Gewerkschaft: Online-Wache macht der Polizei mehr Arbeit

Bremer können seit zwei Jahren im Internet Anzeigen erstatten. Laut Polizeigewerkschaft muss allerdings noch nachgebessert werden. Das System habe noch Fehler.

Ein Mann gibt online eine Anzeige auf.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht noch Verbesserungspotenzial bei der Bremer Online-Wache.

Die Online-Wache in Bremen gibt es seit zwei Jahren. Die Deutsche Polizeigewerkschaft zieht eine erste gemischte Bilanz. Die Nutzer sparten Zeit, wenn sie Anzeigen über das Portal im Internet aufgeben, heißt es. Doch die Gewerkschaft bemängelt, dass die Beamten mehr zu tun hätten. Insgesamt steigt die Zahl der Online-Anzeigen seit Jahren.

System noch fehlerbehaftet

Das Angebot sei durchaus mit Mehraufwand für die Beamten verbunden, urteilte der Bremer Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Jürn Schulze. Die Kollegen hätten unter dem Strich mehr Arbeit zu erledigen. Das liege an dem noch ausbaufähigem System. "Wäre das System fehlerfrei und würde es über Abfrageautomatismen verfügen, würde es eine Arbeitserleichterung darstellen", sagte Schulze weiter.

Die reine Erfassung der Anzeigen werde mit der Online-Wache beschleunigt. Im Durchschnitt bräuchten Nutzer dafür nur etwa drei Minuten, sagte der Bremer Polizeisprecher Nils Matthiesen. "Je nach gelieferter Datenqualität durch den Anzeigenden kann es allerdings zu Nachermittlungen durch die aufnehmenden Mitarbeiter kommen."

Niedersachsen sieht Online-Wache als Arbeitserleichterung

Schon seit zwölf Jahren arbeitet die Polizei in Niedersachsen mit der Online-Wache. Dort hat sich das Portal nach Einschätzung der Gewerkschaft als nützliches Werkzeug herausgestellt – gerade angesichts der Personalnot. "Wir hören von unseren Kolleginnen und Kollegen, dass sie die Online-Wache als gute Ergänzung für ihren Alltag ansehen", sagte Angela Sielaff, die Sprecherin der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen. Ein Vorteil sei, dass die Anzeigen den zuständigen Beamten direkt zugeordnet werden könnten. Dies entlaste die Kollegen und verkürze die Wartezeit der Menschen, die die Anzeige stellen.

Im ersten Halbjahr 2019 waren in Niedersachsen knapp 20.600 Anzeigen eingegangen, wie der Sprecher des Innenministeriums in Hannover, Werner Steuer, sagte. Dies mache immerhin sechs Prozent an der Gesamtzahl der Anzeigen aus. Vergleichszahlen vom ersten Halbjahr 2018 gab es nicht. Binnen zehn Jahren habe sich die Zahl nahezu versechsfacht: Wurden 2008 noch 8.300 Anzeigen online registriert, waren es 2018 schon 46.000 Fälle. Die Bremer Online-Wache kam im ersten Halbjahr nach Matthiesens Angaben auf etwa 1.900 Fälle.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 20. August 2019, 13 Uhr