Bremer "Prepper": Vorbereiten auf den Weltuntergang

Auf die Katastrophe vorbereiten, Vorräte im Keller horten, Überlebensstrategien in Internetforen austauschen: Bremer "Prepper" bereiten sich auf den Ernstfall vor.

Vorräte sind in einem Regal gelagert
"Prepper" lagern Vorräte für den Ernstfall ein. (Symbolbild) Bild: Imago | Christian Thiel

"Prepper" kommt von dem englischen "to be prepared" – also vorbereitet sein. Vorbereitet heißt im Fall der "Prepper": vorbereitet zu sein auf Naturkatastrophen, auf Stromausfälle, auf Engpässe bei der Essens- oder Trinkwasserversorgung. Dafür lagern "Prepper" Vorräte, Wasser und manchmal sogar Waffen. Auch in Bremen ist die Bewegung längst angekommen.

So bereitet sich ein Bremer "Prepper" auf den Ernstfall vor

Der Bremer Jan Reinhardt bereitet sich auf eine Krisensituation vor. Dafür hat er an verschiedenen Orten große Mengen Essensvorräte – dazu Wasser, Campingausrüstung, Karten, Kompass und Akkus. "Ich komme mindestens ein halbes Jahr für mindestens zehn Personen aus", sagt er. Ungefähr einen Tag im Monat beschäftigt er sich mit der Krisenvorsorge, füllt Vorräte auf und tauscht Essen aus. Wenn er in einem Ernstfall das Haus verlassen muss, hat er einen "sicheren Ort", wie er sagt. Bei ihm zu Hause stehen, immer griffbereit, Fluchtrucksäcke für ihn und seine Familie. Er sieht sich als Versorger, möchte vorbereitet sein, damit er seine Familie auch bei einer Katastrophe gut versorgen kann.

Jan Reinhardt bezeichnet sich selbst nicht als "Prepper", sondern als Krisenvorsorger, weil er nicht in eine politische Ecke gesteckt werden möchte. Den typischen "Prepper" gibt es aus seiner Sicht nicht. Und nicht jeder, der Krisenvorsorge betreibe, sehne das Ende der Welt herbei.

Es gibt bei vielen "Preppern" schon eine Affinität zu Starksein, zum Sich-Durchsetzen-Können im Krisenfall.

Jan Reinhardt

Neben denen, die viele Lebensmittel, Wasser und Kerzen einlagern, gibt es laut Reinhardt eben auch die extremen "Prepper", die mehr Waffen als Essen lagern. "Weil sie sich das Essen im Ernstfall mit ihren Waffen ja holen könnten", sagt er. Aber es gibt unter den "Preppern" eben auch die Bastler und Tüftler, und die Versorger, wie Jan Reinhart. Er würde, wie er sagt, im Katastrophenfall nicht mit einem Gewehr an der Grundstücksgrenze stehen, sondern mit einer Konservendose.

Immer mehr Menschen "preppen"

Reinhardts Beweggründe für die Vorbereitung auf den Notfall sind nicht ungewöhnlich, weiß Soziologe Mischa Luy. Er forscht seit drei Jahren an der Universität Bochum zu dem Thema "Prepper". Genaue Zahlen über die Szene gebe es nicht, sagt er. Die offiziellen Schätzungen schwanken zwischen 10.000 und 180.000 "Preppern" in Deutschland. "Ich denke, dass es da eine große Grauziffer gibt, dass viele Prepper nicht über ihre eigene Praxis reden", sagt Luy. Er geht davon aus, dass die Szene wächst, denn die Mitgliederzahlen in Online-Foren und Facebookgruppen steigen. Zudem gibt es Online-Shops, Survival-Kurse und YouTube-Videos zur Krisenvorsorge. 

Um die Jahrtausendwende sei die Prepper-Szene vermehrt auch in Deutschland aufgefallen, sagt Luy. Das "Preppen" sei zwar stark vom "Survivalism" aus den USA beeinflusst, habe sich aber parallel in Deutschland entwickelt. Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise, Terroranschläge und Klimakatastrophen hätten dazu geführt, dass die Prepper-Szene gewachsen sei.

Survival um jeden Preis – im Notfall auch mit Gewalt?

Luy spricht von einem "breiten Phänomen", allerdings lasse sich schon sagen, dass die Prepper-Szene eher männlich sei, eher technikorientiert, viele kämen beruflich aus dem Militär-oder Sicherheitsbereich.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt seit Jahren jedem, Trinkwasser- und Essensvorräte für zwei Wochen anzulegen. Das geht vielen "Preppern" nicht weit genug. Sie horten Lebensmittel, Wasser und Militärausrüstung. In extremen Fällen besitzen sie Waffen und bauen sich Bunker für den Ernstfall.

Bei einigen erwächst der Wunsch zur Vorbereitung aus einem Misstrauen gegenüber Staat, Politik und Medien.

Mischa Luy

Es gebe "Prepper", die der Meinung seien, dass es bei einer Katastrophe zwangsläufig zu Plünderungen kommt und dass man sich dementsprechend bewaffnen müsse, um das eigene Hab und Gut zu verteidigen, sagt Luy. "Und bei diesen Preppern finden sich tatsächlich auch, meines Wissens auf legale Weise, erworbene Feuerwaffen."

Verbindungen zum Rechtsextremismus teils nicht auszuschließen

Gefährlich ist die Prepperszene an sich laut Verfassungsschutz nicht. Er prüft aber Bezüge zur Reichsbürgerszene. Im Fokus der Behörden stehen vor allem Rechtsextremisten, die sich auch mit "Preppen" befassen, wie im Fall der Chatgruppe Nordkreuz. Im Dezember wurde ein Mitglied der Gruppe wegen unerlaubtem Waffenbesitz verurteilt. Weitere Verfahren laufen. 

Eine politische Motivation gebe es aber nicht bei allen "Preppern", sagt Luy. Die Gründe für die extreme Vorsorge seien verschieden. "Es ist nicht immer nur ein angstgetriebenes Vorbereiten auf eine Katastrophe." Für einige ist es ein Hobby oder ein Moment von Freiheit, von Autarkie. Andere sagen, es ist ein eigener Beitrag dazu, die Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen. 

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Dieses Thema im Programm: Cosmo, 25. Januar 2020, 14:20 Uhr