Bremerhaven kämpft mit Pop-up-Stores gegen Leerstand

Verwaiste Ladenflächen in der Innenstadt? Bremerhaven hat sich ein besonderes Konzept einfallen lassen, um dieses Problem zu lösen. Der Start war allerdings nicht leicht.

Eine junge Frau steht an einem Kleiderständer und hält eine Bluse in der Hand.
Direkt nach dem Abitur hat Annika Hoops für zwei Wochen einen Laden für Secondhand-Mode eröffnet.

Es ist heiß an diesem Nachmittag. In Annika Hoops' Laden an der Bürgermeister-Smidt-Straße in Bremerhaven ist trotzdem was los. Fünf Kunden stöbern im Sortiment der 18-Jährigen. "Es läuft gut", sagt die Bremerhavenerin, die gerade erst ihr Abitur bestanden hat.

Dass Annika Hoops direkt nach ihrem Schulabschluss einen Laden für Secondhand-Mode eröffnen konnte, ist dem Konzept "Springflut" zu verdanken. Dahinter stehen die Städtische Wohnungsgesellschaft Stäwog und das Beraterbüro „Big Ben Reklame“ aus Weddewarden. In leerstehenden Läden der Stäwog kann jeder mit einem Pop-up-Store unkompliziert testen, ob seine Geschäftsidee bei den Leuten ankommt. Aktuell gibt es sechs solcher "Läden auf Zeit" – drei direkt in der Fußgängerzone, drei in der citynahen Hafenstraße.

Für acht Läden dauerhafte Mieter gefunden

51 Pop-up-Stores sind laut Anne Claire Bunte vom Kampagnenbüro "Springflut Bremerhaven“ seit der Gründung Ende 2016 schon eröffnet worden, sieben weitere verbindliche Buchungen liegen bereits vor. Ein Pop-up-Store ist auch in eine direkte Festanmietung übergegangen: Olha Shulha-Pospiech bot quasi erst "auf Probe" Yogakurse in einem leerstehenden Laden an, heute befindet sich dort ihr Yogastudio. "Das Pop-up-Store-Konzept von Springflut ist ideal, um die innovativen Geschäftsideen oder ein Vorhaben nebenberuflich, wie es bei mir war, mit geringem Risiko testen zu können", sagt die Yogalehrerin. Ohne "Springflut" hätte sie sich nicht so schnell in die Selbstständigkeit gewagt.

Drei weitere Ladenübernahmen stehen laut Anne Claire Bunte noch an. So war Antiquitätenhändler Manfred de Buhr auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für seinen Laden in Geestland. Dank "Springflut" konnte er einen neuen Standort in der Bremerhavener Innenstadt testen. Der läuft gut, deshalb will er dort bleiben. "Die Anmietung eines Ladens ist mit Springflut sehr einfach. Für mich war es die Tür in eine neue Zukunft", sagt der 70-Jährige. Auch an anderen Standorten habe er Gespräche mit Vermietern geführt, unter anderem in Bad Bederkesa und Cuxhaven. "Leider hatte man immer eine hohe Kaution zu bezahlen und ein Antikgeschäft hat für viele Vermieter keine Zukunftsperspektive in guten Lagen", berichtet er.

Breitgefächertes Angebot

Eine Außenfassade eines Klamottengeschäftes. Im Fenster ist ein Kleiderständer mit einem blauen Kleid zu sehen. Am Fenster steht "Springflut Bremerhaven".
"Used" hat Annika Hoops ihren Laden in der Bürger genannt.

Durch die Pop-up-Stores wurden aber auch andere Geschäftsleute auf die leerstehenden Läden aufmerksam: "Zuvor lange leerstehende Gewerbeflächen konnten durch die kreative Nutzung als Pop-up-Store eine äußerst positive Wahrnehmung erzeugen, so dass sieben Stores durch generelle Anfragen in Festvermietung übergegangen sind", sagt Anne Claire Bunte.

Das Angebot der Interessenten ist groß: In den Pop-up-Stores gab es neben mehreren Modegeschäften unter anderem schon einen Laden für gebrauchte Elektronik, ein Möbelgeschäft oder auch einen Schnäppchenmarkt. Aber auch für kreative und informative Veranstaltungen werden die Läden genutzt: mal von Schülerfirmen und mal von Künstlern für Ausstellungen, das Krankenhaus Bremerhaven-Reinkenheide informierte dort über Pflegeberufe und die Evangelische Allianz richtete eine Gebets-Oase ein.

Springflut Bremerhaven ist ein absolutes Erfolgsprojekt. Die Chance, eine Geschäfts- oder Projektidee ohne großes Risiko und zu günstigen Konditionen einfach mal auszuprobieren, findet immer mehr Fans.

Anne Claire Bunte, Kampagnenbüro "Springflut Bremerhaven“

Negatives Image der Stadt erschwerte Start

Der Start der Aktion "Springflut" war allerdings schwerer als gedacht, sagt Anne Claire Bunte. Die Organisatoren wollten namhafte Firmen und Manufakturen gewinnen. "Im Rahmen einer groß angelegten und deutschlandweiten Telefonakquise waren zwar alle von dem attraktiven Konzept begeistert, durch das negative Image von Bremerhaven haben sie sich jedoch gegen einen Pop-up-Store in der Seestadt entschieden." Anne Claire Bunte und ihre Mitstreiter haben sich dann auf das regionale Umfeld konzentriert. Heute ist die aufwendige Akquise gar nicht mehr nötig: "Mittlerweile hat die Springflut an Bekanntheit gewonnen und Interessierte kommen von sich aus auf uns zu."

Wir beraten und begleiten die Nutzer von Anfang bis Ende und geben ihnen unser Marketing-Paket an die Hand. Dabei freuen wir uns jedes Mal auf Neue, wie sich anfängliche Unsicherheit der Nutzer langsam in Mut verwandelt und dann pure Begeisterung aufkommt. Alle Nutzer freuen sich über die gemachten Erfahrungen.

Anne Claire Bunte, Kampagnenbüro "Springflut Bremerhaven“

Annika Hoops' Laden ist noch bis diesen Freitag geöffnet. Sie möchte nun erstmal viel reisen und studieren. Später kann sie sich durchaus vorstellen, ein Secondhand-Modegeschäft zu eröffnen. Ab der kommenden Woche steht der Laden in der Bürgermeister-Smidt-Straße 116 aber nicht leer. Schon am Montag geht es hier mit dem nächsten Pop-up-Store weiter.

Was ist los in der Bremer City? Viele Läden geben auf

Die Obernstraße in der Bremer Innenstadt, zu sehen sind mehrere Läden und Passanten.

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 1. August 2019, 23:30 Uhr