Kommentar

Ischa Parkplatzmangel? Stellt euch nicht so an!

Während des Freimarkts wird Findorff für zwei Wochen im Jahr zum Knotenpunkt des Bremer Verkehrschaos. Statt sich stressen zu lassen, greift unsere Autorin Charlotte Schumacher lieber zu Schmalzkuchen.

Auto in der Findorffstraße während des Freimarktes
Die Fahrt auf der Findorff-Straße wird während des Freimarkts zur Geduldsprobe.

Der Bremer Freimarkt auf der Bürgerweide ist in vollem Gange. Es glitzert, es leuchtet und es duftet rund um den Hauptbahnhof und im Stadtteil Findorff jedes Jahr aufs Neue, wenn das älteste Volksfest im Norden ansteht – mittlerweile zum 983. Mal. Vermutlich genauso lange entbrennt ebenfalls jedes Jahr aufs Neue nicht nur das Jahrmarktfeuer in den gut gelaunten Bremern und Besuchern aus dem Umland, sondern auch der Ärger der Anwohner über die Rücksichtslosigkeit eben dieser. Die Betrunkenen, die torkelnd durch ihr Viertel laufen, der Krach der Fahrgeschäfte und der absolute Klassiker: die unmögliche Verkehrssituation.

Ich bin auch Anwohnerin und: Ja, zwei Wochen im Jahr wird das kleine beschauliche und sonst eher ruhige Findorff zum Knotenpunkt der Heiterkeit und die Straße, in der ich wohne und in der es die gefühlt einzige kostenlose Parkfläche im ganzen Viertel gibt, wird zur Hauptverkehrsader für viele Auto-Anreisende. Sowohl mit dem Rad als auch mit dem Pkw ist das Durchkommen schwierig und das kann, wenn man es eilig hat und es nicht gewohnt ist, ganz schön nerven.

Verstopfte Straßen – Ärger rund um den Bremer Freimarkt

Das Bild zeigt eng beparkte Seitenstraße mit vielen Autos in einer Reihe.

Mandeln trösten über Verkehrschaos hinweg

Aber bitte: Es werfe der den ersten Schmalzkuchen, der sich noch nie auf dem Freimarkt amüsiert hat und zur lachenden, futternden Menge zählte, die sich munter über die Bürgerweide geschoben hat. Und da gehört das ganze Drumherum eben auch dazu. Wir haben sogar noch einen großen Vorteil, denn für uns Anwohner ist das Vergnügen im Gegensatz zu den meisten anderen Besuchern fußläufig, der Duft von gebrannten Mandeln omnipräsent und der tröstet zumindest mich wirklich über das Verkehrschaos hinweg.

Ischa Freimaak einfach genießen

Ein bisschen mehr Gelassenheit und Toleranz gegenüber Freimarktbesuchern, die mit Sack und Pack nur für unsere schöne fünfte Jahreszeit anreisen, stünde uns Findorffern doch viel besser zu Gesicht als Gram und Schuldzuweisungen an die Behörden. Sicherlich könnte man das Anliegerparken stärker kontrollieren, mehr Autos abschleppen und sich hinter der Gardine stehend, über die fremden Kennzeichen vor der Haustür aufregen. Man könnte sich aber auch einfach ein wenig entspannen, dem bunten Treiben zuschauen und zwei Wochen lang zum Frühstück Schmalzkuchen genießen – Ischa schließlich Freimaak!

  • Charlotte Schumacher

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Oktober 2018, 19.30 Uhr