XXL-Fracht im Neustädter Hafen: Wenn Menschen wie Spielzeug wirken

Heute startet in Bremen die Breakbulk-Fachmesse, zu der rund 11.000 Besucher erwartet werden – und das größte Schwerlast-Terminal Europas steht an der Weser.

Schwergutschiff Star Isfjord liegt im Hafen
Die "Star Isfjord" liegt im Neustädter Hafen. An Bord: 12.000 Tonnen Papier.

Wer den Neustädter Hafen betritt, kann sich ein bisschen fühlen wie im Miniatur-Wunderland – bloß andersherum: Hier ist nicht alles klein, und der Mensch fühlt sich riesengroß. Zwischen den mächtigen Maschinen und gigantischen Ladungen wirken Leute wie Spielzeugfiguren.

Die heutige Fracht ist bis zu 3,35 hoch und bis zu 4,5 Tonnen schwer.

Daniel Wrieden, BLG-Inspektor

Eine Papierrolle in Breakbulk-Dimensionen beschreibt Daniel Wrieden hier. Als Inspektor ist er für den reibungslosen Ablauf beim Be- und Entladen zuständig. Sein Arbeitgeber: Hafenbetreiber BLG. Gerade ist der Frachter "Star Isfjord" im Neustädter Hafen angekommen. "Der bringt 12.000 Tonnen Import. Alles für die Zeitungsindustrie, für die Hygieneindustrie. Rollenzellulose, Ballenzellulose", erklärt Wrieden.

Papierrollen im Neustädter Hafen
Hunderte Papierrollen kommen im Neustädter Hafen an und werden von dort aus weiterverteilt.

Die Rollen mit dem Rohstoff für die Papierproduktion sind bereits gelöscht, also abgeladen – sie lagern jetzt zu Hunderten in einer großen Halle. Die Mengen sind für den Laien überhaupt nicht zu erfassen.

Wenn die "Star Isfjord" Ende der Woche wieder ablegt, macht sie sich auf den Rückweg nach Virginia – und dann nimmt sie unter anderem 30.000 Kubikmeter Schnittholz mit, das aus deutschen und österreichischen Wäldern stammt. "In den USA werden relativ viele Häuser aus Holz gebaut. Geht alles als Schnittholz da runter, zu 90 Prozent werden daraus Häuser gebaut", sagt Wrieden.

Ware aus ganz Europa durchläuft den Neustädter Hafen

Der amerikanische Markt sei wichtig, erklärt Thorben Kolk, einer der Geschäftsführer im Neustädter Hafen. Ware wird per Schiff oder Bahn aus ganz Europa angeliefert und dann nach Nordamerika geschickt.

Wir haben hier einen großen USA-Dienst. Und der hat natürlich – wie man das auch von Trump kennt: Mit jedem Tweet verändert sich die Welt – Schwankungen. Diese Schwankungen können wir hier abfedern, weil wir die entsprechende Größe haben.

Thorben Kolk, Geschäftsführer Neustädter Hafen

Von monströser Maschine bis Windkraftanlage – hier wird alles verschifft

Ein paar weitere Beispiele für die schiere Größe: Die gesamte Anlage des Breakbulkterminals erstreckt sich über eine Million Quadratmeter, darauf liegen 14 Kilometer Bahngleise. In einem Bereich bauen Mitarbeiter eines Technologie-Konzerns gerade an einem Teilstück einer Gasförder-Anlage – die Maschine reicht locker an die Ausmaße eines Einfamilienhauses heran. Direkt nebenan liegen 68 Meter lange Flügel für Windkraftanlagen – auch solche Ausmaße kann der Neustädter Hafen locker bewältigen.

Ein Kran verfrachtet Stahlrohre im Neustädter Hafen
Ein Kran verlädt Stahlrohre im Neustädter Hafen.

Wenige hundert Meter entfernt lädt ein Spezial-Kran Stahlrohre für eine Pipeline von einem Bahnwaggon – die Maschine saugt die 18 Meter langen Rohre an, hebt sie hoch und legt sie bereit für das nächste Schiff. Sie wirken wie ein Bündel Strohhalme – nur eben in einem ganz anderen Maßstab.

Ein besonderer Brocken steht noch am Liegeplatz der "Star Isfjord" bereit: Per Binnenschiff aus Rheinland-Pfalz ist ein Monstrum für den Straßenbau angekommen: Kettenantrieb, groß wie ein ganzer Lkw. Die Maschine soll bald in den USA Fahrbahnbeläge wegfräsen. Vorher müssen Inspektor Daniel Wrieden und seine Crew sie aber erst mal in Bremen auf das Schiff hieven.

150 Tonnen – mit zwei Hafenmobilkränen wird morgen früh geladen. Das ist dann wirklich mal was Besonderes. Das ist ja das Schöne daran, man hat jeden Tag eigentlich was anderes. Wir haben nie die gleiche Ladung und das macht den Job halt aus.

Daniel Wrieden, BLG-Inspektor

Handarbeit trotz gigantischer Größenverhältnisse

Was den Job im Neustädter Hafen auch noch ausmacht: Viel Handarbeit. Hier läuft nicht so viel automatisch wie in den großen Containerhäfen. Die Mitarbeiter gehen noch richtig ran an die Ladung – mit Haken und Ösen, mit Gurten und Seilen – und das, obwohl sie selbst oft winzig wirken neben dem, was sie von Bremen aus in die weite Welt verschiffen.

  • Jens Otto

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Mai 2019, 19:30 Uhr