Cuxhavener Pinguin-Liebhaber vor fünftem – und letztem – Rekord

Mehr als 26.000 Pinguine zählt die Sammlung eines Cuxhavener Ehepaares. Jetzt wollen die Betreiber eines Pinguin-Museums es noch einmal wissen.

Eine Frau lehnt an einer Pinguin-Figur.
Birgit Berends sammelt seit dem 18. Lebensjahr Pinguine. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Pinguine, soweit das Auge reicht. Und das an der Nordseeküste. Pinguin-Plüschtiere, Pinguin-Sammlerfiguren und Pinguin-Krawatten – im Pinguin-Museum Cuxhaven wimmelt es vor Frackträgern. Es sind ungefähr 4.000 Ausstellungsstücke und das ist nur ein kleiner Teil des gesamten Pinguin-Schatzes. Birgit Berends und Stefan Kirchhoff streben mit ihrer Sammlung einen fünften Rekord an. Doch dieser soll der letzte sein.

Bereits vier Einträge im Guinness-Buch der Rekorde

In einem Regal stehen zahlreiche Pinguin-Figuren.
Die Cuxhavener Pinguin-Sammlung zählt mehr als 26.000 Exemplare. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Die größte Pinguin-Figur ist 1,90 Meter hoch, die kleinste ist aus Glas und misst gerade einmal einen halben Zentimeter. Beide gehören laut dem Guinness-Buch der Rekorde zur weltgrößten Pinguin-Sammlung. Vier Einträge hat das Cuxhavener Ehepaar dort bereits – der letzte ist von 2011 mit über 11.000 Stück. Aktuell streben sie eine Anerkennung beim Rekord-Institut für Deutschland an. "Wir sind noch bei der Bestandsaufnahme", sagt Berends.

Wenn wir das hinter uns haben, haben wir 26.114 – dann ist es die größte Sammlung der Welt.

Birgit Berends, Pinguin-Sammlerin
In einer Vitrine steht ein Pinguin-Skelett.
Auch ein Pinguin-Skelett steht in Cuxhaven. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Olaf Kuchenbecker, Gründer des Rekord-Instituts, geht von einer schnellen Anerkennung aus: "Mir ist keine andere Pinguin-Sammlung bekannt, die größer ist." Allein in ihrem vor zwölf Jahren eröffneten Pinguin-Museum sind es über 4.000 Objekte, darunter Tiere aus Plüsch, Wachs, Metall, Holz oder Porzellan. Auch sechs Pinguin-Präparate und ein Skelett sind zu sehen. Gebrauchsgegenstände wie Kugelschreiber oder Handtücher mit Pinguin-Motiven ebenfalls. Bei Berends und Kirchhoff zu Hause sieht es ähnlich aus: alles voller Pinguine. Allein 30 Sätze Pinguin-Bettwäsche gibt es und in der Küche 260 Becher mit Pinguin-Motiven.

Wir haben eine ausgewachsene Vollmeise und wir stehen auch dazu.

Birgit Berends, Pinguin-Sammlerin

Los ging die Sammelleidenschaft bei der 48-Jährigen vor etwa 30 Jahren, inspiriert durch die Kindersendung "Pingu". Ob man ein bisschen verrückt sein muss, für dieses kuriose Hobby? "Unbedingt", sagt Berends. "Wir haben eine ausgewachsene Vollmeise und wir stehen auch dazu." Doch was die Faszination genau aus macht, kann sie nicht sagen. "Das ist eine gute Frage und ganz schwer zu beantworten." Der watschelige, süße Gang sei es nicht unbedingt. "Ich kann es nicht erklären", sagt die Sammlerin. "Ich sehe Pinguine und finde sie einfach toll." Im Jahr 2006 war es soweit: Mit 2.520 Tieren hatten sie erstmals offiziell die größte Pinguin-Sammlung der Welt.

Ehepaar zieht Reißleine

In einer Vitrine stehen Pinguin-Figuren.
Birgit Berends und ihr Mann wollen mit ihrer Pinguin-Sammlung künftig kürzer treten. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Doch der neue Rekordeintrag soll für die Ewigkeit sein – und der letzte. "Weil es uns einfach über den Kopf gewachsen ist", sagt Berends. "Es ist aus dem Ruder gelaufen, es sind zu viele geworden." Darum beschlossen sie die Reißleine ziehen und die Sammlung künftig zu verschlanken. "Wir sammeln nicht mehr." Naja, so ganz stimme das nicht, räumt die Diplom-Mathematikerin ein: "Vor kurzem haben wir einen Pinguin-Muff gekauft. Daran konnten wir nicht vorbeigehen." Aber die beiden gehen schon lange nicht mehr auf Flohmärkte, kaufen nicht mehr bei Ebay und nehmen auch keine Sammlungsauflösungen an.

Pinguin-Museum in Cuxhaven bleibt bestehen

Zuletzt bekamen sie 2017 von einem Pinguin-Liebhaber über 6.000 Exemplare geschenkt. Eineinhalb Jahre dauerte es, alles zu sichten, zu sortieren und zu archivieren – in einer eigens angemieteten Lagerhalle. "Wir haben einfach keinen Platz mehr." Die zwei beschlossen, dass es so nicht weitergehen könne. Das Pinguin-Museum aber wird bleiben. Geld verdienen die beiden damit nicht, die Leitung ist ehrenamtlich. Vor vier Jahren gründeten sie den Verein "Pinguinfreunde Cuxhaven", der als Betreiber fungiert. Die Mitglieder kommen aus ganz Deutschland. Deren Spenden haben das Museum während der coronabedingten Schließungen finanziell mit über Wasser gehalten.

Neues Ziel, wenn Corona es zulässt

Pinguinen sind Berends und Kirchhoff auch schon in freier Wildbahn nah gekommen: Sie waren in Neuseeland, Südafrika, in der Antarktis und auf den Falklandinseln, um die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Sobald es die Pandemie und der Geldbeutel zulassen, haben die beiden ein neues Ziel im Auge: Eine Pinguin-Pflegestation in Christchurch in Neuseeland.

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 7. April 2021, 9:15 Uhr