A27: Halbe Lesumbrücke bleibt mindestens weitere 14 Monate gesperrt

Die Lesumbrücke der A27 ist maroder als erwartet. Jetzt prüft das Bremer Verkehrsressort drei Sanierungs-Varianten und erntet scharfe Kritik aus Handelskammer und CDU.

Die Lesumbrücke von oben.

Der gesperrte, westliche Teil der Lesumbrücke auf der A27 darf in seinem derzeitigen Zustand nicht wieder für den Verkehr freigegeben werden. Das geht aus einem Gutachten hervor, dessen Kernaussagen das Bremer Verkehrsressort heute vorgestellt hat. Danach kommen die Gutachter sogar zu dem Schluss, dass es unmöglich ist, die Brücke durch Sanierungsarbeiten im ausreichenden Maße zu ertüchtigen und anschließend wieder freizugeben.

Unser Ziel ist, die Autobahnbrücke möglichst schnell wieder dreispurig zu öffnen.

Ronny Meyer, Staatsrat beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Diese Einschätzung teilt das Verkehrsressort allerdings nicht. Zwar räumt Bremens Verkehrsstaatsrat Ronny Meyer "altersbedingte Materialschädigungen an tragenden Stahlbauteilen der Brücke" ein. Anders als die Gutachter aber glauben Bremens Verkehrsplaner, dass es durchaus möglich ist, die Brücke zu sanieren und anschließend wieder für dem Verkehr frei zu geben. "Unser Ziel ist, die Autobahnbrücke möglichst schnell wieder dreispurig zu öffnen", sagt Meyer.

Gute Übergangslösung für die kommenden Jahre gefragt

Wie Meyer mitteilt, prüft das Verkehrsressort hierzu derzeit – mithilfe eines weiteren Gutachtens – drei Optionen. "Im Herbst können wir sagen, was wie gebaut wird", so der Staatsrat. Zum Hintergrund: Es geht um eine Übergangslösung für die unmittelbar kommenden Jahre. Denn der Bund wird die teils über 80 Jahre alte westliche Hälfte der Brücke vollständig erneuern und verbreitern. Die Planungen hierfür aber werden noch Jahre andauern, wie Meyer mitteilte.

Die gesperrte Lesumbrücke sorgt für viel Stau.
Derzeit läuft der Verkehr komplett über die östliche Fahrbahn – und das wird auch erstmal so bleiben.

Martin Stellmann, Leiter des Amts für Straßen und Verkehr, rechnet daher "bis 2028" mit dem Neubau der Brücke. Wie sich etwa im Falle der A281 oder auch beim Offshore Terminal in Bremerhaven gezeigt habe, könnten beispielsweise Klagen gegen die Planverfahren das Prozedere verzögern.

Umso wichtiger erscheint Meyer und Stellmann, eine gute Zwischenlösung für die Lesumbrücke zu finden. Konkret denken sie dabei an diese Optionen:

1 Variante 1 – Ertüchtigung

Bei dieser Lösung handelt es sich um den Favoriten des Amts für Straßen und Verkehr. "Die Ertüchtigung des Bauwerks wäre die schnellste und wirtschaftlichste Lösung für eine weitere uneingeschränkte Nutzung", erklärt Stellmann. Ob es aber überhaupt möglich ist, die Brücke zu ertüchtigen, müssten weitere Untersuchungen von Technik und Material ergeben. Insbesondere sei fraglich, in welchem Zustand sich der Stahl der Brücke befinde. Die Brücke enthalte noch "Elemente von 1936", so Meyer

Für die zur Ertüchtigung erforderlichen Baumaßnahmen veranschlagt das ASV zurzeit etwa 14 Monate.

Optionen, wie man mit der Problembrücke verfahren könnte V ariante 1 E r tüchtigung der v orhandenen Brüc k e ( F av orisie r te Lösung) V ariante 2 Einsatz einer System-Behelfsbrüc k e (SS80) V ariante 3 Erneuerung des Brüc k enüberbaus (Alternati v e Lösung)
Amt für Straßen und Verkehr

2 Variante 2 – Behelfsbrücke

Eine Variante, die das ASV eher der Vollständigkeit halber aufführt: Die Nachteile seien auf lange Sicht so gravierend, dass man diese Variante nicht weiterverfolge, so das ASV. Zunächst wäre auf einer solchen Behelfsbrücke nur zweispuriger Verkehr möglich. Auch ein Eingriff in die naturgeschützte Lesum wäre nötig, um die vorhandenen Auflager der Brücke zu ertüchtigen. Auch wäre die Brücke nur mit eingeschränkter Geschwindigkeit befahrbar und müsste regelmäßig gewartet werden – teils unter Vollsperrung. "Es wäre keine schöne Lösung", fasst Stellmann zusammen. Zumal sich auch diese Variante nicht schneller als in 14 Monaten umsetzen ließe.

3 Variante 3 – Erneuerung Brückenbau

Die dritte Option wäre ein neuer Brückenüberbau. Die Pfeiler könnten bestehen bleiben, der Rest würde erneuert werde. "Das ist unser Plan B", sagt Stellmann. Bei dieser Variante stünden drei Fahrstreifen zur Verfügung, ohne Einschränkungen. Allerdings, räumt Stellmann ein, habe Variante 3 einen bösen Nachteil: Die Bauzeit betrüge etwa 23 Monate.

CDU spricht von "Schildbürgerstreich" der Verkehrsbehörde

Scharfe Kritik zum Vorgehen des Verkehrsressorts kommt aus der CDU und der Handelskammer. So teilt der verkehrspolitische Sprecher der Bremer CDU-Fraktion, Heiko Strohmann, mit: "Obwohl ein 300.000 Euro teures Gutachten eine Ertüchtigung ausschließt, soll jetzt erst weiter geprüft werden, ob eine Instandsetzung doch noch möglich ist. Jetzt läge es nahe, schnellstmöglich mit der Planung eines Ersatzbaues zu beginnen. Nicht so die Bremer Verkehrsbehörde, die einem Schildbürgerstreich gleich, lieber ein weiteres Gutachten in Auftrag gibt, das bis zum Herbst 2019 das wohl gewünschte Ergebnis präsentieren soll."

Handelskammer fordert besseren ÖPNV nach Bremen-Nord

Die Handelskammer drängt "auf situationsangemessene kurzfristige Maßnahmen, die das gegenwärtige Verkehrsgeschehen verbessern können." Hierzu gehörten beispielsweise die Verbesserung des Angebots im Schienenverkehr von und nach Bremen-Nord sowie die Optimierung der Ampelschaltungen im parallelen Heerstraßenzug. Entsprechende Vorschläge der Kammer habe das Verkehrsressort bisher nicht beantwortet, sagte der Bereichleiter Verkehr, Andreas Otto, buten un binnen.

Staatsrat Ronny Meyer sagte, das Verkehrsressort bedauere die angespannte Situation im öffentlichen Nahverkehr von und nach Bremen-Nord. Abhilfe gegen die Ausfälle bei der Nordwestbahn ist aber nicht in Sicht.

Zur Erinnerung: Im Dezember 2018 hatte das Amt für Straßen und Verkehr darüber informiert, dass der Lesumbrücke in Richtung Bremen/Verden eine teilweise Sperrung bevorsteht. Als Grund nannte das ASV damals "erhebliche Defizite bei der Tragfähigkeit." Seitdem läuft der gesamte Verkehr auf insgesamt vier verengten Spuren anstatt auf sechs normalen. Das sorgte in den vergangenen Monaten für viele Staus – und damit Frust. Täglich fahren fast 80.000 Fahrzeuge über die Brücke, darunter rund 6.000 Laster.

Wie steht es um die Lesumbrücke?

Die Lesumer Autobahnbrücke wird in der rush hour stark befahren.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 18. Juli 2019, 12 Uhr