So wird trotz Corona der Kultursommer in Bremen

Mit "Shakespeare im Park" ist ein beliebtes Kultur-Event diese Woche losgegangen. Aber auch Kinos, Theater und Museen nehmen ihren Betrieb wieder auf. Ein Überblick.

Shakespeare im Park
Shakespeare im Park findet trotz Corona statt. Bild: Shakespeare Company | Wolfgang Kunckel

Es geht wieder los! Wer Kultur liebt, muss auch in Zeiten von Corona nicht ganz auf sie verzichten: Nachdem zahlreiche Kulturschaffende bereits ihre Kreativität bei Online-Konzerten erwiesen haben, geht es nun mit Auftritten unter freiem Himmel weiter. Bereits im Mai hatten sich die Kulturminister von Bund und Ländern darauf verständigt, das kulturelle Leben wieder zu reaktivieren. "Eine planvolle Öffnung weiterer kultureller Einrichtungen und Aktivitäten" sieht das sechsseitige Konzept vor, das eine "dauerhafte Schädigung der reichhaltigen Kulturlandschaft hierzulande" verhindern soll.

Intelligente Idee? Dann ist ein Konzert möglich

Auch wenn in Bremen und Bremerhaven die "Breminale" sowie das "Sail" unwiderruflich für dieses Jahr abgesagt und Großveranstaltungen bis Oktober verboten sind, bemühen sich nun Bremer Kulturschaffende, den Betrieb allmählich wieder aufzunehmen. "Wir werden draußen bis zu 400 Menschen unter Abstandsregelungen zulassen können bei öffentlichen Veranstaltungen. Im Indoorbetrieb leider nur 250. Das ist auch absehbar nicht zu erweitern", sagt Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz (SPD). Insbesondere bei Pop- und Rockkonzerten sehe sie das Problem, dass eigentlich eine große Nähe zwischen dem Publikum und den Akteuren auf der Bühne besteht. "Es ist sehr schwer, Abstand zu halten. Wenn aber Leute intelligente Ideen haben, wie sie trotzdem ihr Publikum bedienen können, spricht nichts dagegen, ein Konzert durchzuführen", macht sie Konzertveranstaltern Mut.

Shakespeare Company im Bürgerpark

Mit diversen Stücken — von "Ein Sommernachtstraum" über "König Lear" bis hin zu "Maria Stuart" hat die Bremer Shakespeare Company am Mittwoch ihren alljährlichen Spielbetrieb im Bürgerpark wieder aufgenommen. Mit einer Bühne auf der Melcherswiese lädt "Shakespeare im Park" rund zwei Wochen zum Theater unter freiem Himmel. Corona-bedingt werden weniger Zuschauer zugelassen, als in den vorangegangenen Jahren. Allerdings werden in diesem Jahr die Stücke mehrfach hintereinander gespielt. "Shakespeare im Park" ist Teil des "Bremer Kultur Sommer Summarum", der von Mitte Juni bis Ende August diverse Veranstaltungen in Bremen und umzu präsentiert.

Jazz, Weltpolitik und zeitgenössischer Tanz

Hulk als Spielfigur schaut sich in einem Spiegel an
Bei "Prompt im Park" spielt Johanna Pätzold mit Objekten aus Küche, Bad und Kinderzimmer die große Weltpolitik nach. Bild: Schwankhalle Bremen | Doris Weinberger

Ebenfalls im Rahmen des "Bremer Kultur Sommer Summarum" organisieren unter anderem das Steptext-Dance-Project sowie das Bremer Literaturkontor, Atelier Blaumeier, das Bremer Kriminal-Theater sowie die Musikerinitiative und einige Solokünstler ein vielseitiges Programm. Johanna Pätzold spielt beispielsweise im Rahmen von "Prompt im Park" mit Objekten aus Küche, Bad und Kinderzimmer die große Weltpolitik in den Neustadtswallanlagen nach.

Was sonst in den Räumlichkeiten der Musikinitiative stattfindet, ist nun unter freiem Himmel zu sehen: Mit einem Stil, der dem Bop, Neubop und Hardbop zuzuschreiben ist, spielt das Mibnight Jazzclub Quartett Ed Kröger 14-tägig am Quartiersplatz Neustadt.

Videoprojektionen

Ursprünglich schon ab Februar geplant wurde die Ausstellung "You can’t walk unless the word runs" von Kristina Buch bis zum 19. Juli verlängert. Mit einer Mehrkanal-Videoprojektion beschäftigt sich die Künstlerin mit den Bedeutungsmustern von Sprache. Hat Buch in früheren Arbeiten Sprache wortwörtlich seziert und sie teilweise in andere Kontexte überführt, so ließ sie für die Ausstellung in der GAK Fahnen weben, auf denen stilisierte Zungen-Motive abgebildet sind. Daneben zeigen Video-Loops Großaufnahmen von menschlichen Mündern, die sich zu unverständlichen, glossalischen Lauten öffnen und schließen.

Kinosaal mit Abstand

Mit altem Programm haben die Kinos in Bremen wieder geöffnet. Die Veranstaltungen sind auf 200 Besucher jeweils begrenzt. Dabei muss sowohl die Maske getragen als auch der Mindestabstand von 1,5 Metern zu fremden Personen eingehalten werden. Sobald der zugewiesene Sitzplatz erreicht ist, darf die Maske abgenommen werden. Im Cinemaxx in Mitte ist es auch möglich, in Zweier-Gruppen zu sitzen. Wie in Restaurants, müssen auch die Kinos ihre Gäste registrieren, um gegebenenfalls informieren zu können, falls der Corona-Virus im Kino übertragen werden sollte.

Oper unter freiem Himmel

Schon seit zwei Wochen bietet das Theater Bremen mit der Open-Air-Reihe "Aus dem Hof" vielseitige Programme der Ensemblemitglieder aus Musiktheater, Schauspiel und Tanz. Während das Musiktheater von Russland nach Neapel und Südamerika reist, bietet das Schauspiel ein Live-Hörspiel der "Wilden Schwäne" und eine Lesung aus Reineke Fuchs. Auch die Bremer Philharmoniker reihen sich mit Kammermusikabenden in das Programm ein. "Die Leute freuen sich. Man merkt vor allen Dingen unsere älteren Opernliebhaber, die freuen sich wahnsinnig, dass ihre Sänger wieder auf der Bühne stehen. Gleichzeitig sind sie sehr dankbar, dass wir uns so streng an die Auflagen halten", erklärt Michael Börgerding, Intendant des Theater Bremens.

Wir sind nicht entspannt. Wir wissen alle nicht, wie es nach den Sommerferien aussieht.

Michael Börgerding, Intendant des Theater Bremens

Eine einfache Wiederaufnahme des bestehenden Repertoires sei angesichts der Abstandsregelungen für Schauspieler, Sänger sowie Tänzer allerdings nicht vorstellbar. "Für Schauspieler ist die Abstandsregel zwei Meter, Sänger müssen sechs Meter Abstand halten. Da ist momentan noch gar nicht daran zu denken, wie man in geschlossenen Räumen inszenieren soll", so Börgerding. Einzelne wenige Produktionen werden in den nächsten Wochen den Abstandsregeln entsprechend umgearbeitet. Deswegen wird der reguläre Spielbetrieb auch erst wieder ab dem 29. August im Kleinen Haus und ab dem 6. September im Theater am Goetheplatz aufgenommen.

Bei "Aus dem Hof", das noch bis zum 12. Juli an vier Tagen die Woche auf dem St. Pauli Hof stattfindet, gelten besondere Bestimmungen: 1,5 Meter Mindestabstand soll eingehalten, Mund- und Nasenschutz durchgängig bis zum Beginn der Vorstellung getragen und die Plätze während der Vorstellung nicht verlassen werden. Wetterbedingt kann es zu kurzfristigen Absagen kommen.

Außerdem hat sich das Theater mit "Komm!" eine Corona-konforme, einzigartige Inszenierung ausgedacht. Alle 30 Minuten eine Vorstellung im Theater am Goetheplatz für eine Person.

Konzerte im Autokino

Autos stehen auf einem Parkplatz bei Sonnenuntergang vor einer Leinwand.
Nicht nur Filme: Das Autokino soll nun auch für Partys herhalten. Bild: Imago | Reichwein

Party im Auto: Das XXL-Autokino hat eine abwechslungsreiches Programm für Bremen und Verden zusammengestellt. Von "Die große Malle Party" mit Willi Herren, Almklausi, Isi Glück und Julian Benz über das DJ-Duo Housedestroyer bis hin zum Comedy Club von Bremen Vier ist quasi alles dabei. Am 24. Juli versucht das Kino auf der Bürgerweide sogar einen Weltrekord aufzustellen: die größte Autodisco vor der größten Autokinoleinwand in Deutschland.

Über Whatsapp oder Sms können Getränke direkt zum Auto bestellt werden. Und wer nicht im Besitz eines Pkw ist, kann online ein Vorführfahrzeug buchen. Dennoch gelten weiterhin einige Regeln zur Eindämmung der Pandemie: "Autoscheiben, hinter denen Insassen sitzen, dürfen nur maximal eine Handbreit geöffnet werden", teilte der Betreiber mit. Außerdem dürften die Autos nur in Notsituation oder um zur Toilette zu gehen, verlassen werden.

Ausstellung zum Mitmachen

Bis zum 26. August wird es die Ausstellung "Der mobile Mensch" im Universum Bremen geben. Dabei sollen Mobilitätstrends und gesellschaftliche Veränderungen in urbanen Räumen beleuchtet und anhand von Mitmachstationen persönliche Vorlieben entdeckt werden. Ob nun eine Sounddusche, ein Fahrrad, das eine virtuelle Landschaft zum Blühen bringt oder aufleuchtende Verkehrsmittel-Symbole — der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt und am Ende entscheidet der Besucher, ob er sich als "City Jumper" — der spontan und unabhängig agiert — sieht oder als "Green Groover", dessen Fortbewegung nicht auf Kosten der Umwelt gehen darf. Auch dabei soll eine Gesichtsmaske getragen werden.

So will Bremen Kultureinrichtungen finanziell unterstützen

Video vom 29. Juni 2020
Die Bremer Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz als Studiogast bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Mehr dazu:

Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Juli 2020, 19:30 Uhr