Neue Heimat für pinken Panzer aus Delmenhorst

Nachdem Künstler einen Panzer auf der Großen Höhe pink angesprüht hatten, wollte die Bundeswehr ihn verschrotten. Doch nach einem Aufschrei darf er jetzt in ein Museum umziehen.

Ein pink angemalter Panzer steht zwischen drei Kränen zum Abtransport
Von der Bundeswehr wurde der Panzer zum Museum in Munster gebracht. Bild: Deutsches Panzermuseum Munster

Für Aufsehen in ganz Deutschland hatte Ende Mai eine Aktion von Street-Art-Künstlern in Delmenhorst gesorgt – oder eher gesagt die Reaktion der Bundeswehr auf die Aktion: Nachdem Künstler des Fucs-Kollektivs einen ausrangierten Panzer auf der Großen Höhe mit pinker Farbe besprüht hatten, transportierte die Bundeswehr ihn ab und wollte ihn verschrotten. "Er wird nicht mehr gebraucht", erklärte Oberstleutnant Harald Mauritz den Schritt damals. Außerdem sei die Farbe nicht tolerierbar.

Ein pink bemalter Panzer steht auf einer Wiese
Hier stand der Panzer, bis er von der Bundeswehr abtransportiert wurde. Bild: Volker Maeusel

Daraufhin taten sich einige Delmenhorster zusammen, um den Panzer in der Umgebung zu behalten. Mehrere hundert Menschen unterschrieben eine Petition. Denn der Panzer sei für viele jahrzehntelang ein beliebtes Ausflugsziel und somit auch ein Ort der Kindheitserinnerungen gewesen, erklärte Joschka Kuty, der eine Facebookseite zum Erhalt des Panzers gründete.

Ein einzigartiges Massenprodukt

Dass genau diese Erinnerungen den Panzer zu etwas besonderen machen, sieht auch Ralf Raths so. Er ist Direktor des Deutschen Panzermuseums im niedersächsischen Munster – dem zukünftigen Zuhause des pinken Panzers. Als Raths in der Presse von der Geschichte um den Panzer hörte, sei er begeistert gewesen. "Panzer sind eigentlich industrielle Massenprodukte, aber jetzt ist dieser eine erkennbar für alle Menschen", sagt Rahs. Das sei besonders bemerkenswert, da gerade diese Art von Panzer ein "Allerweltspanzer" sei.

Mir fällt kein zweites Beispiel ein, wo die Zivilbevölkerung sich so mit einem Panzer identifiziert und sich gegen die Bundeswehr stellt, um ihn zu behalten.

Ralf Raths, Museumsdirektor

Und da das Panzermuseum die Kultur- und Sozialgeschichte der Panzer darstelle, wolle man auch diesen Einzelfall bewahren – weswegen der pinke Panzer nun nach einem Gespräch mit der lokalen Bundeswehr in Munster in einem Unterstand des Museums darauf wartet, in die Ausstellung integriert zu werden.

Der pinke Panzer als multimediales Erlebnis?

"Wie genau das aussehen wird, überlegen wir gerade", sagt Ralf Raths. Eine Idee sei es aber, die Erinnerungen der Delmenhorster rund um den Panzer zu sammeln und an einer Medienstation auszustellen. "Das wären dann zum Beispiel Geschichten wie: Damals habe ich dort meinen 17. Geburtstag gefeiert, bin vom Panzer gefallen und habe mir die-und-die Narbe geholt", erklärt Raths.

Ab wann die Delmenhorster ihren Panzer wieder besuchen können, ist allerdings noch unklar. Frühestens sei das aber wohl im Frühjahr 2021 möglich, sagt Raths.

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Juni 2020, 23:30 Uhr