Vorschlag zur Öffnung im Bremer Einzelhandel: Ein Kunde pro Geschäft

  • Geschäfte könnten einen Kunden pro Geschäft bedienen
  • Ladenbesuche mit Terminvereinbarung
  • Bürgermeister will morgen Stellung beziehen
Junge Frau mit einem Schutzmaske in einer Fussgängerzone, die fast menschenleer ist (Archivbild)
Ein Kunde pro Geschäft. So lautet ein Vorschlag der Handelskammer in Bremen. Bild: Imago | HMB-Media

Der Bremer Senat denkt offenbar darüber nach, Geschäfte unter strengen Auflagen wieder für Kunden öffnen zu lassen. Ein erster Vorschlag, wie das aussehen könnte, kam von der Bremer Handelskammer, der Bremer City Initiative und dem Handelsverband Nordwest. In einem Brief hatten sie sich an den Bürgermeister und an die Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke).

Erstmal sollte laut Karsten Nowak von der Handelskammer wieder auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Es sollte möglich gemacht werden, dass ein Kunde – vielleicht mit weiteren Haushaltsangehörigen – mit einem Mitarbeiter ein Beratungsgespräch führt. Es soll darum gehen, sich Ware auch anzuschauen und nicht nur mit dem Telefon aus dem Schaufenster etwas zu bestellen und abzuholen. Das sogenannte Click und Collect-Prinzip, also das Bestellen und Abholen von Ware, soll weiterhin erlaubt sein.

Bisherige Verkaufsmöglichkeiten "sehr streng"

Karsten Nowak, der bei der Handelskammer für den Einzelhandel zuständig ist, bezeichnet die bisherigen Verkaufsmöglichkeiten als "sehr streng" und führt aus, dass der Einzelhandel nicht für die steigenden und fallenden Inzidenzwerte verantwortlich gemacht werden könne. Er hofft, mit dem Vorschlag ein bisschen zur Normalität zurückkehren zu können. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sei dies ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Brautkleider oder Kinderschuhe – das muss man vor Ort mit einem Hygienekonzept anprobieren können.

Karsten Nowak, Handelskammer Bremen

Der eingereichte Entwurf kommt laut Nowak bewusst ohne Inzidenzwerte aus und steht allgemein für den Einzelhandel. Das "Signal zur Liberalisierung" könnte kleinen inhabergeführten Läden eine Öffnungsperspektive geben. Im ständigen Dialog mit Wirtschaft und Politik brauche man eine Art Stufenplan.

Konkrete Stufenpläne für den Einzelhandel wären gut. Momentan kann niemand kalkulieren.

Karsten Nowak, Handelskammer Bremen

Öffnung des Einzelhandels ist praktisch möglich

In den vergangenen Monaten habe sich eindeutig bewiesen, dass Einkaufen auch in Zeiten höherer Inzidenzwerte sicher möglich ist – mit umfassenden Hygienekonzepten sowie einer Einlassregelung, sagt auch Jan König vom Handelsverband Nordwest. Eine Öffnung solle "auch vor Erreichen des Inzidenzwerts 35, also praktisch sofort, ermöglicht werden".

Der stationäre Handel wäre dafür bereit, weitergehende Hygienemaßnahmen umzusetzen, welche die derzeitigen Hygienekonzepte sinnvoll ergänzen.

Jan König, Handelsverband Nordwest

Die ergänzenden Maßnahmen – wie die Vergabe von Beratungsterminen für Kunden – zu den bereits geltenden Hygienestandards (Abstand, Maske, regelmäßiges Lüften) könnten eine Nachverfolgbarkeit mit den konkreten Kontaktdaten sowie dem Kontaktzeitpunkt sicher gewährleisten. Darüber habe der Handelsverband die Bremer Landesregierung bereits vor der letzten Ministerkonferenz im Februar informiert. Für den beratungsintensiven Facheinzelhandel wäre das eine gute Option, so König.

Stufenplan ohne Inzidenz-Werte

Ein Stufenplan sollte sich auch laut Handelskammer nicht konkret an Inzidenzen ausrichten, sondern einen Bereich beschreiben. Innerhalb der Stufen müsse es mehr Spielräume geben. Die Bremer Handelskammer hofft auf ein positives Signal aus Berlin von der Bundesregierung. So ein überregionales Modell müsse für das ganze Land gelten. Gleichzeitig müssen sich Bremen und Niedersachsen detaillierter abstimmen, meint Nowak.

Für Floristen sei beispielsweise nicht nachvollziehbar, warum Blumenläden in Niedersachsen früher öffnen durften als in Bremen. Nowak gibt ein weiteres Beispiel: Autohändler dürfen in Niedersachsen eine Probefahrt anbieten. In Bremen gehe dies nicht. Mit Inzidenzwerten sei das nicht zu erklären.

Hoffnungen für das nächste Bund-Länder-Treffen

Die Bremer Handelskammer sowie viele Einzelhändler hoffen auf die nächste Video-Konferenz zwischen Bund und Ländern. In der Vergangenheit wurden sie schon oft enttäuscht. Es bleibt der Wunsch nach Orientierung.

Auf Dauer wird der wirtschaftliche Schaden für Einzelhändler in Bremen so groß, dass wir einige Unternehmen verlieren. Da kommt aber nicht zwingend etwas wieder. Das gilt für die Innenstädte genauso wie für Stadtteilquartiere.

Karsten Nowak, Handelskammer Bremen

Bürgermeister plant Regierungserklärung

Der Bremer Senat wollte zum Entwurf der Handelskammer keine Details nennen und verwies auf die Regierungserklärung des Bremer Bürgermeisters Andreas Bovenschulte (SPD). Dieser wolle sich am morgigen Donnerstag in der Bürgerschaftssitzung dazu äußern.

Luftballon-Aktion im Viertel: Dem Einzelhandel geht die Puste aus

Video vom 5. Februar 2021
Einzelhändler Jens Schuhmacher steht vor seinem Laden Art n Card in Bremen.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 24. Februar 2021, 7 Uhr