Fragen & Antworten

5 Antworten zum bargeldlosen Einkauf per Handy

Zahlen Sie schon per Smartphone? Wie und wo das in Bremen den Geldbeutel bereits ersetzt und auf was Sie beim Shoppen mit dem Handy achten sollten.

Jemand hält in einem Geschäft ein Handy über ein Bezahlterminal.
In vielen Geschäften wird mobiles Zahlen bereits angeboten, doch kaum angenommen. Bild: Imago | Westend61

Ob im Kino oder am Kiosk: In Schweden und Dänemark ist es völlig alltäglich, an der Kasse statt des Portemonnaies das Handy fürs Bezahlen zu zücken – selbst Cent-Beträgen werden dort mobil mit dem Smartphone beglichen. Im Land Bremen gehört das noch eher zur Ausnahme. Wer sein Handy zur Geldbörse machen will, sollte ein paar Punkte beachten.

Wie funktioniert das Bezahlen mit dem Handy?
Beim mobilen Bezahlen wird direkt mit dem Smartphone am Kassenterminal bezahlt. Wie beim kontaktlosen Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte erfolgt die Datenübertragung per "Near Field Communication" (NFC). Der Bezahlvorgang dauert so nur wenige Sekunden – ohne PIN-Eingabe. Überall, wo auch sonst kontaktloses Bezahlen möglich ist, funktioniert grundsätzlich auch mobiles Bezahlen – dies wird durch ein Wellen-Symbol seitlich am Terminal oder auf dem Display kenntlich gemacht.
Ein Handy wird zum Bezahlen an einen BSAG-Ticketautomaten gehalten.
Ein integrierter NFC-Chip im Smartphone ist eine Voraussetzung zur mobilen Zahlung.
Jedes Smartphone mit integriertem NFC-Chip kann zum mobilen Bezahlen genutzt werden. Diese NFC-Funktion ist inzwischen sowohl bei Android- als auch bei Apple-Geräten gängiger Bestandteil. Voraussetzung ist außerdem eine App, mit der der eigentliche Bezahlvorgang an der Kasse oder dem Automaten ausgeführt wird. Je nach App kann die jeweilige Zahlungsmethode variieren. Mobile Banking-Apps von Geldinstituten setzen voraus, dass eine entsprechende Kredit- oder Girokartennummer hinterlegt ist. Anschließend wird der entsprechende Betrag einfach mittels Lastschriftverfahren vom Girokonto oder von der Kreditkarte abgebucht. Zum Bezahlen muss sich die App deshalb regelmäßig mit dem Server des Anbieters verbinden. Während des Bezahlvorgangs selbst ist eine WLAN- oder mobile Datenverbindung aber laut Verbraucherzentrale Bremen nicht unbedingt erforderlich.

Alternativ können auch Guthabenkarten erworben werden, wie es bei einigen Drogerieketten der Fall ist. Dabei wird einfach ein erworbener Code in die Bezahl-App eingegeben und das Guthaben für die Einkäufe genutzt.
Wo kann ich in Bremen bereits mit dem Smartphone zahlen?
Viele Handelsketten und Einzelhändler, bei denen sowieso per Giro-Karte gezahlt werden kann, bieten mobiles Bezahlen bereits an. An vielen Supermarktkassen ist das besipielsweise bereits geübte Praxis. Aber nicht alle Geschäfte verfügen über die notwendigen Lesegeräte. Wer per Smartphone zahlen möchte, sollte die Möglichkeit dafür an der Kasse vorab besser erfragen.

Die BSAG hat schon letztes Jahr aufgerüstet: Der Fahrkartenkauf per Handy wird an ausgewählten Automaten angeboten. "Sie funktioniert an den neuen, roten Ticketautomaten in den Straßenbahnen sowie an den rund zwei Dutzend Haltestellen der BSAG", sagt Andreas Holling, Pressesprecher der BSAG.
Wie wird das mobile Bezahlen bisher in Bremen genutzt?
Zu Bremen gibt es bisher noch keine offiziellen Zahlen. "Der Anteil an Zahlungen mit dem Handy liegt bundesweit noch im unteren einstelligen Bereich, ist aber steigend", so Ralf Schwiethal von der Sparkasse Bremen. Bei einer neuen Verbraucherstudie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoppers (PwC) wurden 2.500 Verbraucherinnen und Verbraucher in zehn europäischen Ländern befragt, inwiefern sie im letzten Jahr diese Form des Bezahlens genutzt haben. Das Ergebnis: Deutschland ist Schlusslicht mit nur fünf Prozent. Ein Grund könnte darin liegen, dass die Software für mobile Bezahlmethoden verhältnismäßig spät auf dem deutschen Markt angekommen ist. Google Pay ist seit Juni 2018, Apple Pay erst seit Dezember 2018 in Deutschland verfügbar. In den USA war die Einführung als Android Pay bereits 2014 beziehungsweise 2015.

Die BSAG bestätigt, dass Fahrkartenkauf per Smartphone-Bezahlung seit der Einführung im Dezember 2018 stetig zunimmt.

Bei den Automaten an den Haltestellen sind es aktuell rund 50 Prozent, in den Straßenbahnen etwa 15 Prozent. Dort ist die Ausstattung aller Fahrzeuge allerdings erst voraussichtlich im kommenden Sommer abgeschlossen.

Andreas Holling, Pressesprecher der BSAG
Welche Gefahren und Risiken birgt die Zahlungsmethode?
Verbraucherschützer kritisieren lange Datenschutzerklärungen und wenig transparente Nutzungsbedingungen, die es oft schwer machen, einen für die jeweiligen Bedürfnisse passenden Dienst zu finden. Grundsätzlich sei mobiles Bezahlen jedoch nicht unsicher, sagt Ralf Schwiethal von der Sparkasse Bremen: "Wir als Sparkasse Bremen haben noch keine Schadens- oder Missbrauchsfälle im Bereich mobiles Bezahlen und kontaktloses Bezahlen."

Es fehlt teilweise an Transparenz, wenn es um die Verwendung der Nutzerdaten geht. Die verschiedenen Anbieter von mobilen Bezahlsystemen unterscheiden sich im Hinblick auf Sicherheit und Schutz von privaten Daten. Apple Pay speichere Transaktionen nur lokal auf dem Iphone sowie im Buchungssystem der Bank oder der Kreditkartengesellschaft, wie der Sicherheitsforscher Mikko Hyppönen vom finnischen Sicherheitsunternehmen F-Secure in der PwC-Verbraucherstudie bestätigt. Der Empfänger einer Apple-Pay-Zahlung kann nicht sehen, von wem er eigentlich das Geld bekommen hat. Google dagegen behält sich in den Geschäfts- und Nutzungsbedingungen vor, die Google-Pay-Daten auszuwerten und zu nutzen.
Wie schnell wird das mobile Bezahlen Teil unseres Alltags werden?
Die Deutschen zögern noch, sich modernen Bezahlverfahren zu öffnen. Die PwC-Verbraucherstudie ergab, dass knapp 60 Prozent der befragten Deutschen keinen Grund sehen, der ihnen das mobile Bezahlen in Zukunft schmackhaft machen könnte. Damit sind die Deutschen skeptischer und konservativer als die anderen EU-Bürger, wenn es um alternative Zahlungsmethoden geht. Die größte Skepsis stellt laut PwC-Studie die Ungewissheit in Hinsicht auf die Weitergabe privater Daten dar – besonders IT-Konzerne wie Google und Apple haben immer wieder mit Misstrauen zu kämpfen. Aus diesem Grund wird Bargeld als sicherer und bequemerer Zahlungsweg empfunden.

Die Autoren der PwC-Verbraucherstudie sehen aber noch andere Hindernisse, die der Verbreitung des mobilen Bezahlens im Wege stehen. So fehle ein paneuropäisches Bezahlsystem: Derzeit gebe es 15 nationale elektronische Bezahlsysteme und eine noch größere Zahl von Online- und Mobil-Zahldiensten, die ebenfalls überwiegend länderspezifisch seien.

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Autoren

  • Annelie Sturhann
  • Elena Pintus
  • Adam Winiarski
  • Madita Thomas
  • Birte Hirsch

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 4. November 2019, 8:40 Uhr