Lürssen-Brand könnte für andere Werften teuer werden

Das schwer beschädigte Dock kann repariert werden. Eine gute Nachricht für Lürssen – für die gesamte Branche dürfte der Brand aber ein Nachspiel haben.

Video vom 28. Dezember 2018
Das teilweise ausgebrannte Schwimmdock der Lürssen-Werft
Bild: Radio Bremen

"Die zentrale Nachricht ist natürlich, dass das Dock in Ordnung ist – und dass es repariert wird", erklärt Volker Stahmann im Gespräch mit buten un binnen. Eine Nachricht, die wohl auch auf der Betriebsversammlung von Lürssen am 13. Dezember für einiges an Erleichterung gesorgt haben wird. Als Geschäftsführer der IG Metall Bremen war Stahmann auf dieser eingeladen – die Presse allerdings nicht. Denn die Werft selbst hält sich seit dem Großbrand im September, bei der das Dock und eine darinliegende Yacht schwer beschädigt wurden, äußerst bedeckt.

Diese Nachricht lässt hoffen – zumindest ein wenig. Denn von der Reparatur des Docks hänge nichts geringeres als die Existenz Lürssens ab, so Stahmann: Die Werft habe sonst kein Dock, in dem Schiffe einer derartigen Größe gefertigt werden könnten. Daher brauche man das 219 Meter lange Schwimmdock, das Lürssen Anfang Dezember von der Weser zum Tochterunternehmen Blohm+Voss in Hamburg schleppen ließ.

Für die etwa 147 Meter lange Luxusyacht, die zur Zeit des Brandes im Dock entstand, sehe es laut Stahmann hingegen düster aus: "Der Korpus des Schiffes ist wohl so beschädigt, dass da nichts zu machen ist." Teile des Schiffes seien zwar noch zu verwerten, wie etwa der Maschinenraum – der Rest jedoch werde auseinandergenommen und zurückgebaut. Wo, wann und wie das geschieht, auch dazu äußert sich Lürssen nicht.

Davon, dass dieses Dock repariert wird, hängt die Existenz der Werft ab.

Volker Stahmann, Geschäftsführer IG Metall Bremen
Das Schwimmdock der Lürssen-Werft steht in Flammen
Drei Tage lang brannte das Schwimmdock im September, 900 Feuerwehrleute aus Bremen und dem Umland waren im Einsatz. Die Brandursache ist nach wie vor unklar. Bild: Radio Bremen

In der Regel werden Schiffe jedoch in Asien unter häufig schlechten Arbeitsbedingungen und zumeist unzureichenden Sicherheits- und Umweltstandards zerlegt, die Materialien anschließend profitabel verkauft. Laut dem Verband Deutscher Reeder werden 70 Prozent aller Schiffe in Asien, insbesondere in Indien, Bangladesch und Pakistan, recycelt – und nur drei Prozent in der Europäischen Union. Denn der sogenannte "Rückbau" ist teuer – vieles muss von Hand gemacht werden, kaum etwas funktioniert automatisiert. Ob die Versicherungen im Fall Lürssen dafür aufkommen würden, ist fraglich, denn der Schaden an Yacht und Dock würde sich, so Stahmann, "grob geschätzt" auf etwa 500 Millionen Euro belaufen.

Versicherungsexperte: "Prämien in ganzer Branche steigen"

Der dreitägige Brand, der der Bremer Feuerwehr im September den personell größten Einsatz der Nachkriegsgeschichte bescherte, sei jedoch nicht nur für Lürssen ein krasser Einschnitt. Es sei "völlig klar", dass der Vorfall die gesamte Branche rund um den Bau von Super- und Mega-Yachten nachhaltig beeinflussen wird, so ein Experte einer Yachten-Versicherung, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Ein so großer Schadensfall krempele den Markt um und ließe kleinere Versicherer aussteigen, sagt er. Außerdem treibe er die zu bezahlenden Versicherungsprämien deutlich nach oben – nicht nur für Lürssen, sondern auch für andere Werften. Um wie viel genau, das könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Autoren

  • Jochen Duwe
  • Sebastian Manz Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Dezember, 19:30 Uhr

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