Interview

Grohner Düne statt Gran Canyon: Wie Heimat zum Abenteuer wird

Trend Mikroabenteuer: Autor Christo Foerster verrät, wie man direkt vor der eigenen Haustür nach Feierabend immer wieder Neues entdecken kann.

Christo Foerster bei einer Radtour durch das Hohe Venn (Eifel/Belgien)
Mit dem Rad durch die Natur: Wichtigstes Rüstzeug von Mikroabenteurer sind geschärfte Sinne, um die kleinen Wunder vor der Haustür (wieder) zu entdecken. Bild: Christo Foerster

Christo Foerster ist Motivationtrainer und Autor. Sein neuestes Buch "Raus und machen" (Harper-Collins-Verlag) dreht sich um Mikroabenteuer. Damit möchte er andere Menschen zu kleinen Abenteuern am Rande ihres Alltags motivieren.

Was verstehen Sie unter "Mikroabenteuer"?
Durch große Abenteuer wollen wir oft vom Alltag ausbrechen, fliehen oder den Akku aufladen. Dann kommen wir wieder und denken, es ist alles anders. Anders ist aber nur, dass wir noch schneller wieder weg wollen als vorher. Hinter dem Begriff "Mikroabenteuer" steckt die Idee, dass wir nicht immer warten müssen, bis wir genug Zeit, genug Geld, genug Urlaub, genug Mut oder genug Ausrüstung für so ein großes Abenteuer haben, von dem wir so oft träumen. Sondern, dass wir einfach anfangen und die Ausreden wegwischen. Dass wir raus gehen und uns die Abenteuer greifen, die vor unserer Tür liegen. Die Herausforderung liegt auch in der Freude am Ungewissen. Das kann man genau so im Kleinen haben, wie man es im Großen immer erwartet.
Wie definieren Sie ein Mikroabenteuer?
Es gibt keine allgemeingültigen Regeln, da Abenteuer-Erfahrungen sehr individuell sind und mit der persönlichen Komfortzone zusammenhängen. Ich glaube, dass ein Abenteuer immer dann beginnt, wenn man aus dieser Komfortzone herauskommt. Für mich gilt: Erstens gibt es ein Zeitfenster von 8 bis 72 Stunden. Zweitens sollte kein Auto oder Flugzeug genutzt werden. Und drittens sollten alle Übernachtungen in der freien Natur ohne Zelt stattfinden. Durch Mikroabenteuer haben wir die Chance, unseren Alltag zu verändern.
Christo Foerster schwimmend von Deutschland nach Dänemark
Beim Schwimmen in offenen Gewässern kommen viele Menschen aus ihrer Komfortzone heraus. Bild: Kai Hattermann
Was wäre so ein Mikroabenteuer?
Zum Beispiel kann man eine Nacht draußen verbringen – und zwar ohne Zelt. Das ist für mich der Inbegriff des Mikroabenteuers. Oder wir können einfach direkt vor der Haustür loswandern und mal einen ganzen Tag unterwegs sein, ohne irgendwo einzukehren, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ich war gerade selbst erst mit dem Tretboot auf dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs. Die Ideen müssen keinen großen Sinn haben, es geht einfach darum, aufzubrechen. Es geht nur darum, einen Anlass zu finden, rauszugehen und anzufangen. Diese Möglichkeiten hat es schon immer gegeben. Doch jetzt leben wir in einer Zeit, in der die Sehnsucht nach dem "draußen sein" in unserem Alltag immer weniger gestillt wird.
Was brauche ich für ein Mikroabenteuer?
Für ein Mikroabenteuer braucht es kein besonderes Equipment – dies wird oftmals als Ausrede genutzt. Je schlechter die Ausrüstung ist, desto größer ist das Abenteuer. Wir sollten nachts aber auch nicht erfrieren, wenn wir draußen übernachten und schon einen guten Schlafsack haben. Aber es braucht keine Profiausrüstung und man kann sich auch Dinge leihen.

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Autorin

  • Annelie Sturhann

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