Kommentar

Ein Theater muss zur Stadt passen

Woran misst sich der Erfolg eines Theaters? An den Besucherzahlen? Redakteur Marcus Behrens führt andere Währungen ins Feld.

Tag der offenen Tür im Theater Bremen
Die Debatte um das Theater Bremen steht in der Bürgerschaft noch aus.

Das Theater am Goetheplatz hat seinen festen Platz im Kulturleben der Stadt Bremen. Alles ist zum Wettbewerb geworden. Nur wer besser ist als die anderen, hat noch eine Chance. Nein, schlimmer noch: Nur wer besser ist als die anderen, bekommt überhaupt noch eine Chance und wird nicht automatisch ausgeschlossen. Auch das Theater Bremen gehört – wie die meisten anderen Stadt- und Staatstheater in Deutschland – dazu. Das Haus wird von der Stadt Bremen finanziell unterstützt, und überall, wo Steuergelder fließen, gibt es schnell die Diskussion darum, ob diese Unterstützung gerechtfertigt ist.

Theater für jeden


Die Bevölkerung ist breit aufgestellt – und diese Vielfalt wird durch Kultur gefördert und ausgebildet. Das ist wichtig. Damit ein Stadttheater seinen Auftrag erfüllen kann, muss es ein Programm bieten, das möglichst viele unterschiedliche Menschen erreicht. Dass ein paar wenige, kommerziell erfolgreiche Stücke, Kassenschlager also, bei der Diversität der Menschen in einer Stadt dafür nicht ausreichen, liegt auf der Hand. Natürlich wäre es fatal, wenn Steuergelder fließen und letztlich niemand mehr ins Theater gehen würde. Aber dem ist ja nicht so.

Finanzspritzen mit wenig Effekt?

Im Gegenteil, die Zahlen pendeln seit 2012 – dem Antritt von Intendant Michael Börgerding – von Jahr zu Jahr zwischen Konsolidierung und leichter Steigerung. Insgesamt gab es in den zurückliegenden Jahren einen Anstieg der Zahlen um rund 30.000 Besucher. Niemand kann erwarten, dass alle Vorstellungen immer ausverkauft sind! Denn dafür müsste das Theater Bremen sich im Bereich der kommerziellen Veranstalter tummeln, und das ist nun wirklich nicht die Aufgabe eines Stadttheaters. Das Stadttheater ist Ort für neue Ideen und für Diskussionen. Beides ist gut – und beides kann auch mal negativ aufgenommen werden. Auch das ist wichtig.

Abwechslung statt Einfalt

Tag der offenen Tür im Theater Bremen
Zwischen "ausgelastet" und "ausgelassen": Das Theater am Goetheplatz.

Das Theater muss Raum bieten für viele unterschiedliche Ansätze, es muss abwechslungsreich sein und Gesprächsstoff liefern. Ein Stadttheater sollte viele thematische Ansätze bieten. All das hat Intendant Michael Börgerding seit seinem Antritt vor sechs Jahren auf jeden Fall geschafft. Und Bremen ist nicht Berlin, wo es für fast jede Theater-Geschmacksrichtung ein eigenes Haus gibt.

Deshalb der eindringliche Appell: Gebt dem Bremer Intendanten den Freiraum und die Mittel, seinen Spielplan auch weiterhin so bunt, breit und auch mal kontrovers aufzustellen, wie bisher. Denn nur so lassen sich in einer Stadt wie Bremen möglichst viele verschiedene Menschen immer mal wieder ins Theater locken. Das Theater Bremen ist fest etabliert bei uns – und vor allem: es passt zur Stadt!

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  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. Dezember 2018, 17:20 Uhr