Sexueller Missbrauch durch Masseur: Immer mehr Frauen melden sich

Ein Masseur in Bremen soll Kundinnen jahrelang sexuell belästigt und sogar vergewaltigt haben. Immer mehr Frauen melden sich, die Zahl der Anzeigen steigt. Bei der Bremer Staatsanwaltschaft und Polizei sind inzwischen zehn Strafanzeigen eingegangen, wie die Behörde buten un binnen bestätigte.

Eine Frau liegt auf einer Massagebank, Männerhände liegen auf ihrem Rücken
Frauen in Bremen sollen von einem Masseur missbraucht worden sein. (Symbolbild) Bild: Imago | Westend61

Frauen in Bremen haben schwere Vorwürfe gegen einen Masseur erhoben. Dieser soll seit Jahren Kundinnen sexuell belästigt und auch vergewaltigt haben. Inzwischen wird gegen ihn ermittelt. Silke Noltensmeier, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bremen, bestätigte am Dienstagnachmittag, dass inzwischen zehn Strafanzeigen gegen den Masseur vorliegen. Der Vorwurf lautet: sexuelle Nötigung und sexuelle Belästigung.

Einige Betroffene hatten sich Anfang des Jahres zusammengetan, per Rund-SMS Warnungen verschickt und vergangene Woche einen Offenen Brief an den Beschuldigten formuliert. Der Masseur habe die vertrauensvolle Atmosphäre ausgenutzt, berichten die Frauen. Zwei schildern, wie der Masseur sie vergewaltigt habe.

So erzählte eine 28-Jährige buten un binnen, dass sie eine Meditationsübung bei dem Masseur besucht habe. Nach und nach habe er ihre Grenzen überschritten. "Er massierte sehr intensiv meine Brust." Dann sei er mit seiner Hand zwischen ihre Beine gefahren. "Das war nicht aus Versehen, sondern deutlich beabsichtigt. Für mich war es bis dahin noch in Ordnung, aber dann wurde es immer unangenehmer." Der Masseur habe ihr zehn zusätzliche Massage-Minuten kostenlos angeboten. Die Betroffene berichtet außerdem, dass er sie zwischen den Beinen geküsst habe. Dann sei er mit seinem Finger in ihre Vagina eingedrungen.

Er hat mein Vertrauen schamlos ausgenutzt. Er hat mir etwas genommen, was ich nicht geben wollte.

Betroffene

Was sie an dem Tag erlebte, war für sie eine Vergewaltigung. Die Sauna hat sie seit jenem Tag nie wieder betreten. Stattdessen ging sie zur Polizei.

Übergriffe liegen teils Jahre zurück

Auch andere Frauen berichten von Übergriffen durch den Masseur. Teilweise liegen diese lange zurück. Dass sie nun darüber sprechen, hängt auch mit einem veränderten Diskurs zusammen. Unter dem Hashtag #MeToo machten immer mehr Betroffene sexuelle Belästigung und Gewalt öffentlich. Erst als die Frauen in Bremen von anderen Betroffenen erfuhren, fühlten sie sich ermutigt, über ihre Fälle zu sprechen.

Für Franko Loddo, Vorstandsmitglied im Berufsverband der Yoga- und Ayurveda-Therapeuten, ist das, was in Bremen passiert sein soll, absolut unprofessionell und ein klarer Übergriff. "Im klassischen Ayurveda massieren nur Frauen auch Frauen", sagte Loddo. "Ein Ayurveda-Masseur berührt – wenn überhaupt– nur zwischen den Brüsten oder links oder rechts daneben. Um den Schambereich sollte er einen großen Bogen machen."

Absicherung mit dubioser Teilnahmebescheinigung?

Einige Frauen berichten, dass sie vor der Massage "Teilnahmebedingungen" unterschreiben mussten. Darin werden die Frauen aufgefordert, sich zu äußern, wenn sie etwas als unangenehm empfinden.

Für die Betroffenen ist diese Einverständniserklärung Teil einer perfiden Masche. Der Masseur habe nicht angekündigt, wie weit er wirklich gehen würde. Auch Loddo hält das Papier für unseriös: "Normalerweise wäre so eine Erklärung nicht nötig. Da will jemand Grenzen überschreiten und sich dafür absichern." Er vermutet: "Dieser Mann bietet offenbar Ayurveda- Massagen an und führt dann Tantra-Massagen durch." Beim Tantra gehe es explizit um sexuelle Berührungen. Bei einer Ayurveda-Massage aber gehe eine Kundin zu Recht davon aus, nicht so berührt zu werden. "Das, was diesem Ayurveda- Masseur dort vorgeworfen wird, geht gar nicht. Wenn das stimmt, muss ihm das Handwerk gelegt werden."

Auch eine andere Frau sagt, sie sei von dem Masseur vergewaltigt worden. Der Vorfall liege fast vier Jahre zurück. Damals war sie 24 Jahre alt. Der Mann sei mit seiner Hand in ihren Schritt gegangen und später mit seinem Penis in sie eingedrungen. Sie habe ihm körperlich klar gemacht, dass er aufhören soll, sagt sie. Ein Kondom habe er nicht benutzt. "Keine Sorge", habe er gesagt und dass er "getestet" sei. Sie selbst habe die ganze Zeit nichts sagen können: "Während der Tat war ich wie erstarrt. Handlungsunfähig."

Frauen suchen weitere Betroffene

Ihr ginge es nicht darum, dass der Masseur ins Gefängnis kommt, oder dass er eine Geldstrafe zahlen müsse, sagte eine der Betroffenen zu buten un binnen. Sie habe lange überlegt, ob sie zur Polizei gehen solle. Aber dann habe sie sich dazu entschieden, um andere zu schützen. "Ich will einfach nur, dass es aufhört. Dass nicht noch mehr Frauen dorthingehen und ihnen das Gleiche passiert."

Der Beschuldigte bietet seit Dienstag keine Massagen mehr an. Er will sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Gespräch mit zwei unscharfen Figuren

Interview mit Diplom-Psychologin

  • Sebastian Heidelberger
  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. März 2018, 19:30 Uhr