Wie kann Bremen die Corona-Obergrenze einhalten?

  • 41 Neuinfektionen kann Bremen pro Tag verkraften, um neue Obergrenze nicht zu überschreiten
  • Bremen bildet weitere Containment-Scouts zur Kontaktverfolgung aus
  • Gesundheitsamt bereitet sich auf Anstieg der Zahlen vor
Ein Krankenhausmitarbeiter desinfiziert seine Hände.
Wegen der Lockerungen wird auch in Bremen ein Anstieg der Corona-Zahlen erwartet (Symbolbild). Bild: DPA | Hans-Jürgen Wiedel

Gesundheitsämter schlagen Medienberichten zufolge bundesweit Alarm: Die Corona-Obergrenze, auf die sich Bund und Länder am Mittwoch geeinigt haben, sei demnach viel zu hoch angesetzt. 50 Neuinfektionen dürfen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen maximal verzeichnet werden, sonst sind Regelverschärfungen erforderlich. Ursprünglich hatte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) 35 statt 50 Neuinfektionen für die Obergrenze vorgeschlagen, wie er am Donnerstagabend im ZDF sagte. Damit habe er sich nicht durchsetzen können.

Die Gesundheitsämter fürchten demnach eine Überlastung. Diese Obergrenze sei zu hoch angesetzt und würde die Kapazitäten für eine Kontaktverfolgung und Überwachung der Quarantänemaßnahmen sprengen. Bremen war von Beginn an nicht begeistert von einer Obergrenzen-Reglung. Jetzt sieht Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin, Bremen hingegen gut aufgestellt: "Die Containment-Scouts sorgen für eine Entlastung des Bremer Gesundheitsamts, sodass wir einen guten Job bei der Nachverfolgung leisten können."

Behörde bereitet sich auf steigende Infizierten-Zahlen vor

35 dieser "Corona-Detektive", die bei Neuinfektionen Kontaktpersonen ermitteln, sind in Bremen diese Woche an den Start gegangen, in Bremerhaven 25. Vorgesehen sind weitere 50. "Wir bereiten uns auf eine weitere Steigerung der Zahlen vor", sagt Fuhrmann. Man müsse "weiter nachlegen", um das Gesundheitsamt zu entlasten, dessen Mitarbeiter Fuhrmann für den Einsatz "über dem normalen Pensum" lobt. Ziel sei es, pro 20.000 Einwohner in Bremen ein fünfköpfiges Team mit Containment-Scouts zu haben. Im Land Bremen leben mit Stand 2019 rund 683.000 Menschen – demzufolge bräuchte man mehr als 150 Containment-Scouts, um diese Abdeckung zu gewährleisten.

Lokale Ausbrüche für Ausschläge in den Zahlen verantwortlich

Um die festgelegte Obergrenze nicht zu überschreiten, darf Bremen maximal 41 Neuinfektionen pro Tag verzeichnen. In der Regel liegt Bremen unter diesem Wert. Doch am Mittwoch wurde diese Zahl erreicht, auch vorher kam es bereits zu derartigen Ausschlägen. "Diese waren aber immer auf ein aktuelles Ausbruchsgeschehen zurückzuführen", erklärt Fuhrmann. Damit ist eine Häufung von Fällen durch einen lokalen Ausbruch gemeint, zum Beispiel wie in der vergangenen Woche in einem DHL-Verteilzentrum in Bremen oder in einem Pflegeheim. Im Falle der am Mittwoch gemeldeten 41 Neuinfektionen seien drei Ausbruchsgeschehen zusammengefallen, auf die Fuhrmann diesen deutlichen Anstieg zurückführt. In allen Fällen sei die Kontaktpersonenermittlung erfolgt.

Die Gesundheitsbehörde rechnet laut Fuhrmann mit einem Anstieg der Neuinfektionen, bedingt auch durch die Lockerungen, die in Bremen und Niedersachsen in den kommenden Tagen in Kraft treten. Wie sich die Lage in Bremen dadurch verändert und ob die Obergrenze erreicht werden könnte, sei noch nicht abzusehen. Man beobachte die Situation genau und werde gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

Kontaktbeschränkungen und Lockerungen: So ist die Situation in Bremen

Video vom 6. Mai 2020
Die Bremer Bürgerinnen und Bürger teilweise mit Maske in der Innenstadt.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Greta Block

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Mai, 19:30 Uhr