Kommentar

Plastikfasten, aber richtig!

Kein Alkohol, kein Zucker, kein Fleisch: Viele verzichten in der Fastenzeit auf geliebte Laster. Doch es muss nicht immer Essen sein – wie wär’s mit Plastikfasten?

Ein Berg aus gebrauchten Plastikflaschen.
Die Deutschen sind Europameister im Plastikverbrauch - ist Plastikfasten also die Lösung? Bild: DPA | Sebastian Kahnert

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Für mich ein Tag wie jeder andere. Ich esse sowieso kein Fleisch, traditionelles Fasten kommt für mich also schon mal nicht in Frage. Zuckerverzicht? So weit kommt’s noch! Aber zum Fasten zählt ja nicht nur der Verzicht auf Fleisch, Alkohol oder liebgewonnene Hüftgold-Späße, sondern auch die Abstinenz von ganz immateriellen Dingen. Wie zum Beispiel der Verzicht auf das Smartphone. Für mich in meinem Beruf undenkbar. Schüler in Oldenburg haben mich dagegen auf eine ganz andere Idee gebracht. Sie fasten Plastik. Sieben Wochen lang sollen die Schüler auf Plastik verzichten. Also keine Wegwerf-Getränkeflaschen, Plastik-Verpackungen oder Trinkhalme. Initiator ist das Regionale Umweltbildungszentrum der Stadt, in Anlehnung an eine Aktion des Bund für Umwelt und Naturschutz. Plastikmüll zu reduzieren macht für mich Sinn: 12,6 Millionen Tonnen verbraucht Deutschland im Jahr und ganze 3,6 Milliarden Plastiktüten gehen laut Zahlen des BUND jährlich über die Ladentheken. Ganz schön viel. Das soll sich mit der Aktion in Oldenburg ändern: Jutebeutel statt Plastiktüte, Wasser aus der Leitung statt Cola-Flasche.

Doch sind wir als Konsumenten alleine schuld an diesen Müllbergen? Nein. Denn statt nur den eigenen Konsum zu überdenken, sind meiner Meinung nach vor allem auch die Konzerne gefragt. Warum bekomme ich meine Bio-Gurke nur in der Plastik-Verpackung, wieso steckt in meiner Zahnpasta immer noch Mikroplastik und warum gibt’s meine Lieblingsschokolade nur in Plastik eingewickelt? Klar, wir als Konsumenten können auch etwas tun gegen die Berge von Plastik-Müll. Auf Strohalme, Plastiktüten und Einwegflaschen zu verzichten, macht Sinn. Von mir aus auch in der Fastenzeit. Aber natürlich auch darüber hinaus. Oder soll’s nach sieben Wochen dann die große Plastik-Sause geben?

Ich finde, wenn wir Plastik fasten, dann sollten auch die Konzerne mitmachen. Also, auf geht’s Nestlé, Kraft, Rewe Bio und Co.! Hört auf uns Verbrauchern so viel Plastik-Müll mitzuliefern. Auf den haben wir nämlich keinen Bock mehr. Auch nach der Fastenzeit.

  • Jana Wagner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 14. Februar 2018, 23:20 Uhr