbesetzt. Das Problem: Knapp die Hälfte der Bremer Hebammen ist schon über 50 Jahre alt. Und die, die in Rente gehen, können nicht ersetzt werden, weil der Nachwuchs fehlt. Dem Hebammenverband zufolge plant auch ein hoher Anteil der jüngeren freiberuflichen Hebammen einen Berufswechsel.

Ab 2020 soll es in Bremen einen eigenen Hebammen-Studiengang geben

Außerdem wurden Hebammenschulen geschlossen und die Arbeitsbedingungen gelten als nicht besonders attraktiv, so dass nur wenige junge Frauen Hebamme werden wollen. Die Bremer Kliniken versuchen gegenzusteuern und werben Geburtshelferinnen aus dem Ausland an. Am Sankt-Joseph-Stift werden ab März drei offene Stellen mit Hebammen aus Italien besetzt. Dort werden mehr ausgebildet als gebraucht werden. Das könne dem Hebammenverband zufolge aber höchstens eine mittelfristige Lösung sein. Denn die Einarbeitung von ausländischen Kollegen benötige Zeit.

Eine weitere Maßnahme: Die Hebammenschule in Bremerhaven bleibt erstmal bestehen. Zudem soll es ab 2020 in Bremen einen eigenen Hebammen-Studiengang geben – wie von der EU seit Jahren gefordert. Aber all das wirkt nur langfristig. Und so kann man nicht ausschließen, dass vielleicht nochmal ein Kreißsaal wegen Personalmangels vorübergehend schließen muss.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 22. Februar 2019, 13 Uhr