Prozess gegen Bremer Wildpinkler wegen versuchten Totschlags

  • 46-Jähriger steht vor dem Landgericht Bremen
  • Er soll auf sein Opfer so stark eingetreten haben, dass er Brüche an Augenhöhle und Kiefer erlitt
  • Staatsanwaltschaft wirft Angeklagtem versuchten Totschlag vor
Angeklagter und sein Verteidiger sitzen vor Gericht.

Vor dem Bremer Landgericht hat am Dienstagmorgen ein Prozess wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags begonnen: Ein 46-jähriger Mann soll seinem Opfer mehrfach gegen den Kopf getreten haben. Der Auslöser: Der Angeklagte wurde von dem Mann beim Wildpinkeln erwischt.

Beinahe sechs Monate saß der 46-jährige Angeklagte in Untersuchungshaft — jetzt steht er vor Gericht. Das Opfer wurde durch Tritte so schwer verletzt, dass es unter anderem Brüche an Augenhöhle und Kiefer erlitt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten deshalb vor, den Tod des Opfers in Kauf genommen zu haben.

"Bei Tritten gegen einen Kopf liegt in der Regel eine hohe Gefährlichkeit vor. Ob damit aber auch gleichzeitig ein Tötungsvorsatz verbunden ist, ist keine automatische Entscheidung oder Bewertung. Das Gericht muss jeden Fall einzeln und individuell bewerten und entscheiden", sagt Landgerichtssprecher Thorsten Prange.

Pastor ertappt Angeklagten beim Wildpinkeln

Aber wie kam es zu den Tritten? Am 31. März 2018 soll der Angeklagte betrunken vor einem Pfarrhaus gepinkelt haben. Der Pastor ertappte ihn dabei und wollte ihn zur Rede stellen – und wurde daraufhin zusammengeschlagen. Der Beschuldigte habe ihm dabei mehrfach gegen den Kopf getreten.

Der Angeklagte bestreitet eine Tötungsabsicht. Auch sein Anwalt widerspricht dem Vorwurf des versuchten Totschlags, den die Staatsanwaltschaft erhebt. "Weil sich der Angeklagte und der Geschädigte vor dem Vorfall überhaupt nicht gekannt habe. Das heißt, dass da jetzt so starke Emotionen, ein so starker Hass gewesen ist, das ist doch eher unwahrscheinlich", erklärt der Anwalt Jan Sürig.

Angeklagter möchte aussagen

Die Staatsanwaltschaft bleibt aber bei ihrer Anklage wegen Totschlags, verbunden mit einem hohen Strafmaß. Denn laut Prange stehen auf Totschlag mindestens fünf Jahre Gefängnis.

Das Gericht muss nun ergründen, warum es zu diesem Gewaltexzess gekommen ist. Der Angeklagte will am nächsten Verhandlungstag in der kommenden Woche eine Aussage machen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. September 2018, 19:30 Uhr