Der Fall Niels Högel: Wie geht es jetzt weiter?

Am Donnerstag wird die Verhandlung im Fall Niels Högel fortgesetzt. So wird die Justiz in den nächsten Monaten versuchen, die Mordserie aufzuklären.

Niels Högel, angeklagt wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg, sitzt am dritten Prozesstag im Gerichtssaal.
Niels Högel war 1999-2002 am Klinikum Oldenburg und 2002-2005 am Klinikum Delmenhorst tätig. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Der Prozess um die vermutlich größte Mordserie der deutschen Nachkriegszeit geht in die nächste Runde. Ab Donnerstag werden die Zeugen im Fall Niels Högel vor dem Landgericht Oldenburg vernommen. Am Donnerstag und Freitag sind zunächst Ermittlungsbeamte geladen. Sie sollen zu beiden Tatorten, zunächst zu Oldenburg und dann zu Delmenhorst, Auskunft geben.

An weiteren Terminen im Januar werden dann ehemalige Kollegen und damalige Mitarbeiter der Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst befragt. Zudem wird der aktuelle Vorstandsvorsitzende des Klinikums Oldenburg, Dirk Tenzer, als Zeuge vor Gericht erscheinen. Auch private Kontakte, etwa persönliche Freunde und Partnerinnen Högels, werden in den nächsten Wochen vernommen.

Zeitpunkt des Urteils noch unklar

Wann die Befragung der Zeugen zu Ende sein wird, kann auch die Sprecherin des Landgerichts Oldenburg, Melanie Bitter, nicht genau sagen. "Es hängt davon ab, wie schnell es mit den Zeugen geht", sagt sie. Erst dann beginnt die nächste Phase des Verfahrens.

In den kommenden Monaten werden die medizinischen Gutachter angehört. Zunächst sollen Rechtsmediziner und Pathologen aussagen, die die Überreste der Leichen analysiert haben, erläutert Bitter. Danach forensische Gutachter – etwa Psychiater, die Högel untersucht haben. Wann die Plädoyers gehalten werden und das Urteil fällt, hängt auch davon ab, ob noch weitere Beweisanträge von der Verteidigung oder den Nebenklägern gestellt werden. Momentan sind Termine bis zum 17. Mai eingeplant. "Es ist aber noch unklar, ob der Verhandlungszeitraum eingehalten werden kann", fügt die Landgericht-Sprecherin hinzu.

Mordvorwürfe in 100 Fällen

Dem ehemaligem Krankenpfleger Niels Högel wird vorgeworfen, 100 Menschen an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst getötet zu haben. Er soll Patienten durch das Spritzen von Medikamenten vorsätzlich vergiftet haben, um sie dann reanimieren zu können. In 100 Fällen soll die Wiederbelebung erfolglos geblieben oder der Patient kurz darauf gestorben sein. Högels Motive sind noch nicht abschließend geklärt. Nach aktuellem Stand soll der ehemalige Krankenpfleger aus Geltungssucht gehandelt haben.

Högel sitzt für sechs weitere Taten, darunter zweifachen Mord, bereits im Gefängnis. Im neuen Prozess hat er bisher in fünf Fällen die Anschuldigungen zurückgewiesen, 43 Mordvorwürfe hat er eingeräumt. An die weiteren Patienten könne er sich nicht erinnern, sagte er. Ausschließen könne er die Taten aber auch nicht.

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Nachrichten, Bremen Eins, 3. Januar 2018, 6 Uhr