Bremens Flughafenchef glaubt an Zukunft mit Ryanair

  • Ryanair will seine beiden in Bremen stationierten Flugzeuge abziehen
  • Grund für die Schließung der Basis laut Unternehmen: Streiks des Personals
  • Laut Flughafenchef Kleinert geht es nach dem Tarifkonflikt in alter Stärke weiter
Leere Schalter am Flughafen
Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. In Bremen sollen stationierte Flugzeuge abgezogen werden.

Ryanair will seine Basis in Bremen schließen und die beiden dort stationierten Flugzeuge abziehen. Das teilte der irische Billigflieger am Montag mit.

Für Ryanair-Boss Michael O'Leary sind vor allem Piloten und Flugbegleiter schuld. Durch ihre Warnstreiks habe sich das Geschäft eingetrübt, schreibt er in einer Pressemitteilung. Deshalb werde die Fluggesellschaft die Standorte Bremen und Eindhoven in den Niederlanden ab 5. November schließen. Darüber hinaus werde die Basis in Weeze am Niederrhein drastisch verkleinert, heißt es weiter. Trotzdem wollen die Iren Bremen treu bleiben. Die meisten Verbindungen blieben erhalten und würden künftig von den Zielflughäfen aus bedient, erklärte O'Leary.

Flughafenchef geht von vorübergehenden Einsparungen aus

Elmar Kleinert bei der Pressekonferenz am Bremer Airport
Bremens Flughafenchef Elmar Kleinert gibt sich zuversichtlich, dass es mit Ryanair weitergeht.

Noch ist unklar, was die Standortschließung bedeutet, weil Ryanair die meisten Verbindungen ab Bremen beibehält. O'Leary sprach von "winter cuts", also von möglicherweise vorübergehenden Einsparungen über den Winter. So versteht das auch Bremens Flughafenchef Elmar Kleinert. "Wir gehen davon aus, dass Ryanair im nächsten Sommer hier am Standort ähnlich engagiert ist wie bisher", sagte Kleinert buten un binnen. "Und wir glauben, dass nach den massiven Auseinandersetzungen im Tarifkonflikt, der an vielen Standorten in ganz Europa stattfindet, Ryanair zu alter Stärke am Standort zurückfindet." Tatsächlich hatte Ryanair schon vor Wochen damit gedroht, kleinere Standorte dicht zu machen, falls Piloten und Flugbegleiter ihre Streiks fortsetzten.

Wir glauben, dass nach den massiven Auseinandersetzungen im Tarifkonflikt, der an vielen Standorten in ganz Europa stattfindet, Ryanair zu alter Stärke am Standort zurückfindet.

Elmar Kleinert, Geschäftsführer Flughafen Bremen GmbH

Man habe "die Absicht zur Schließung von deutschen Basen, darunter auch Bremen im Winter 2018, zur Kenntnis genommen", teilte Flughafensprecherin Andrea Hartmann mit. Der Winterflugplan 2018 und der Sommerflugplan 2019 für Bremen seien zurzeit auf der Ryanair-Webseite geladen und buchbar.

Eine Schließung der Bremen-Basis im Winter bedeutet lediglich, dass die Bereitstellung der Crews der Ryanair-Maschinen in diesem Zeitraum nicht mehr aus dem Standort Bremen, sondern von anderen im Umlauf des Flugzeuges befindlichen Standorten erfolgt.

Andrea Hartmann, Pressesprecherin Flughafen Bremen

Politik in Bremen reagiert geschockt

Die Bremer Politik hat mit Entsetzen auf die Ankündigung von Ryanair reagiert. Die Linke bezeichnete das Vorgehen als Erpressung und fordert eine Antwort des Bremer Senats. Die Landesregierung müsse klarmachen, dass das nicht die Art von Unternehmenspolitik ist, die Bremen wünsche. Die FDP befürchtet einen Rückzug auf Raten. "Die Schließung der Basis birgt große Gefahren und ist ein Risiko für Bremen. Auch wenn Ryanair viele der Flüge von anderen Basen weiterführen will, steht der komplette Rückzug weiter im Raum", heißt es in einer Mitteilung.

Empört zeigte sich auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und forderte Ryanair auf, die Entscheidung sofort zurückzunehmen. "Die Schließung des Bremer Standorts ist der Versuch eines Vergeltungsschlages als Reaktion auf die Streiks der Beschäftigten, die für ihre berechtigten Forderungen kämpfen", sagte Markus Westermann, Verdi-Bezirksgeschäftsführer, und nannte das Verhalten von Ryanair "skandalös und unwürdig".

Seit 2007 in Bremen

Ryanair hatte seine Bremer Basis 2007 eröffnet. Dazu hatte die Airline ein eigenes Abfertigungsterminal vom Flughafen gekauft. Dies gab Ryanair in diesem Sommer wieder zurück. Ebenso kappte Ryanair seine Gewinnziele; die Fluggesellschaft korrigierte ihre Prognose für das laufende Jahr. Auch dafür gab Ryanair die Streiks in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Portugal als Grund an. Allein Ende vergangener Woche waren wegen der Ausstände bei Flugbegleitern und Piloten mindestens 250 Flüge ausgefallen. Das fliegende Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 1. Oktober 2018, 14 Uhr