Warum Bremen den Lagerort für Corona-Schutzausrüstung geheim hält

Die zentrale Beschaffungsstelle soll das Bremer Gesundheitssystem möglichst gut für die Corona-Krise ausrüsten – mit sehr begehrtem Material.

Video vom 22. April 2020
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Kartons voller Schutzmasken, Kittel und Handschuhe stapeln sich im neuen Beschaffungslager für Schutzkleidung: Davon hat sich Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) jetzt einen ersten Eindruck verschafft. Aus Sicherheitsgründen ist das Lager rund um die Uhr bewacht, der Standort wird nicht öffentlich gemacht. Denn was hier aufbewahrt wird, ist begehrt. "Und es wird auch ganz gerne mal geklaut. Wir haben ja entsprechende Erfahrungen in den Krankenhäusern gemacht", sagt Bernhard.

Nebenan hat die zentrale Beschaffungsstelle ihren Sitz. Hier werden Angebote eingeholt und Waren geordert. Bremer Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen melden, was sie brauchen und werden dann beliefert. Das Team erhält die Bedarfsmeldungen in Stückzahl. Das Komplizierte sei, das dann im Warenbestand zu finden, erklärt Anna Hanke vom Bremer Gesundheitsressort. "Wenn ich jetzt 5.000 Mund-Nase-Schutz an eine Einrichtung ausgeben möchte, dann muss ich erstmal wissen, wo liegen die hier eigentlich", sagt sie und blickt auf viele Reihen gestapelter Kartons.

Noch immer sind einige Materialien schwer zu bekommen

Sich mit Lagerlogistik zu befassen, ist für alle hier Neuland: Ein Team aus 20 Mitarbeitern vom Gesundheitsamt und der Feuerwehr ist jetzt hier jeden Tag im Einsatz. In den vergangenen drei Wochen habe sich aber ein gut funktionierendes System etabliert, sagt Hanke. Alle seien sehr motiviert bei der Arbeit. Mittlerweile habe man einen Stamm an Händlern, mit denen das Team bisher gut zusammengearbeitet habe. Allerdings macht es immer noch Schwierigkeiten, einige Schutzmaterialien zu besorgen.

Aktuell gibt es Engpässe bei Schutzkitteln, da ist am Markt nicht viel verfügbar – und bei FFP-3-Masken, also die mit der höchsten Rückhaltewirkung. Die kriegen wir auch – wenn überhaupt – nur zu sehr hohen Preisen und in geringen Stückzahlen. Mit dem Erlass von Mund-Nase-Schutz-Pflichten wird die Nachfrage steigen und das Angebot wieder sinken.

Anna Hanke, Bremer Gesundheitsressort

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard schätzt die derzeitige Situation als verbessert ein. Gerade was Schutzmasken angehe, habe sich die Lage etwas entspannt. "Es gab am Anfang eine ganze Reihe von Spenden, wir haben aber inzwischen den allergrößten Teil auch durch eigene Bestellungen auffüllen können", sagt die Senatorin. Um einige Produkte gebe es aber nach wie vor einen regelrechten Kampf.

Im Moment sind wir ganz zufrieden, wie wir unsere Institutionen ausstatten können.

Claudia Bernhard (Linke), Bremer Gesundheitssenatorin

Für alle Bremer gibt es nicht genug Masken

Gegenüber der angekündigten Pflicht, in der Öffentlichkeit einen Mundschutz zu tragen, äußerte sich die Senatorin kritisch. Einerseits sei es aktuell nicht möglich, "alle Bremerinnen und Bremer mit Masken zu versorgen". Zudem könnten Masken für eine trügerische Sicherheit sorgen.

"Ich bin auch eher skeptisch bezüglich der Tatsache, dass wir glauben könnten, Lockerungen, wenn sie mit der Maskenpflicht flankiert werden, bringen uns alle auf die sichere Seite. Dem ist nicht so", sagte Bernhard. "Wir müssen weiterhin sehr gut aufpassen, dass wir alle Abstandsregelungen trotzdem einhalten." Die Masken verleiten aus ihrer Sicht unter Umständen dazu, die Gefahr zu unterschätzen und Abstandsregelungen zu unterlaufen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. April 2020, 19:30 Uhr