Interview

Nächtliches Spektakel: roter Mond trifft roten Mars

Zwei astronomische Phänomene sind in der Nacht zusammengekommen. Blutmond und Marsopposition. Planetariums-Leiter Andreas Vogel klärte vorab die wichtigsten Fragen.

Mondfinsternis

Der Mond leuchtete am späten Freitagabend kupferrot – mancher sagt deshalb auch Blutmond – und der Mars erschien groß, rot und hell. Das extrem seltene astronomische Ereignis fiel auf eine hochsommerlich warme, allerdings nicht überall ganz klare Sommernacht. Es gab trotzdem gute Chancen, sich das Spektakel anzuschauen, sagte der Leiter vom Olbers-Planetarium in Bremen, Andreas Vogel.

Warum ist dieser Abend für Astronomen so besonders?
Wir haben zum einen eine totale Mondfinsternis. Das ist die längste totale Mondfinsternis im 21. Jahrhundert. In derselben Nacht steht auch noch der Mars in der Opposition zur Sonne. In dieser Nacht überholen wir den Mars mit der Erde sozusagen auf der Innenbahn. Und da gibt es auch eine Besonderheit: Seit 2003 sind wir dem Mars nicht mehr so nah gekommen. Das ist schon ein ganz besonderes astronomisches Ereignis.
Marsopposition
Die diesjährige Opposition ist besonders günstig, da uns der Mars näher als in den meisten anderen Jahren kommt. Quelle: Andreas Vogel, Olbers-Planetarium
Warum heißt es Marsopposition?
Das heißt, dass der Mars der Sonne genau gegenüber und vergleichsweise nahe steht. Deshalb sehen wir ihn am Himmel so besonders hell und vergleichsweise groß. Der Mars geht auf, wenn die Sonne untergeht und er geht unter, wenn die Sonne wieder aufgeht. Das ist der Grund, weshalb man ihn auch besonders lange am Nachthimmel sehen kann.
Wann genau ereignen sich Mondfinsternis und Marsopposition?
Die Marsopposition dauert eigentlich sogar mehrere Tage. Zwar ist die eigentliche Marsopposition bereits am Freitagmorgen, aber aufgrund der großen Abweichung der Marsbahn von einem Kreis sind wir ihm am 31. Juli sogar noch ein wenig näher. Rund vier Wochen um die Opposition herum ist der Mars besonders gut zu sehen. Die Mondfinsternis beginnt Freitagabend um 20:24 Uhr. Dann ist der Mond bei uns allerdings noch gar nicht sichtbar.
Andreas Vogel
Andreas Vogel ist Leiter des Olbers-Planetariums. Bild: Andreas Vogel
Wie gut sind die Chancen, dass wir die beiden Ereignisse in Bremen sehen?
Der Mond geht in Bremen um 21:19 Uhr auf. Man braucht eine freie Sicht Richtung Südosten, also in der Bremer Innenstadt wird das schwierig zu beobachten sein. Mit etwas Glück kann man aber bei freier Südostsicht den Mond kurze Zeit später über dem Horizont sehen. Die totale Finsternis beginnt um 21:30 Uhr, da steht der Mond etwa ein Grad über dem Horizont. Das dauert dann bis 23:14 Uhr und dann steht der Mond auch etwas höher und ist besser sichtbar. Und um 0:19 Uhr ist die Mondfinsternis beendet. Der Mars geht um 22:10 Uhr auf und dann kann man ihn links unterhalb des Mondes sehen. Das geht auch mit bloßem Auge oder einem kleinen Fernglas. Allerdings muss der Himmel möglichst wolkenfrei sein. Und das sieht ganz gut aus.
Wenn wir das verpassen, wann haben wir die nächste Chance?
Die nächste Mondfinsternis ist am 21. Januar, sehr früh am Morgen. Die nächste Marsopposition ist 2020. Das beides zusammenfällt, werden wir in unserem Leben nicht mehr erleben.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 27. Juli 2018, 8:10 Uhr