Als der Dampfer "Bremen" zur schnellsten Atlantik-Überquerung ablegte

Noch heute dauert eine Schiffspassage nach New York etwa fünf Tage. Vor 90 Jahren war die "Bremen" mit vier Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten das schnellste Schiff der Welt.

Ein Miniaturmodell des Schnelldampfers "Bremen".

Schwarzer Rumpf, weiße Aufbauten, gelbe Schornsteine, dahinter die Skyline von Manhattan: Sogar in Briefmarkengröße auf der Sondermarke der deutschen Post von 2004 sieht die "Bremen", ein Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, eindrucksvoll aus.

Briefmarke – Gewinn des Blauen Bandes durch den Dampfer Bremen – der Deutschen Post.
Sondermarke, 2004 Bild: Imago | Schöning

Als das Schiff am 16. Juli 1929 von Bremerhaven aus zur Jungfernfahrt nach New York aufbricht, drängt sich eine Menschenmenge auf der Kaje. "Ein Meer von Taschentüchern flatterte durch die Luft", schreibt die Nordwestdeutsche Zeitung. Mit dem tiefen, durchdringenden Ton ihrer Dampfpfeife legt die "Bremen" ab. Eine Kapelle an Land spielt "Muß i denn" und stimmt anschließend das Deutschlandlied an, in das die Passagiere an Bord einfallen. Während die Schlepper das riesige Passagierschiff immer weiter ins freie Wasser ziehen, begleiten Flugzeuge sowie kleine Motorboote und überfüllte Dampfer der Weserlinie das Ablegemanöver. "Ein auf der Weser nie gesehenes Bild", so beschreibt der Reporter diesen Moment.

Postkarte mit den Schnelldampfern Europa und Bremen am Columbuspier in Bremerhaven
Dem Norddeutschen Lloyd gelang es mit der "Bremen" und dem Schwesterschiff "Europa" (im Vordergrund), seinen Anteil an Transatlantik-Reisenden kräftig zu steigern. Bild: Picture Alliance | Arkivi

Auf Rekord-Mission

Die "Bremen" gilt mit ihrem Schwesterschiff "Europa" als modernster Schnelldampfer der Welt. Sogar ein Katapultflugzeug hat sie an Bord, das kurz vor dem Zielhafen mit eiliger Post Richtung Festland vorausfliegt. Mehr als 2.000 Passagieren bietet sie Platz – und den zahlungskräftigen unter ihnen allen erdenklichen Luxus: Eine Wandelhalle, Boutiquen und Restaurants, einen Ballsaal mit Springbrunnen sowie exzellenten Service.

Dafür zuständig ist ein Heer von Stewarts, Köchen und Kellnern, für die der Zwölf-Stunden-Tag eher die Regel als die Ausnahme ist. Hart arbeiten auch die Männer an den Maschinen – Schnelligkeit ist Trumpf, schließlich will man der britischen "Mauretania" das Blaue Band für die schnellste Atlantik-Überquerung abjagen, das sie seit 20 Jahren verteidigt.

Briefmarke mit Dampfschiff
Schnelldampfer "Bremen" war mehrfach ein Briefmarken-Motiv: Hier eine Ausgabe aus dem Jahr 1977. Bild: Senatskanzlei Bremen

Dank der leistungsfähigen Turbinen, der wulstigen Bugform und der vier Schrauben erreicht die "Bremen" eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 27,83 Knoten. Das entspricht 51,54 Kilometern pro Stunde. So gelingt es, den Rekord zu brechen: Nach vier Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten Überfahrt läuft die "Bremen" in New York ein. Der Empfang ist triumphal. Reichspräsident von Hindenburg, Taufpate des Schiffes, schickt dem Norddeutschen Lloyd ein Glückwunschtelegramm.

Bau der "Bremen" führte fast zum Ruin

Gebaut hatte sie ab Juni 1927 die AG Weser, die ihre Belegschaft zu diesem Zweck auf 9.000 Mann aufstockte und damit verdreifachte. Der Bau trieb die AG Weser an den Rande des Ruins. Die Jungfernfahrt der "Bremen" ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Nahezu 190 Rundreisen über den Ozean absolviert das Schiff in zehn Betriebsjahren. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde sie – mit grauer Farbe getarnt – von New York über Murmansk zurück in ihren Heimathafen gebracht. Im März 1941 wurde sie an der Columbuskaje durch einen Brand zerstört. Ein Stück aus ihrem Boden erinnert im Deutschen Schiffahrtsmuseum an das Rekordschiff und ihre spektakuläre Jungfernfahrt vor 90 Jahren.

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Briefmarke mit Dampfschiff
Schnelldampfer "Bremen", Erstausgabedatum 14. April 1977 Bild: Senatskanzlei Bremen
  • Catharina Spethmann
  • Heike Kirchner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 16. Juli 2019, 7:50 Uhr