Infografik

So verändert der zweite Corona-Lockdown die Mobilität im Land Bremen

Ob Straße oder Schiene: Der Lockdown wirkt sich auf alle Teile des Verkehrs aus. Allerdings sind einige Bereiche schwerer betroffen als andere.

Eine Straßenbahn fährt vor dem Bremer Hauptbahnhof eine Straße entlang.
Leerfahrt statt Hochbetrieb - durch Corona sind Busse und Bahnen deutlich schwächer besetzt. (Symbolbild) Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Wer in diesen Tagen einen Blick auf Bremens Straßen wirft, der wird es bemerken: Während die Zahl der Radfahrer und Radfahrerinnen nach dem Fahrrad-Boom im Corona-Sommer auch im Winter nicht deutlich niedriger ist als im Vorjahr, sind die Busse und Bahnen um einiges leerer als sonst. Und auch viele Autos bleiben aktuell in der Garage – was sich auch auf die Luftqualität auswirkt.

Kaum Fußgänger in der Innenstadt – aber mehr als im ersten Lockdown

Gerade in der Weihnachtszeit und in den Wochen nach dem Fest ist in der Bremer Innenstadt eigentlich Hochbetrieb: Vom 13. Dezember 2019 bis zum 13. Januar 2020 – also bevor das Corona-Virus Deutschland erreicht – zählte die Messstation in der Bremer Obernstraße über 770.000 Passanten. Im gleichen Zeitraum in diesem Winter sind es gerade einmal knapp 215.000 Passanten.

Allerdings: Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass in diesem zweiten Lockdown insgesamt immer noch mehr Fußgänger in der Innenstadt unterwegs sind, als im ersten Lockdown im Frühjahr. Außerdem scheinen am 12. Dezember 2021, den Samstag bevor fast alle Geschäfte schließen mussten, viele die letzte Chance für den Weihnachtseinkauf vor Ort zu nutzen: Mit 34.000 gezählten Passanten ist es der zweithöchste Peak des Jahres 2020 – übertroffen nur vom Sambakarneval am 15. Februar.

Passanten in der Bremer Obernstraße

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Dass nun sehr viel weniger Menschen in die Innenstadt kommen, wirkt sich auch auf die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel aus. Hinzu kommt, dass viele Bremer nun im Homeoffice arbeiten und so keine Busse und Bahnen mehr brauchen, um ihren Arbeitsweg zu bewältigen. Insgesamt halten sich laut einer Analyse von Handydaten durch Google im Land Bremen so nur etwa halb so viele Menschen an Haltestellen und Bahnsteigen auf, wie in der Zeit vor Corona.

Einen starken Rückgang an Fahrgästen kann auch die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) bestätigen: Während im Spätsommer immerhin etwa 70 Prozent der normalen Fahrgastzahlen erreicht werden, sinken die Zahlen laut dem Unternehmen bis zum Dezember auf etwa 50 Prozent.

Dabei spielen natürlich Faktoren wie der geschlossene Freimarkt, der gestrichene Weihnachtsmarkt, die Änderungen bei der Schulpflicht, die geschlossene Uni, Home-Office, Geschäftsschließungen etc. mit rein. Kurz gesagt: Die Fahrtgründe waren vielfach nicht gegeben.

Andreas Holling, Pressesprecher BSAG

Wie sich die Zahlen in den kommenden Lockdown-Wochen entwickeln werden, könne man noch nicht absehen. Im Frühjahr 2020 habe man aber selbst an den besten Tagen nur etwa 30 Prozent der normalen Fahrgäste gehabt, so die BSAG.

Radverkehr am wenigsten betroffen

Im Vergleich zu den Passanten und öffentlichen Verkehrsmitteln wirkt sich der Lockdown auf den Radverkehr in Bremen eher weniger stark aus. Beim Betrachten der Zahlen muss allerdings beachtet werden, dass sie stark vom Wetter der jeweiligen Tage abhängig sind. Ein Blick auf Bremens meistbefahrenen Radweg, die Wilhelm-Kaisen-Brücke stadteinwärts, zeigt, dass dort in diesem Winter insgesamt etwas weniger Radfahrer unterwegs sind als im vergangenen Jahr.

Aufkommen an Radfahrern

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Auf dem Osterdeich ist allerdings im Dezember nur eine minimale Veränderung zum Vorjahr zu erkennen. Während der Berufsverkehr, für den die Wilhelm-Kaisen-Brücke einer der Hauptfahrradwege ist, also abgenommen hat, scheint der Osterdeich weiterhin ein beliebtes Ziel für Freizeit-Fahrer zu sein.

Lage auf Bremens Straßen wie im Frühjahr

Während der Radverkehr also nur mäßig durch den zweiten Lockdown beeinflusst wird, zeigt sich beim Kraftfahrzeugverkehr eine deutliche Veränderung. Das Amt für Straßen und Verkehr prognostiziert, dass im Januar 2021 knapp ein Drittel weniger Fahrzeuge gezählt werden als im vergangenen Januar vor der Corona-Krise. Einen ähnlich starken Rückgang hatte es auch im ersten Lockdown gegeben.

Verkehrsaufkommen in der Stadt Bremen

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Ein ähnliches Bild zeigt sich auch auf den Autobahnen um Bremen. Auf der A1 Richtung Hamburg waren im Januar 2020 noch mehr als 1,2 Millionen Fahrzeuge unterwegs. In diesem Januar rechnet das Amt für Straßen und Verkehr hingegen nur mit knapp 850.000 Fahrzeugen. Auch im Dezember gab es einen Rückgang, allerdings nicht so stark wie im Januar – kein Wunder, schließlich wurde der Lockdown erst Mitte Dezember ausgerufen.

Weniger Verkehr – weniger Schadstoffe

Weniger Autos und Lkw auf den Straßen bedeuten auch weniger Abgase. Und das wirkt sich auf die Luftqualität in Bremen aus: Insbesondere an ansonsten vielbefahrenen Straßen in der Stadt Bremen (wie zum Beispiel Am Dobben) ist die Stickstoffdioxid-Konzentration in diesem Lockdown deutlich niedriger als sonst.

Stickstoffdioxid-Konzentration Am Dobben, Stadt Bremen

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Ähnlich sieht die Entwicklung auch in Bremen-Nord aus. Hier steht die Messstation allerdings nicht an einer vielbefahrenen Straße, sondern im städtischen Bereich an der Aumunder Feldstraße. Daher sind die Werte insgesamt – sowohl in diesem wie auch in vergangenen Jahren – niedriger.

In Bremerhaven ist die Stickstoffdioxid-Konzentration hingegen nicht so deutlich gesunken wie in der Stadt Bremen. Mit Ausnahme der Tage um Weihnachten liegen seit Beginn des Lockdowns am 16. Dezember aber auch hier die Werte fast durchgängig unter den Werten des Vorjahres.

Stickstoffdioxid-Konzentration Cherbourger Straße, Bremerhaven

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Der Unterschied zwischen den Werten für Bremen und Bremerhaven liegt laut Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Verkehrs- und Umweltressorts, an den unterschiedlichen Arten des Verkehrs an den Messstellen: Am Dobben in Bremen fahren meist Autos, deren Anzahl durch Homeoffice und Co. stark abgenommen hat. An der Cherbourger Straße in Bremerhaven hingegen verkehrt vor allem Lastverkehr, da es sich um eine Zufahrtsstraße zum Hafen handelt. Und der Transport von Waren dorthin, und damit auch der Verkehr, hat nicht bedeutsam abgenommen.

Wenig Verkehr über den Wolken

Auch wer den Blick von Bremens Straßen in den Himmel hebt, kann die Folgen der Corona-Krise nicht übersehen: Seit dem Frühjahr, aber insbesondere auch seitdem der zweite Lockdown angefangen hat, fliegen sehr viel weniger Flugzeuge über Bremen. Vom 16. Dezember 2020 bis zum 13. Januar 2021 gab es am Bremer Flughafen gerade einmal 536 Starts und Landungen. Im gleichen Zeitraum im vergangenen Winter waren es mehr als dreimal so viele.

Dementsprechend wenige Menschen sind im Jahr 2020 vom Airport Bremen gestartet. Laut dem Unternehmen sind die Passagierzahlen um zwei Drittel eingebrochen. Das zeigt sich auch in den Finanzen: Am Jahresende steht ein Verlust von rund 20 Millionen Euro in den Büchern der Flughafen GmbH.

Rückblick: So hat der erste Lockdown den Alltag der Bremer verändert

Video vom 17. Juni 2020
Moderatorin Lea Reinhard sitzt bei ihr zuhause am Laptop.
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Januar 2021, 19:30 Uhr