Zu viele Zugausfälle – Nordwestbahn will sich Lokführer leihen

Wegen der Ausfälle auch in Bremen bekommt die Nordwestbahn weniger Zuschüsse. Der Lokführermangel ist schuld – dabei steht eine Grippewelle noch bevor. So soll es weitergehen.

Ein Zug der Nordwestbahn fährt in einen Bahnhof ein.
Im September sind bei der Nordwestbahn 157 Züge ausgefallen. Auf das Unternehmen kommen daher bald Zuschusskürzungen zu. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Bei der Nordwestbahn sind im September besonders häufig Züge ausgefallen. 157 an der Zahl, wie die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) mitteilt, die im Namen des Landes Aufträge für den Schienennahverkehr vergibt. Das entspreche einer Ausfallquote von drei bis vier Prozent, bestätigt Rolf Erfurt, Geschäftsführer der Nordwestbahn, "mit Bedauern", wie er betont. Ziel des Unternehmens sei es, wieder eine Quote von einem Prozent zu erreichen. Betroffen von den Zugausfällen im September war das Weser-Ems-Netz mit den Linien zwischen Osnabrück, Bremen, Wilhelmshaven und Esens (RE 18, RE 19, RB 58, RB 59).

Weniger Geld für die Nordwestbahn

Wegen der angespannten Situation will die LNVG der Nordwestbahn im nächsten Jahr Zuschüsse kürzen. "Wir machen keine Ausgleichszahlungen für Züge, die nicht fahren", sagt LNVG-Sprecher Rainer Peters. Denn nur 20 bis 30 Prozent der Kosten erziele das Unternehmen durch Fahrkartenverkauf, "der Rest kommt vom Steuerzahler, also von uns. Das sind 300 Millionen Euro zwischen Ems und Elbe." Wie hoch die Kürzungen sind, stehe nicht fest und werde öffentlich auch nicht bekanntgegeben.

Wir machen keine Ausgleichzahlungen für Züge, die nicht fahren.

Rainer Peters, LNVG-Sprecher

"Bei der Nordwestbahn fehlen Fachkräfte", so der LNVG-Sprecher weiter. "Wenn ein Lokführer krank wird, gibt es keinen Ersatz und der Zug kann nicht fahren." Auch die Unpünktlichkeit der Züge sei ein Problem: "Es gibt sogenannte Verkehrsverträge, in denen geregelt ist, wie oft und wie lange sich Züge verspäten dürfen. Die Nordwestbahn hat eine Pünktlichkeitsvorgabe von 95 Prozent, davon aber nur 84 geschafft." Da es sich bei den 95 Prozent um einen Jahreswert handle, habe das Unternehmen immerhin noch die Chance, diesen zu erreichen.

Großangelegte Lokführer-Maßnahmen

"Wir hätten uns auch eine umfangreichere Informationspolitik gegenüber den Kunden gewünscht", bemängelt Peters. "Viele Ausfälle waren planbar. Dass Fahrgäste umsonst zum Bahnhof kommen, hätte die Nordwestbahn also verhindern können." Rolf Erfurt von der Nordwestbahn stimmt dieser Kritik zu, merkt jedoch an, dass es im Weser-Ems-Netz große infrastrukturelle Schwierigkeiten gebe, die die Züge seines Unternehmens negativ beeinflussen. "Traurigerweise haben wir derzeit auch mehr Eingriffe von Dritten zu verzeichnen", berichtet er.

Um die Ausfälle durch Krankheiten und generellen Fachkräftemangel zu verringern, will die Nordwestbahn laut Geschäftsführer noch in diesem Monat neue Lokführer einstellen beziehungsweise ihre frisch ausgebildeten Nachwuchs-Lokführer übernehmen und sich weitere Mitarbeiter über Personaldienstleister ausleihen.

Es gibt in Deutschland circa 50 zertifizierte Firmen, die Lokführer einstellen und verleihen.

Rolf Erfurt, Nordwestbahn

"Es gibt in Deutschland circa 50 zertifizierte Firmen, die Lokführer einstellen und verleihen", sagt Rolf Erfurt. "Bevor die Leihlokführer fahrtüchtig sind, bekommen sie von uns eine Einweisung in die Fahrzeuge und ins Streckennetz. Das kann zwei bis vier Wochen dauern. Anschließend bleiben sie maximal 18 Monate bei uns." Derzeit setze die Nordwestbahn bereits 15 Leihlokführer ein, wie viele im Oktober dazukommen, werde erst mit der LNVG geklärt. "Man darf übrigens nicht denken, dass es sich hier um ein Dumping-Modell handelt", meint Erfurt. "Für einen Leihlokführer bezahlen wir pro Stunde doppelt so viel wie für einen unserer 'normalen' Mitarbeiter."

Hoffnung auf entspannte Lage im Herbst

Mithilfe der Leihlokführer hoffe die Nordwestbahn, dass sich die Situation in der kälteren Jahreszeit wieder entspanne und die jährlich drohende Grippewelle nicht zu größeren Komplikationen führe. Auch die LNVG zeigt sich zuversichtlich: "Wir kennen die Nordwestbahn seit 20 Jahren als zuverlässigen Partner. Trotz der derzeitigen Probleme stellen wir das Unternehmen nicht grundsätzlich in Frage."

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  • Janina Kück

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Oktober 2018, 23:30 Uhr