Kommentar

Kostenlose Kita – Kein Grund zur Freude

Beitragsfreie Kindertagesbetreuung für alle. Klingt toll, ist aber weder gerecht noch solidarisch findet Radio Bremen-Autorin Ramona Schlee.

Ein Betreuer hilft einem Kind sich eine Jacke anzuziehen.
Kostenlose Kinderbetreuung für über Dreijährige: Für unsere Autorin keine solidarische Idee. (Symbolfoto) Bild: Imago | Westend61

Der erste Impuls ist: na klar! Eltern dürfen keine Nachteile haben, weil sie Kinder haben. Kinderbetreuung für alle und das auch kostenlos – das ist gut. Doch ist es auch mehr als ein knackiger Werbeslogan?

Dazu muss man wissen, wer in Bremen überhaupt noch Kita-Beiträge zahlt. Es sind die Familien, die ein Einkommen haben. Nur noch 44 Prozent aller Eltern zahlen hier für die Betreuung ihres Kindes – gestaffelt, je nachdem, wieviel Geld da ist. Alle anderen, also mehr als die Hälfte, zahlt nichts für den Kita-Platz. Und das ist auch richtig so. Diese Eltern sind nämlich schlicht zu arm. Wer würde nun also von der beitragsfreien Kita profitieren? Es sind die Familien, die nicht von Armut bedroht sind. Und es sind die wohlhabenden Familien.

Angebot reißt woanders Löcher

Fällt der Beitrag für alle weg, muss der Fehlbetrag von der Kommune und dem Land übernommen werden. In Bremen könnten das 15 bis 20 Millionen Euro im Jahr sein. Dieser Betrag müsste anderswo eingespart werden. Zum Beispiel in der frühkindlichen Bildung. Zum Beispiel bei der Ausstattung der Schulen. Zum Beispiel beim Ausbau und der Qualität der Kitas. Zum Beispiel bei der Förderung von Kindern aus bildungsfernen und armen Familien oder verhaltensauffälligen Kindern. Diese Kinder sind die ersten, die dann hinten runter fallen. Es sind die Schwachen.

Das Ergebnis der kostenfreien Kita ist: mehr Ungerechtigkeit. Und das zeugt von mangelnder Solidarität der wohlhabenden Menschen mit den Schwachen dieser Gesellschaft. Aber der Slogan "Kita für alle und das auch kostenlos" will sich ein Jahr vor der Bürgerschaftswahl jede Partei gern auf die Fahnen schreiben.

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  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. März 2018, 19.30 Uhr