In diesem umgebauten Anhänger können kranke Pferde wieder durchatmen

Wenn Shetlandpony Lissy aus Loxstedt atmet, klingt es nach Schnarchen. Helfen kann ihr Tierheilpraktikerin Heike Theerkorn – mit einem qualmenden Pferdehänger.

Ein Pferd in einem Inhalations-Pferdeanhänger. Es ist nebelig.

Lissy ist ein 26 Jahre altes Shetlandpony mit chronisch vereiterten Nebenhöhlen. Wenn Lissy atmet, dann klingt sie wie ein schnarchender Mensch. Medikamente, Kräuter und andere Therapien haben bislang nicht besonders gut geholfen.

Verena und Jannika Schlag mit den Ponys Josie und Lissy und Heike Theerkorn.
Der Pferde-Inhalationsanhänger hilft Ponys wie Josie (links) und Lissy (rechts). Die Tiere von Verena und Jannika Schlag (links) sind Patienten von Heike Theerkorn.

Doch eine Sache hilft Lissy und anderen Pferden mit Atemwegserkrankungen: ein Inhalationsanhänger. Ein Kopfdampfbad XXL für Vierbeiner. Die Tierheilpraktikerin Heike Theerkorn aus Burhave reist mit ihrem umgebauten Pferdeanhänger durch fast ganz Norddeutschland – auch nach Loxstedt bei Bremerhaven zu Lissy.

Durch einen kleinen Schlauch wird salziger Nebel in den Anhänger geleitet. Alle Klappen werden geschlossen und so können die Pferde die salzige Luft einatmen – "Meerluft-Kur to go" quasi. 25 Euro kostet die Besitzer diese Behandlung für eine halbe Stunde.

Nach der Inhalation ist Bewegung wichtig

Die 41-jährige Heike Theerkorn ist die Besitzerin des Inhalations-Anhängers.
Wo Heike Theerkorn mit ihrem umgebauten Anhänger ankommt, raucht es schon kurze Zeit später.

Nach 30 Minuten klettert Lissy wieder vom Anhänger. Der Stute läuft die Nase. Jetzt geht es für sie an die Longe: Das Pony muss sich bewegen, damit der Schleim, der sich gelöst hat, abgehustet werden kann.

Ziel erreicht für Heike Theerkorn. In ein paar Wochen kommt sie noch einmal wieder, denn die Salzluft hilft vor allem, wenn die Pferde mehrere Einheiten bekommen.

Das bestätigt auch Bernhard Ohnesorge. Er arbeitet an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und ist Experte für Atemwegserkrankungen bei Pferden. "Die Inhalation einer Kochsalzlösung – in einer Konzentration, wie sie auch an der Nordseeküste zu erwarten ist – ist empirisch bei allen Lungenerkrankungen empfehlenswert, bei der die Tiere mit zähem Schleim zu kämpfen haben", erklärt der Professor für Tiermedizin. Besonders häufig kommt bei Pferden eine Heustauballergie vor, die als chronische obstruktive Bronchitis (COB) bezeichnet wird.

Besitzer müssen Haltungsform optimieren

Nach dem Inhalieren werden die Ponys Lissy und Josie von Jannika Schlag, Heike Theerkorn und Verena Schlag (von links) bewegt.
Nach dem Inhalieren werden Lissy und Josie bewegt, damit sie den gelösten Schleim besser abhusten können.

Negative Auswirkungen der Inhalation mit Kochsalzlösungen sind Ohnesorge nicht bekannt. "Es kann sich letztendlich nur positiv auf die Atemwege auswirken", sagt er. Zu beachten sei jedoch, dass alles regelmäßig gereinigt und desinfiziert wird, damit sich die Patienten nicht untereinander anstecken. Außerdem solle man niemals Medikamente im Anhänger vernebeln, denn das könne Personen, die im Anhänger bei den Pferden stehen, schaden. Auch sei die Dosis, die in der Pferdelunge ankomme, laut Ohnesorge sehr gering.

Neben der Inhalation empfiehlt Ohnesorge Besitzern von Pferden mit Atemwegserkrankungen möglichst darauf zu achten, dass die Pferde auf staubarmen Einstreu gehalten werden. Auch auf das Futter zu achten sei wichtig. Die Pferde sollten am besten feuchtes oder bedampftes Heu bekommen, denn das würde nicht so viel Staub abgeben. Gute Heulage sei ebenfalls eine Alternative, so Ohnesorge.

Ändert man die Haltung nicht, ist die Inhalationstherapie entweder wirkungslos oder es kommt kurz nach Beendigung zum erneuten Auftreten von Atembeschwerden.

Bernhard Ohnesorge, Professor für Tiermedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Das Pony Galant steht im Pferde-Inhalationsanhänger und flehmt.
Auch dem 33 Jahre alten Galant hilft das Inhalieren der Salzluft.

Viel frische Luft, Bewegung und wenig Stehen in der Box – das brauchen alle Pferde, besonders aber solche, die schnell Probleme mit der Atmung bekommen. Durchgängige Impfungen gegen Influenza helfen laut Ohnesorge ebenfalls. Denn eine akute Influenza könne der Einstieg in eine chronische Bronchitis sein.

Nicht nur Lissy hat Heike Theerkorn mit ihrem Anhänger geholfen. Auch Josie und Galant geht es durch die Behandlung jetzt besser. Und wenn es den Pferden gut geht, dann können auch die Besitzer wieder durchatmen.

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Autorin

  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Januar 2020, 19:30 Uhr