"Seute Deern" und die Folgekosten: Wer soll das bezahlen?

In Bremerhaven hat der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums getagt. Dabei ging es auch um die Frage, wer die Instandhaltungskosten des Segelschiffs trägt.

Video vom 13. Dezember 2019
Ein Konferenzraum, in dem mehrere Personen an einem Tisch sitzen.
Bild: Radio Bremen

Der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) hat noch keine Lösung dafür, wie die Folgekosten für einen umstrittenen Neubau des historischen Segelschiffes "Seute Deern" bezahlt werden sollen. Das wurde am Freitagabend nach der Sitzung des Stiftungsrats in Bremerhaven deutlich. Zuerst will das DSM die genauen Bedingungen der zugesagten Bundeshilfen klären. Dies sagte ein Museumssprecher nach Beratungen. Neben der "Seute Deern" sind auch Arbeiten an fünf weiteren Museumsschiffen geplant – allein dafür werden auf der Basis eines Fachgutachtens rund 2,9 Millionen Euro nötig sein.

Man freue sich über die in Aussicht gestellte Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, hieß es. Über die konkreten Konditionen seien aber noch weitere Gespräche geplant. Die Chefin des Stiftungsrats, Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), erklärte: "Um die weitere Planung voranzutreiben, müssen wir zunächst den Zuwendungsbescheid abwarten."

200.000 Euro steckt das Museum jedes Jahr in all seine Schiffe

Der Bund hatte überraschend angekündigt, 46 Millionen Euro für einen Nachbau der "Seute Deern" zur Verfügung zu stellen. Für die laufenden Instandstandhaltungs- und Betriebskosten aller Projekte fallen schon mehr als 2,3 Millionen Euro an. Bisher steht dem Museum aber nur ein reguläres Budget von etwa 200.000 Euro pro Jahr für diese Aufgaben zur Verfügung.

Was es kostet, das originale Schiff zu unterhalten, dazu gibt es noch gar keine genauen Zahlen. Nach bisherigen Schätzungen aus dem Schifffahrtsmuseum könnten bis zu 780.000 Euro für die Instandhaltung des Schiffes pro Jahr anfallen. Laut Projektleiter Lars Kröger beruht diese Summe jedoch auf alten Zahlen als man noch davon ausging, die "Seute Deern" sanieren und instand halten zu können – also bevor von einem Neubau die Rede war. Käme der, wären die Instandhaltungskosten wohl günstiger.

Als der Bund 46 Millionen Euro zusagte, brach nicht bei allen Jubel aus. "Es sind schon hohe Kosten angefallen für die Bergung und auch für die Begutachtung der Seute Deern", sagte die Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, Solveig Eschen, von den Bremer Grünen.

Es darf aus unserer Sicht keinesfalls passieren, dass – sollten diese Mittel nicht reichen – dann am Ende doch Bremen einspringen muss und wichtige Mittel im Wissenschaftshaushalt fehlen

Solveig Eschen, Grüne Bremen
Der Schlauch einer Pumpe auf der Seute Deern
Die "Seute Deern" wurde lange nur mit Pumpen über Wasser gehalten. Bild: Radio Bremen

Wäre es also denkbar, dass Bremerhaven für sein Wahrzeichen einspringt? Die Stadt sei wie alle anderen Stifter von Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner angeschrieben worden, sagt Magistratssprecher Volker Heigenmooser. Daraufhin habe Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) geantwortet, er erwarte eine schlüssige Herleitung der Instandhaltungskosten, dies sei noch nicht plausibel geschehen. Erst dann könne die Stadt eine Bewertung vornehmen. Wenn, würde sich die Stadt ohnehin nur in Höhe seiner Stiftungsbeteiligung einbringen und die liege bei zehn Prozent. Das stehe laut Heigenmooser aber noch nicht zur Debatte.

Stadt zahlt selbst höchstens zehn Prozent

Der Magistratssprecher weist darauf hin, dass eine 20-jährige Gewährleistungsfrist mit der Pflicht zur Instandhaltung bestehe, sollten die Bundesgelder fließen. Es bleibt also weiterhin vieles unklar bei der Finanzierung und somit der Zukunft der "Seute Deern", denn: Erst im Januar soll der schriftliche Zuwendungsbescheid für die Fördermillionen aus Berlin kommen. Auch dann wird erst klar, wofür das Geld genau ausgegeben werden darf und welche Verpflichtungen daran hängen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Dezember 2019, 19:30 Uhr