Mit diesen 5 Tipps bewahren Sie Lebensmittel vor der (Bio)-Tonne

Video vom 19. Juli 2021
Biotonnen
Bild: Imago | imagebroker
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Bremens Müllberg kann kleiner werden. Denn wenn der Salat aus dem heimischen Garten welk ist, die Brötchen hart, gehören sie noch nicht in den Eimer. Hier die Profi-Tricks.

Von allen Lebensmitteln, die je produziert werden, landet ein Drittel im Müll: 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Gäbe es diese Verschwendung nicht, müsste kein Mensch auf dieser Welt hungern. Die Lebensmittel würden sogar reichen, um zwölf Milliarden Menschen zu ernähren. Weit mehr als die fast acht Milliarden, die es aktuell sind.  Stattdessen werfen die Deutschen beispielsweise pro Kopf etwa 75 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. Und mehr als die Hälfte der Abfälle entstehen im eigenen Haushalt: Am häufigsten landet Obst und Gemüse im Müll. Gefolgt von Fertiggerichten und Speiseresten, Brot und Backwaren, Milchprodukten oder auch Fleisch und Fisch. Zwei Drittel des Mülls wären laut Studien vermeidbar. Wie? Hier fünf Beispiele aus dem Alltag.

1 Trockenes Brot und Brötchen

Gestapelte Baguettstangen in Bäckereiauslage.
Prallgefüllte Auslagen beim Bäcker führen unweigerlich zu überschüssiger Ware. Bild: Radio Bremen

Müller Egerer gehört mit 63 Standorten in Norddeutschland zu den größten Bäckerei-Ketten, mit dementsprechend vielen Resten. Backstubenleiter Michael Haase spricht von 20 Tonnen "Überschuss", die alleine bei seinem Unternehmen wöchentlich anfallen: "Man kann grundsätzlich sagen, dass in einer Bäckerei – ob groß oder klein – zwischen 10 und 20 Prozent der produzierten Backware nicht beim Verbraucher landet, sondern leider in der Mülltonne." Er bedauert den Anspruch der Verbraucher, stets das volle Sortiment anzutreffen. Sein Wunschtraum ist ein nachhaltiger Kreislauf, den Müller Egerer bereits praktiziert und der auch für zu Hause nachahmenswert ist: Altes, trockenes Brot wird zum Teil geröstet, zu Mehl vermahlen und schließlich neuem Teig beigemischt. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass dieses Brot sogar noch von den Röstaromen der Zutat profitiert. Und für den Hausgebrauch hier noch ein alter Haushalts-Tipp: Brötchen oder Brot kurz unter den laufenden Wasserhahn halten und im Ofen kurzaufbacken. Selbst scheinbare müllgeweihte Knüppel werden so oft wieder innen weich und außen knusprig.

2 Mindesthaltbarkeits-Missverständnis

Ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf Joghurtverpackung.
Das "MHD" ist nicht das Verfallsdatum. Bild: Radio Bremen

Schon häufig gehört, aber man kann offenbar nicht häufig genug daran erinnern: Henric Tönnishoff von Lestra in Horn räumt mit einem alten Missverständnis auf. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum." Und er macht Mut, mehr seinen Sinnen zu vertrauen: "Probieren Sie es ruhig. Man muss nicht alles wegschmeißen, nur weil es einen Tag über das MHD ist." Ein sensorischer Test lohnt immer: Man wundert sich manchmal, wie lange sich Lebensmittel jenseits des MHD noch halten. Zumindest wenn die Verpackung nicht schon vorher geöffnet wurde. Und Tönnishoff rät auch, mal etwas genauer auf die Verpackung zu schauen. Denn inzwischen drucken einige Hersteller sogar entsprechende Verweise auf ihre Ware wie "oft länger gut" oder "oft länger haltbar".

3 Salat und Kräuter "auffrischen"

Ein Salatkopf wächst neben Magold
Frischer und nachhaltiger geht es kaum: Salat und Mangold aus den eigenen Hochbeet. Bild: Radio Bremen | Marike Deitschun

Wenn Salat und Kräuter welk werden, liegt das schlicht daran, dass sie Flüssigkeit abgeben. Um Salat wieder "frisch" zu machen, muss er nur für einige Zeit in kaltes Wasser gelegt werden. Und schon ist er wieder knackig. Kräuter schneidet man – wie Schnittblumen – einfach an und stellt sie anschließend in ein Gefäß mit Wasser. Auch Wurzel- und Knollengemüse wie Karotten oder Radieschen lassen sich so "wiederbeleben": Einfach über Nacht in ein feuchtes Tuch wickeln – wie man es auch vom Spargel kennt – und ab damit in den Kühlschrank. Alternativ lassen sich andere Gemüse auch noch retten, indem sie einfach blanchiert und anschließend kurz in Eiswasser abschreckt, so Demhat Sicak vom Bremer Vitamintaxi.

4 Harter Käse butterweich

Ein Teller mit verschiedenen Käsesorten und Weintrauben
Richtig gelagert ist Käse vielfach haltbarer, als man meinen mag. Bild: Radio Bremen | Christina Loock

Was bei einem Käsekauf beachtet werden sollte, weiß Heike Fackeure, Inhaberin von Antjes Kaaswinkel in der Bremer Neustadt. Sie rät, den Käse lieber im ganzen Stück zu kaufen, anstatt in Scheiben vorgeschnitten. Denn je mehr Luft an den Käse kommt, desto empfindlicher wird er. Dadurch hält sich ein Laib Käse im Vergleich zu Schnittkäse ganze zwei Wochen länger. Auch sollte auf die Verpackung geachtet werden. So haben Fachverkäufer und Käsetheken im Supermarkt ein spezielles Papier, das den Käse länger frisch hält. Dieses Käsepapier lässt durch seine Beschichtung eine für den Käse optimale Zirkulation des Sauerstoffs zu, wodurch die entweichende Feuchtigkeit weniger Schimmel bilden kann und der Käse parallel dazu nicht beginnt auszutrocknen. Deswegen gilt auch, das Stück Käse gleichmäßig von allen Seiten zu schneiden.

Wer denkt, Schimmel am Käse bedeutet automatisch, dass er reif für die Tonne ist, der hat weit gefehlt. Hierzu verrät Heike Fackeure: Generell darf der Schimmel am Hartkäse abgeschnitten werden. Hierbei gilt die Regel: weißer und blauer Schimmel sind okay – wird er grün, sollte der Laib vorsorglich entsorgt werden. Vorsicht geboten ist bei Weichkäse, der im Vergleich zu Hartkäse mehr Wasser enthält und damit deutlich anfälliger für Schimmel ist. Trocknet zum Beispiel Ziegenkäse aus, kann er, in Folie verpackt, außerhalb des Kühlschranks wieder Feuchtigkeit ziehen und weich werden. Das geht aber nur bei Weichkäse. Ist der Hartkäse zu hart geworden, kann man ihn gehobelt aber noch zum Überbacken in der Küche einsetzten – dann wird er wieder butterweich. Um Käse-Verschwendung vorzubeugen, rät Heike Fackeure, wie sonst auch: Kleine Mengen kaufen, die man auch verbrauchen kann.

5 Überreifes Obst und Gemüse

Obst, welches in Kisten in einem Supermarkt liegt.
Bananen mit braunen Stellen sind noch vielfältig einsetzbar – als Mus oder in Eis zum Beispiel. Bild: Radio Bremen

Wie lange Obst und Gemüse frisch hält, können Sie maßgeblich beeinflussen: Gemüse wie Aubergine, Zucchini, Tomaten und Paprika sollten vorzugsweise bei Raumtemperatur und nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden, ebenso wie Ananas, Bananen, Zitrusfrüchte und Melonen. Auch Äpfel können es bis zu einer Woche gut bei Zimmertemperatur aushalten, danach packt man sie besser ins Gemüsefach des Kühlschranks. Es sollte vermieden werden Äpfel mit anderem Obst gemeinsam zu lagern, da die Reifegase der Äpfel andere Obstsorten schneller reifen lassen, erklärt Demhat Sicak vom Vitamintaxi.

Obst und Gemüse sollte generell kühl gelagert werden. Bananen sind dabei eine Ausnahme: Sie werden bei Temperaturen unter 8 Grad braun. Für die meisten anderen Sorten ist die Lagerung bei 6 bis 10 Grad im Kühlschrank optimal. Gemüse ist oft empflindlicher und einige Sorten können bei zu warmer Aufbewahrung schon nach wenigen Tagen bis zu 70 Prozent ihrer Vitamine verlieren.

Und selbst überreifes Obst ist dennoch zu schade für die Mülltonne und eignet sich noch hervorragend zur Herstellung von Bananenbrot oder Smoothies, in Eis, selbstgekochtem Mus, Marmelade oder Chips.

Bremen will das "Containern" entkriminalisieren

Video vom 20. Juli 2021
Eine unbekannte Person auf der Suche nach Lebensmitteln in der Nacht.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorinnen

  • Eva Linke Redakteurin und Autorin
  • Rena Lossau Studentische/r Redakteurin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. Juli 2021, 19:30 Uhr