Ryanair zieht Flieger ab – Parteien kritisieren Airline scharf

  • Parteien und Gewerkschaften kritisieren Schließung der Bremer Basis
  • 90 Bremer Mitarbeitern drohe Versetzung oder Kündigung
  • CDU: Bremer Flughafen muss sich strategisch aufstellen
Ryanair Flugzeug startet am Bremer Flughafen
Bild: DPA | Egon Bömsch/Imagebroker

Parteien und Gewerkschaften kritisieren, dass die Billig-Fluglinie Ryanair wegen eines schwelenden Tarifkonflikts ihre Flugzeuge aus Bremen abzieht. "Die Schließung der Basis ist dauerhaft", sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely buten un binnen. 90 Beschäftige sind von den Maßnahmen laut Gewerkschaft Verdi betroffen. Ihnen drohe Versetzung oder Kündigung, erklärte die Piloten-Vereinigung Cockpit.

Die Schließung des Bremer Standorts ist eine Reaktion auf den Streik der Piloten und Flugbegleiter bei Ryanair in Deutschland, glaubt Cockpit-Sprecher Markus Wahl. Die Pilotenvereinigung fordere Ryanair "ganz klar auf, sofort und öffentlich von so einem Unsinn Abstand zu nehmen".

Es ist ein Skandal, dass hier Leute gefeuert werden sollen, die nichts anderes tun, als ihr Grundrecht wahrzunehmen und um ihre Rechte zu kämpfen.

Markus Wahl, Sprecher Pilotenvereinigung Cockpit

Ähnlich hatten sich bereits die Gewerkschaft Verdi und die Bremer Linken geäußert. Die Linke bezeichnete das Vorgehen als Erpressung; die Landesregierung müsse klarmachen, dass das nicht die Art von Unternehmenspolitik ist, die Bremen wünsche. "Die Schließung des Bremer Standorts ist der Versuch eines Vergeltungsschlages als Reaktion auf die Streiks der Beschäftigten, die für ihre berechtigten Forderungen kämpfen", sagte Markus Westermann, Verdi-Bezirksgeschäftsführer.

CDU-Chef Kastendiek: "Bedauerlich – aber kein Drama"

CDU-Politiker Jörg Kastendiek vor der Bremischen Bürgerschaft
Der Bremer Flughafen muss sich laut CDU-Landeschef Kastendiek strategisch nun gut aufstellen.

Der Bremerhavener SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Schmidt forderte, die Mitarbeiter zu schützen: "Vielleicht ist es an der Zeit, dem neoliberalen Geschäftsgebaren der Dumpingfluglinie einen Riegel vorzuschieben und nationale Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch der Fluggäste zu ergreifen", sagte Schmidt.

Auch der Bremer CDU-Chef Jörg Kastendiek kritisierte das Verhalten von Ryanair: "Die Schließung der Basis von Ryanair am Bremer Flughafen ist sehr bedauerlich, aber auf der anderen Seite auch kein Drama", sagte Kastendiek. Zu kritisieren sei das Verhalten des Unternehmens, diese Maßnahmen in Zusammenhang mit einer Arbeitsauseinandersetzung in Verbindung zu bringen. "Das zeigt, dass in dem Unternehmen selber offensichtlich doch nicht alles so gut bestellt ist, wie die Unternehmensleitung sagt."

Wichtig ist, dass die Verbindungen von Ryanair erhalten bleiben.

Jörg Kastendiek, CDU-Landesvorsitzender Bremen

"Für den Bremer Flughafen ist es jetzt von Bedeutung, sich strategisch richtig aufzustellen und weiterhin dafür Sorge zu tragen, dass der Flughafen angemessen angeschlossen ist mit Zielen in ganz Europa und dass die Bedeutung des Flughafens als wichtige außenwirtschaftliche Infrastruktur für die Region ihre Bedeutung behält", so Kastendiek weiter.

Keine Einschränkungen laut Flughafen für Reisende


Die Fluggesellschaft hatte am Montag angekündigt, Bremen künftig nur noch aus dem Ausland anzufliegen. Die beiden stationierten Flugzeuge sollen in fünf Wochen abgezogen werden. Laut Flughafen Bremen ändert sich für Reisende erst einmal nichts.

Für Ryanair-Boss Michael O'Leary sind vor allem Piloten und Flugbegleiter verantwortlich für die Situation. Durch ihre Warnstreiks habe sich das Geschäft eingetrübt, teilte er in einer Pressemitteilung am Montag mit. Deshalb werde die Fluggesellschaft unter anderem den Standort Bremen ab 5. November schließen. Die meisten Verbindungen blieben aber erhalten und würden künftig von den Zielflughäfen aus bedient, erklärte O'Leary weiter.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 1. Oktober 2018, 22 Uhr