Fragen & Antworten

Kreidezähne: Diese Krankheit gibt Zahnärzten Rätsel auf

Bremens Zahnärzte sind ratlos: Bei immer mehr Kindern ist der Zahnschmelz angegriffen – die Ursache ist unklar. Je früher man die Warnzeichen erkennt, desto besser.

Eine Kind was Kreidezähne hat putzt sich die Zähne.

Zahnärzte sprechen schon von einer ausbrechenden Volkskrankheit: Kinderzähne, deren Zahnschmelz nicht richtig ausgebildet ist und die deshalb besonders empfindlich sind. Die Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) vermutet, dass zehn bis 15 Prozent der Kinder bundesweit – in unterschiedlich schlimmer Ausprägung – an Kreidezähnen leiden. Wolfgang Menke, Präsident der Zahnärztekammer Bremen, schätzt, dass 30 Prozent der zwölfjährigen Kinder in Bremen bereits Auffälligkeiten zeigen.

Was versteht man genau unter Kreidezähnen?
Die Erkrankung heißt offiziell Molar-Incisor-Hypomineralisation (MIH). Dabei ist der Zahnschmelz der bleibenden Zähne nicht richtig entwickelt und um bis zu 90 Prozent weicher als üblich. Eigentlich ist die Zahnschmelzsubstanz härter als Knochen und dient als natürliche äußere Schutzschicht des Zahnbeins. Ein weicher Zahnschmelz macht die Zähne porös und schmerzempfindlich und kann beim Beißen sogar zerbröseln. Die mangelhafte Schutzschicht macht den Zahn anfälliger für Karies.
Ein Kind mit Kreidezähnen: Der Zahnschmelz ist angegriffen, was die Zähne sehr empfindlich macht.
Die Kreidezähne sind sehr empfindlich - teilweise bröseln sie sogar beim Beißen.
Wie erkennt man Kreidezähne?
Äußere Kennzeichen sind vor allem weiß-gelbliche bis bräunliche Verfärbungen und eine eher raue Zahnoberfläche. Es gibt verschiedene Grade: Beim leichtesten sieht man nur leichte Verfärbungen, die beim zweiten Grad schon den ganzen Zahnschmelz erfasst haben. "Beim dritten Grad, dem schlimmsten, sind richtig Löcher und Erosionen auf der Oberfläche", sagt Zahnarzt Steffen Klabunde, der Kreidezahn-Patienten in seiner Praxis in Osterholz-Scharmbeck behandelt. Kreidezähne sind temperaturempfindlicher als gesunde Zähne und verursachen Schmerzen beim Kauen. Die Gesellschaft für Kieferheilkunde rät, Hinweise der Kinder diesbezüglich ernst zu nehmen.

Die betroffenen Kinder klagen über Schmerzen beim Essen, Trinken und Zähneputzen.

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Was ist die Ursache für Kreidezähne?
Kreidezähne entstehen nicht durch mangelhafte Mundhygiene. Die Zähne wachsen bereits krank aus dem Kiefer.
"Es weiß keiner, was genau die Ursache ist", sagt Wolfgang Menke, Präsident der Zahnärztekammer Bremen. Sicher sei, dass die Krankheit nicht vererbt wird. Verschiedene Faktoren stehen indes unter Verdacht: neben Infektionskrankheiten und Medikamenten möglicherweise auch Umweltgifte. Besonders im Fokus stehen schon länger Weichmacher, die in Plastik, Gummiartikeln und Folien, in Lacken und in Klebstoffen enthalten sind, aber auch oft in Kleidungsstücken und Schuhen. Belastbare Studien dazu gibt es aber laut Menke nicht. Möglicherweise wird der Grundstein für Kreidezähne schon sehr früh gelegt. "Die Schmelzbildung der bleibenden Backenzähne beginnt schon im achten Schwangerschaftsmonat, also noch vor der Geburt", sagt Menke.
Wie werden Kreidezähne behandelt?
Heilen lassen sich Kreidezähne nicht. Und ohne die Ursachen zu kennen, sind vorbeugende Maßnahmen nur schwer zu benennen. Wie bei der Kariesprävention raten die Experten der DGZMK zu fluoridhaltigen Zahnpasten und entsprechenden Mundspüllösungen. "Optimaler Schutz ist dann gewährleistet, wenn der Zahnarzt im Abstand von drei bis sechs Monaten die Zähne untersucht und nach Bedarf mit Fluoridlack behandelt", heißt es in einem Papier der DGZMK. Teilweise werden die Zähne auch mit Keramik abgedeckt oder mit sogenannten "Kinderkronen" aus Stahl versorgt.

Autoren

  • Anna-Lena Borchert
  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Oktober 2019, 19:30 Uhr