Fall Högel: Gericht zweifelt Anklage gegen Vorgesetzte an

  • Landgericht: Nur Vorgesetzte am Klinikum Oldenburg können angeklagt werden
  • Dem Gutachten zufolge muss die Anklage aber eventuell abgeschwächt werden
  • Vorgesetzter am Klinikum Delmenhorst kann Anklage möglicherweise entgehen
Der verurteilte Serienmörder Nils Högel vor Gericht
Niels Högel wurde im vergangenen Juni zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. (Archivbild)

Ob sich fünf Vorgesetzte des 85-fachen Patientenmörders Niels Högel wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht verantworten müssen, bleibt weiter unklar. Nach einer ersten rechtlichen Bewertung des Oldenburger Landgerichts werde die Anklage allenfalls teilweise zugelassen, teilte ein Sprecher des Gerichts am Freitag mit.

Demnach kann die Anklageschrift nur Högels ehemaligen Vorgesetzten am Klinikum Oldenburg strafbares Verhalten nachweisen. Am Klinikum Delmenhorst dagegen kann der ärztliche Leiter der Anästhesistation dem Gutachten zufolge einer Anklage möglicherweise komplett entgehen.

Aber auch bei Högels ehemaligen Vorgesetzten in Oldenburg geht das Landgericht in seinem Gutachten davon aus, dass der von der Staatsanwaltschaft vorgesehene Anklagepunkt "Totschlag durch Unterlassen" nicht haltbar sei. Die Autoren des Gutachtens sehen lediglich "Beihilfe durch Unterlassen zum Totschlag" als erwiesen an.

Vorgesetzte sollen sich um guten Ruf gesorgt haben

Die Staatsanwaltschaft wirft den Vorgesetzten vor, Högel trotz eines Verdachts nicht gestoppt zu haben, weil sie um den Ruf ihrer Abteilung und ihres Klinikums besorgt waren. Die Anklage der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen den früheren Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, die damaligen Chefärzte der kardiologischen Intensivstation und der Anästhesiestation, den Pflegedienstleiter der Intensivstation und die Pflegedirektorin.

Der Gerichtssprecher unterstrich, dass noch nicht über die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung entschieden worden sei. Das Verfahren befinde sich in einem Zwischenstadium.

Högel wurde zu lebenslanger Haft verurteilt

Högel wurde am 6. Juni 2019 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Überzeugung des Oldenburger Landgerichts hat er aus Geltungssucht 85 Menschen in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit Medikamenten vergiftet und anschließend vergeblich versucht, sie zu reanimieren. Gegen den Schuldspruch legten Högel und ein Angehöriger, der den Prozess als Nebenkläger verfolgte, Revision ein.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Dezember 2019, 19:30 Uhr