Bremer Tierärztin kämpft für Zirkus-Affen Robby

Der Fall um den letzten Zirkus-Schimpansen Robby hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt geht er in eine neue Runde. Tierschützer möchten ihn aus dem Zirkusumfeld rausholen – das könnte ihn sein Leben kosten, sagt eine Bremer Tierärztin.

Der Schimpanse Robby und sein Besitzer streicheln sich gegengesitig am Kopf.

Über 40 Jahre gehört er schon zum Circus Belly: Schimpanse Robby ist der wohl letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus, ein Teil der Zirkus-Familie Köhler und längst schon im Ruhestand. Jetzt soll er aus seiner gewohnten Umgebung umgesiedelt werden – in eine Auffangstation für Schimpansen in den Niederlanden. Das hat zumindest das Verwaltungsgericht Lüneburg im April vergangenen Jahres so entschieden.

Robby soll in der spezialisierten Einrichtung das Leben unter Affen lernen. Das fordert die Tierrechtsorganisation Peta. Die Tierschützer glauben, dass Robby ein trostloses Leben führt. Jetzt muss das niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg über den Fall entscheiden.

Besitzer klagte gegen Beschluss des Landkreises

Laut einer Leitlinie des Bundesagrarministeriums aus dem Jahr 1990, sind keine Menschenaffen mehr in Zirkussen zu halten. Der für den Circus Belly zuständige Landkreis Celle gewährte seit Jahren für Robby eine Ausnahmegenehmigung. Im Herbst 2015 ordnete die Behörde jedoch an, dass der Affe abgegeben werden muss. Köhler reichte Klage ein, weil er glaubt, dass die Umsiedlung Robbys Tod wäre.

Die Bremer Tierärztin Alexandra Dörnath hat Robby 75 Tage lang an verschiedenen Orten beobachtet. Sie will Robby vor dem Tod retten und glaubt, eine Herausnahme aus dem gewohnten Umfeld könnte sein Todesurteil sein.

Robby ist unumkehrbar auf den Menschen fehlgeprägt. Er zeigt aber keine Verhaltensstörung und leidet auch nicht.

Eine Frau an einem Käfig
Alexandra Dörnath, Tierärztin

Ihre Forschungsergebnisse stellte sie auf einem internationalen Primatenkongress vor. Der Sachverständige, auf dessen Gutachten das Urteil des Verwaltungsgerichts fußt, sei kein Experte für Menschenaffen, sagt die Tierärztin. Die Sachverständigen waren zu dem Urteil gekommen, dass der Affe eine schwerwiegende Verhaltensstörung hat. Zwar sei er in guter körperlicher Verfassung, doch fehle ihm der Umgang mit anderen Affen. Eine entsprechende Umgewöhnung von Robby in einer darauf spezialisierten Einrichtung könne auch nach all den Jahren noch gelingen, hatte er erklärt.

Dörnath wird die OVG-Verhandlung verfolgen. Genau wie Tierschützerin Yvonne Würz von der Organisation Peta. Sie hofft darauf, dass die Entscheidung der ersten Instanz, Robby aus dem Zirkus zu holen, bestätigt wird. Zirkus-Besitzer Klaus Köhler sagt dazu, dass er weiter kämpfen werde und alles ausschöpfe um Robby behalten zu können. Er fragt sich, warum die Richter nicht selbst vorbeikommen, um sich ein Bild zu machen. "Ich habe das Vertrauen in die Richter verloren", sagt das Oberhaupt der Zirkusfamilie.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. November 2018, 19:30 Uhr