Ärztekammer Bremen: "Schutzmasken müssen dringend geliefert werden"

Unverzichtbar in Arztpraxen, Krankenhäusern und der Pflege, überflüssig auf der Straße: Das sagen Ärzte über Schutzmasken während der Corona-Pandemie.

Eine Atemschutzmaske hängt vor einem neutralen Hintergrund (Symbolbild)
Wie wichtig sind Schutzmasken gegen das Corona-Virus? Bild: DPA | Markus Ulmer

Ob in der Straßenbahn, im Supermarkt oder im Bürgerpark: Immer mehr Menschen mit Atemschutzmasken prägen das Bild im öffentlichen Leben Bremens — nicht unbedingt zur Freude des Gesundheitswesens. Denn die Masken sind wegen der Corona-Pandemie weltweit knapp, werden in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen benötigt. Wie viele Masken die Bremer Ärzte brauchen möchte derzeit die Kassenärztliche Vereinigung Bremen mit einer entsprechenden Erhebung klären.

Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen, stellt in diesem Kontext fest, dass Bremens Ärzte bislang "umsichtig" auf die Corona-Pandemie reagiert hätten. So hätten die Mediziner ihre Praxen derartig umorganisiert, dass Infektionspatienten konzentriert würden. Dadurch sparten sie auch Schutzkleidung ein.

"Dennoch ist es sehr dringend, das insbesondere Schutzmasken geliefert werden", so Gitter. Die Bundesregierung habe entsprechende Lieferungen angekündigt. Zudem laufe die inländische Produktion an: Autozulieferbetriebe oder Hersteller, die ähnliche Grundprodukte herstellen, hätten ihre Produktion umgestellt und stellten jetzt Schutzmasken für das Gesundheitssystem her, berichtet Gitter.

Masken schützen nur bedingt

Trotz dieser Entwicklungen in der heimischen Industrie verfolgen Fachleute mit gemischten Gefühlen, dass man immer mehr Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit sieht. Zumal das Tragen einer Schutzmaske überhaupt nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sei, sagt Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité. Insbesondere dann nämlich, wenn man selbst krank sei und verhindern wolle, dass sich die eigene Krankheit auf andere übertrage.

Gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) erklärte Drosten die Wirkungsweise von Atemschutzmasken kürzlich mit "mechanischen Gründen": "Wenn ich niese, dann verteile ich kleinste Tröpfchen." Ein Tuch vor dem Mund und der Nase könne diese Tröpfchen abfangen. Dazu eigne sich allerdings nicht nur eine gekaufte Maske aus Zellulose, sondern auch ein gewöhnlicher Schal.

Wer dagegen gesund sei und sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen wolle, dem könne selbst eine Maske keinen Schutz garantieren. Denn das Virus werde selbst durch feinste Tröpfchen übertragen, wie sie etwa ein Huster aus einiger Entfernung hervorruft. Diese Tröpfchen atme man quasi "an der Maske vorbei", seitlich ein. "Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger", fasst Drosten zusammen.

Kontaktverzicht bleibt bester Schutz

Aus den gleichen Gründen wie der Virologe aus Berlin stellt auch Bremens Ärztekammer-Präsidentin Heidrun Gitter klar, dass Kontaktvermeidung am besten einer Corona-Infektion vorbeugt. Mund-Nasen-Schutzmasken dagegen seien allenfalls die zweitbeste Schutzmaßnahme. Die Ärztin empfiehlt die Masken "da, wo ein Kontakt zwischen potenziell Infizierten und anderen, insbesondere Gesundheitspersonal, unvermeidlich ist."

Besondere Schutzmasken müssen vor allem medizinischem Personal vorbehalten bleiben, das sehr eng und intensiv mit potenziell virushaltigen Sekreten in Berührung kommt.

Heidrun Gitter
Heidrun Gitter, Präsidentin der Bremer Ärztekammer

Als Beispiel nennt die Ärztin die Abstrichentnahme für den Coronatest sowie "Maßnahmen an den Atemwegen des Patienten wie Absaugen der Luftwege".

Schutzmasken, die hierzu üblicherweise eingesetzt würden, trügen einen Spezialfilter, der die Träger vor infektiösen Tröpfchen und Aerosolen beim Einatmen schütze. Gitter stellt klar: "Diese Masken sind besonders knapp, daher muss vorrangig das medizinische Personal geschützt werden, damit hier Ausfälle durch Infektionen vermieden werden."

Basteln und Recycling als Option

Davon unberührt hält Gitter es keinesfalls für abwegig, sich selbst Nasen-Mund-Schutzmasken zu nähen. Zumindest, "wenn es am Ende eine dicht sitzende Maske aus ausreichend schützendem Material ergibt." Allerdings warnt Gitter die Träger solcher selbstgenähten Masken davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Zum Schutz vor Corana blieben die Kontaktvermeidung und die Basishygiene die Mittel der ersten Wahl.

Wer dennoch weder auf eine Maske verzichten noch eine solche nähen möchte, für den hat Drosten eine Alternative parat: Man könne den Mund- und Nasenschutz eventuell auch recyceln, indem man ihn sterilisiert, also erhitzt.

"Es gibt Stoffe, die das durchaus aushalten, wenn man die bei 70 Grad mal in den Backofen legt, bis sie trocken sind. Das kann man machen", so Drosten gegenüber dem NDR. Denn bei diesen Temperaturen "sterben Viren ab". Noch einfacher sei es bei Stoffmasken. Denn die könne man waschen. 60 Grad, so Drosten, wären hierbei ausreichend.

Ist Bremen vorbereitet auf eine Corona-Krise?

Video vom 19. März 2020
Ein Arzt mit Mundschutz, Netzkappe, Handschuhen und Ärztekittel.

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. März 2020, 19:30 Uhr