Genug Schlafplätze für Obdachlose im Winter – die Sorgen bleiben

Etwa 500 bis 600 Wohnungslose leben in Bremen. Unterkünfte für die Winterzeit gibt es laut Stadt genug. Doch nicht alle nehmen das Angebot wahr – aus Angst.

Eine obdachlose Person liegt schlafend auf dem Bürgersteig, eine Person läuft vorbei (Archivbild).
In Bremen gebe es genug Schlafplätze für Wohnungslose, bestätigt die Innere Mission (Symbolbild). Bild: DPA | Roland Mühlanger/APA/picturedesk.com

Bremen sei aktuell gut aufstellt, wenn es um die Unterbringung von wohnungslosen Menschen im Winter gehe, sagt der Sprecher der Sozialsenatorin, Bernd Schneider. Ein gemischtes System aus Notunterkünften in verschiedenen Einrichtungen und kurzfristig angemieteten Plätzen in Unterkünften gewerblicher Anbieter soll den Bedarf an Schlafmöglichkeiten decken. "Die Frage, wie viele temporäre Schlafplätze für Obdachlose es in Bremen gibt, ist schwer zu beantworten, da das System mit dem Bedarf wächst", sagt Schneider. Wird die Nachfrage größer, dürften demnach mehr Verträge für Plätze in den sogenannten Schlicht-Hotels geschlossen werden.

Angst vor Diebstählen

Dies bestätigt Bertold Reetz, Leiter der Obdachlosenarbeit bei der Inneren Mission. "Niemand muss draußen schlafen, wenn er es nicht will", sagt er. "Wir haben eigentlich noch Reserven". Was den Sozialarbeitern Sorgen im Winter bereitet, sind eher die Menschen, die gar nicht in die Unterkünfte wollen. Dafür gebe es meistens unterschiedliche Gründe, sagt Reetz. Aus Angst vor Diebstählen oder weil sie die Menschen, die im selben Zimmer schlafen, nicht kennen. Oder weil sie sich nicht an die Hausregeln halten.

Immer mehr schlafen an öffentlichen Plätzen

Die Zahl derer, die im Freien schlafen – zum Beispiel in Parkanlagen – nehme zu, sagen die Sozialarbeiter. Das treffe vor allem auf Osteuropäer zu. Die Lage sei für sie dann besonders schwierig. "Sie haben in solchen Fällen keine Arbeit, kein Geld, aber auch kein Recht auf Sozialhilfe", erläutert Reetz. Der Anspruch auf Sozialleistungen von EU-Bürgern wurde 2016 stärker eingeschränkt. Und wer keinen Anspruch auf soziale Leistungen habe, dürfe prinzipiell nicht in die Notunterkünfte. "Wenn es kalt ist, werden Ausnahmen gemacht", sagt Reetz.

Das Problem der Wohnungslosigkeit betrifft allerdings auch Menschen, die Anspruch auf Sozialleistungen hätten. Zum Beispiel, wenn sie sich nicht an die Auflagen des Jobcenters hielten und ihnen die Förderungen gesperrt würden, sagt Reetz. Sie könnten ihre Miete dann nicht mehr bezahlen.

Es kann nicht sein, dass das Jobcenter dadurch Menschen wohnungslos macht.

Bertold Reetz

Das solle sich dringend ändern, sagt er.

Neues Angebot für psychisch auffällige Menschen

In Bremen versorgen Streetworker diejenigen, die auf der Straße leben. Sie verteilen Schlafsäcke und warme Mahlzeiten, bieten Unterstützung, soweit sie können. Auch ein neues Angebot für Menschen mit psychischen Problemen hat die Sozialsenatorin Anja Stahmann angekündigt. Im "Haus Herdentor" sollen bis zu 28 Männer und Frauen aufgenommen werden, die es aufgrund ihrer Krankheit nicht selbstständig aus der Obdachlosigkeit schaffen. Teilweise bekämen die Betroffenen wegen ihrer Auffälligkeiten Hausverbot in den anderen Einrichtungen.

Über das neue Angebot freut sich Reetz: "Das sind die schwierigsten Fälle." Doch langfristig sehe der Leiter vor allem eine Lösung: Mehr Wohnraum schaffen für Menschen in schwierigen finanziellen Lagen. "Wenn das nicht gelingt, wird die Lage schlimmer", sagt er.

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. November 2018, 23:30 Uhr