Wieso der Weltstar Lady Gaga Schuhe aus Bremerhaven trug

Der Designer David Kotowski aus Bremerhaven mischt die Modewelt auf. Inspiration zieht er aus einem Treffen mit US-Sängerin Lady Gaga, die seine Schuhe trug.

David Koslowski sitzt in seinem Studio an der Nähmaschine
Modedesigner David Kotowski hört beim Nähen am liebsten Lady Gaga.

"Ich will eine Weltmarke werden", sagt David Kotowski selbstbewusst. Der 23-jährige Modedesigner sitzt in seinem Studio in Bremerhaven und arbeitet an der zweiten Kollektion seines Labels "Didaldi". Seit Lady Gaga werbewirksam seine Schuhe trug, häufen sich die Anfragen.

In seinem Studio hängt ein Schild mit der Aufschrift "Lebe deinen Traum". Kotowski arbeitet daran. Das Atelier "Yart" in der Schillerstraße ist seit 2018 sein Zuhause, dabei wollte er eigentlich längst in der Hauptstadt sein. Eine dankbar angenommene Förderung "Cash for Culture" des Bremerhavener Kulturamtes kam dazwischen.

Diesen Schuh aus Bremerhaven trug Lady Gaga

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Demnächst reist er in die USA, um sich mit Fotografen und Stylisten zu vernetzen. Ende des Jahres will er dann doch umziehen. "Mit Luxus-Mode kann man nach Düsseldorf gehen, aber für freakige Neustarter kommt nur Berlin in Frage."

Bremerhaven hat zwei Schneidereien und Didaldi

Designer David Koslowski steht vor derm Schaufenster seines Studios
Im Atelier "Yart" in der Schillderstraße hat sich David Kotowski sein Studio eingerichtet.

In Bremerhaven gibt es quasi nur zwei Schneidereien und ihn, meint er zum Standort an der Nordsee. Zur Mode kam er über die Fotografie und wurde schließlich Designer. Anfangs konnte er nicht einmal nähen. Während Mitschüler im Kunst-Leistungskurs Türstopper und Stifthalter entwarfen, kreierte er schon damals High Heels.

Schicksalhafte Begegnung mit Lady Gaga

Zum Studium verschlug es ihn nach Krakau. Auch, um auf den Spuren seiner Eltern zu wandeln, die vor 40 Jahren aus Polen nach Deutschland kamen. Inzwischen hat er sein Modedesign-Diplom in der Tasche und feilt an der Karriere.

Die Initialzündung kam im Jahr 2014. "Ich verstecke nicht, von Anfang an großer Lady-Gaga-Fan zu sein", sagt Kotowski. Ihre Message "Sei so, wie Du bist" gibt ihm viel Kraft. Nach dem Abi gönnt er sich drei Konzerte der US-Sängerin hintereinander in Hamburg, Köln und Berlin. Sein Ziel: Er will die Stilikone in von ihm designten Schuhen sehen.

David Kotowski zeigt das Tattoo eines Lady Gaga Autogramms auf seinem Unterarm
Nachdem Lady Gaga auf seinem Unterarm unterschrieben hatte, ließ sich David Kotowski ein Tattoo daraus stechen.

Der erste Versuch über einen Kumpel mit VIP-Ticket bleibt erfolglos. In Köln wartet Kotowski mit anderen Fans fast 24 Stunden vor dem Hotel der Sängerin. Statt Lady Gaga trifft er ihre Visagistin, die verspricht, etwas zu arrangieren. Beim Konzert schmuggelt er die Schuhe in die Halle und übergibt sie der Assistentin.

Designermode aus Opas Keller

"Nach dem Konzert um 3 Uhr nachts stieg Lady Gaga begleitet von Paparazzi aus der Limousine und hatte meine Schuhe an", sagt Kotowski mit leuchtenden Augen. "Sie kam direkt zu mir, hat sich bedankt und gesagt, dass ich weitermachen soll." Für den 23-Jährigen eine große Motivation.

Bei der Arbeit als Designer fragt er sich bis heute: Was würde Lady Gaga tragen? Wie sein großes Vorbild hat Kotowski ein Faible für pompöses Kunstfell und steifes Kunstleder. Gerne recycelt er Materialien aus Second-Hand-Läden oder kauft abgelaufene Katalogware auf. Auch im Baumarkt lässt er sich inspirieren.

Lady Gaga posiert mit David Kotowski für ein Foto
US-Sängerin Lady Gaga posiert mit Modedesigner David Kotowski in Berlin für ein Foto. Bild: Privat

Viele Stücke entstehen später gemeinsam mit seinem handwerklich begabten 79-jährigen Opa in dessen Keller. Im Atelier arbeitet Kotowski gerne bei lauter Musik – natürlich von Lady Gaga. Am liebsten spät abends und nachts nach der Schicht im Nebenjob. Morgens fehlt die Kreativität.

Kleidung soll Persönlichkeit zeigen

"Was mich ausmacht, ist, Untragbares tragbar zu machen." In der neuen Kollektion findet sich Futuristisches, Asiatisches aber auch Gothic. Kleidung soll Persönlichkeit zeigen, findet Kotowski. "In Bremen kommen junge Mädchen oft alle gleich angezogen aus der Waterfront", sagt der Designer. "Denen wird nicht beigebracht, individuell zu sein. Dem versuche ich entgegenzuwirken."

Persönlichkeit steckt auch im Namen seines Labels. "Den Namen Didaldi nutze ich jetzt seit zehn Jahren als E-Mail-Adresse. Das ging aus David und Vivaldi hervor, den ich als Kind gerne gehört habe." Inzwischen trägt er Didaldi als Künstlernamen im Ausweis.

Bremerhavener Design mit Anfragen aus aller Welt

Gefragt nach seinen Zielen, träumt er davon, weitere Stars einzukleiden – von Helene Fischer über Rihanna bis Kim Kardashian. "Ich hoffe aber, dass auch Männer mal etwas von mir tragen. Drake oder Jay-Z zum Beispiel."

Kupferrote Schuh-Kreationen stehen auf einem Tisch
Mit extravaganten Designerschuhen sorgt David Kotowski aus Bremerhaven weltweit für Aufsehen.

Schon jetzt kann sich sein Wirkungskreis sehen lassen. So stellte er auf der High-Heel-Weltausstellung in Detroit neben Alexander McQueen aus, war zweimal im polnischen Ableger der Topmodel-Show vertreten, ist in einem virtuellen Schuhmuseum zu sehen und bekam Kostüm-Anfragen für einen Filmdreh in Mexiko. "Wer kann schon sagen, dass seine Mode im Kino ist?", sagt Kotowski und lacht.

Modedesigner demnächst als Koch im Fernsehen

Als nächstes wird er selbst über die Bildschirme flimmern: Ab Montag ist er in der ZDF-Sendung "Küchenschlacht" zu sehen. "Ich kann das Chaos beherrschen" ist dort sein Motto. "Und das gilt eigentlich auch für mein Leben", sagt der Bremerhavener und muss wieder lachen.

Seine Heimatstadt ist wichtig für ihn, betont er. Und wer weiß, vielleicht kehrt er eines Tages zurück, wenn er den Durchbruch geschafft hat. Doch das kann dauern, weiß Kotowski: "In der Modebranche geht es langsam voran."

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 22. März 2019, 12:45 Uhr