Interview

Arzt zur Impfpflicht: "Ungeimpfte Erwachsene sind das größere Problem"

Das Bundeskabinett will Masern-Impfungen für Kinder zur Pflicht machen. Für den Weyher Hausarzt Stefan Friedrichsen sind jedoch die ungeimpften Erwachsenen die größere Gefahr.

Eine Spritze liegt auf einem Impfausweis.
Kleiner Pieks, große Diskussion. Die Masern-Impfung für Kinder soll zur Pflicht werden. Bild: Imago | Imagebroker
Herr Friedrichsen, ist eine Impfpflicht für Kinder der richtige Schritt, um Masern in Deutschland auszurotten?
Die Impfpflicht kann auf jeden Fall ein Schritt sein. Aber: Das größere Problem sind die ungeimpften Erwachsenen, wenn man sich die Zahlen anguckt. Gegen Masern braucht man zwei Impfungen, bei Schulanfängern haben wir in Deutschland aktuell eine Quote von 98 Prozent, was die erste Dosis angeht und etwa 92 Prozent bei der zweiten Dosis. Das Ziel ist eine Impfquote von 95 Prozent. Da sind wir schon sehr nah dran. Bei Erwachsenen sieht das ganz anders aus.
Wie hoch ist die Impfquote bei Erwachsenen?
Es gibt kein Impfregister, in dem das komplett flächendeckend erfasst wird. Aber 2017 hatten wir bei den 30 bis 39-Jährigen eine Masern-Impfquote von etwa 50 Prozent. Bei den Älteren wird sie dann immer tiefer. Das Problem ist, dass viele Erwachsene gar nicht wissen, dass ihnen eine Impfung fehlt, wenn sie als Kind nur einmal geimpft worden sind.
Warum wird dann in der Öffentlichkeit meistens nur über die Kinder gesprochen?
Grundsätzlich frage ich mich das auch. Ich glaube, die Diskussion um die Impfpflicht bei Kindern ist einfach. Bei den Erwachsenen ist das wesentlich komplexer – da müsste man dann ein Aufklärungsprogramm starten. Es gibt aber Länder, die mit solchen Programmen Erfolg haben. Die Niederlande haben es ohne Verbote und Pflichten geschafft, die Krankheit praktisch auszurotten. Das ging einfach durch Aufklärung.
In den Impfausweis schaut man ja nicht täglich – was empfehlen Sie jemandem, der gar nicht so genau weiß, ob ihm Impfungen fehlen?
Die Impfungen können vom Hausarzt gemacht werden. Ich würde sagen, einfach zum nächsten Termin den Impfausweis mitnehmen und dann gemeinsam schauen, welche Impfungen vielleicht fehlen.
  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 17. Juli 2019, 16 Uhr