Nach Überfall in Bremen-Nord: Verdächtiger stellt sich

  • Mann in Wohnung in Bremen-Nord brutal zusammengeschlagen
  • Unbekannte glaubten, den Mann in einem Film erkannt zu haben
  • Ein Tatverdächtiger hat sich der Polizei gestellt
Der Pressesprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade.

Nach den lebensgefährlichen Schlägen auf einen 50-Jährigen in Bremen-Nord hat sich ein Tatverdächtiger gestellt. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Den Angaben zufolge habe der Mann eingeräumt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Auch der in dem Beitrag des kommerziellen Fernsehsenders RTL gezeigte Mann wandte sich noch am Tag der Ausstrahlung an die Polizei. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mann in keinerlei Zusammenhang mit dem in der Sendung dargestellten Fall der Pädophilie steht.

Konsequenzen für RTL?

Der Fall bleibt auch für RTL nicht ohne Folgen: Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen gegen den Privatsender eingeleitet. Dabei werde ein möglicher Anfangsverdacht für eine Straftat geprüft, sagte der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade. Das Verfahren richte sich noch nicht gegen eine bestimmte Person. Das von RTL zur Verfügung gestellte TV-Material werde in strafrechtlicher Hinsicht bewertet. In Vorermittlungen prüfen Staatsanwälte, ob sie formelle Ermittlungen einleiten. Dies ist auch in diesem Fall noch offen. Laut Passade ist die gefilmte Gegend für Menschen aus der Nachbarschaft klar erkennbar gewesen.

RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer wollte die Vorermittlungen nicht kommentieren, weil der Sender noch nicht von der Staatsanwaltschaft darüber informiert worden sei. Der Sender habe sich nichts vorzuwerfen, sagte er: "In dem Beitrag ist zu keinem Zeitpunkt behauptet worden, dass der Mann pädophil ist. Wir haben nur die Recherche abgebildet." Zudem sei der Mann verpixelt worden, um ihn unkenntlich zu machen. Bereits am Donnerstag hatte der Sender mitgeteilt, man habe seine journalistische Sorgfaltspflicht in jeder Hinsicht wahrgenommen. So seien in dem Beitrag keinerlei Hinweise auf den Ort oder eine vermeintliche Adresse des mutmaßlich Pädophilen – etwa Straßennamen oder Hausnummern – gezeigt worden. Das 50-Jährige Angriffsopfer sei nicht Gegenstand der Berichterstattung gewesen, das habe nun auch die Bremer Staatsanwaltschaft bestätigt.

"Bereits unmittelbar nach der Sendung hatte RTL die zuständige Polizeibehörde in Bremen auf seine Recherchen hingewiesen und ihr belastendes Filmmaterial zur Verfügung gestellt. Nach Bekanntgabe der Lynchtat übergab RTL der Polizei auf Anfrage am Mittwochmorgen weiteres Rohmaterial. RTL verurteilt den brutalen Akt der Lynchjustiz in Bremen auf das Schärfste", heißt es in einer Stellungnahme des Senders.

Opfer schwebte zeitweise in Lebensgefahr

Eine Gruppe von etwa zehn Menschen hatte sich am Dienstag an der Wohnung des 50-Jährigen versammelt. Der Mob schlug den Mann so heftig zusammen, dass er zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Die Unbekannten hatten geglaubt, das Opfer in einem TV-Beitrag über Pädophilie erkannt zu haben. RTL hatte in seinem Beitrag geschildert, wie Reporter über das Internet Kontakt zu vermeintlich Pädophilen suchten. Der Film zeigte einen Mann, dessen Verhalten durch die Reporter als verdächtig beschrieben und gefilmt wurde.

Ob sich alle Leute, die sich vor der Wohnung versammelten, an dem Angriff beteiligten, muss laut Staatsanwaltschaft noch geklärt werden. Den Ermittlungen zufolge waren die Unbekannten der Meinung, den Mann in einem Fernsehbeitrag über Pädophile erkannt zu haben. Die Polizei bittet Zeugen des Vorfalls am Dienstag, sich beim Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer (0421) 3623888 zu melden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 15. Juni 2018, 12 Uhr