6 Zahlen und Fakten zur Vorbereitung Bremens auf den Patienten-Anstieg

Beatmungsgeräte, Fachpersonal, Covid19-Tests: Schon seit Wochen bereitet sich Bremen darauf vor, mehr Patienten in Kliniken behandeln zu müssen. So ist der Stand jetzt.

Mehrere Krankenpfleger laufen einen Flur entlang
Es wird damit gerechnet, dass in den kommenden Wochen deutlich mehr Corona-Patienten in Bremer Kliniken behandelt werden müssen (Symbolbild). Bild: DPA | Eric Audras

"Wir haben nach wie vor einen vergleichsweise moderaten Anstieg", sagt Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) angesichts der Corona-Fälle im Land Bremen. "Insofern sind wir immer noch in der glücklichen Lage, uns angemessen vorbereiten zu können, so weit es die Ressourcen zulassen", so Bernhard weiter

Wie sich das Land weiter auf einen starken Anstieg von Patienten in den Kliniken vorbereitet, zeigen diese Daten und Fakten zu Betten, Tests und medizinischem Personal.

1 Rund 90 von 160 Beatmungsbetten frei

Im Zuge der Corona-Pandemie muss zwischen der Zahl an Intensivbetten und der geringeren Zahl der Beatmungsbetten unterschieden werden. Denn letztere sind erforderlich, um schwer an Corona erkrankte Patienten künstlich beatmen zu können.

Die Anzahl dieser Beatmungsbetten liegt Gesundheitssenatorin Bernhard zufolge bei aktuell rund 160 bis 170 in allen Bremischen Kliniken. Wobei sie betonte, dass diese Zahl sich im Grunde stündlich ändere, da die Betten auch noch für Nicht-Corona-Patienten gebraucht würden. Sie könnten aber in relativ kurzer Zeit zur Verfügung gestellt werden. Einer Aussage des Gesundheitsressorts vom Donnerstag zufolge sind derzeit rund 90 Beatmungsbetten frei.

2 380 Beatmungsbetten geplant

In absehbarer Zeit könnte die Kapazität der Senatorin zufolge auf 300 bis 380 Betten erhöht werden. Wie schnell dies gelingt, hänge jedoch von der Verfügbarkeit der bestellten Beatmungsgeräte ab.

Der Plan, Beatmungsgeräte nicht direkt selbst, sondern über das Bundesministerium zu bestellen, ging bislang allerdings nicht auf. Es wurde noch kein Gerät geliefert, hatte das Gesundheitsressort am Donnerstag auf Anfrage von buten un binnen mitgeteilt. Derzeit bestellt hat das Land 176 Geräte. Eine erste Tranche von knapp 40 soll nun allerdings am kommenden Mittwoch geliefert werden, so die Senatorin. "Die können dann in einer ersten Runde nächste Woche verteilt werden."

3 Kliniken schulen Personal für Bedarfsfall

Abgesehen von der Aufrüstung der Technik, finde auch eine Aufstockung und Schulung des Personals statt, so Bernhard am Freitag. "Im Grunde genommen sind alle auf Hochtouren damit beschäftigt, sich vorzubereiten."

Gegenüber buten un binnen hatte der Bremer Klinikverbund Geno bereits mitgeteilt, dass das Personal derzeit aufgestockt werde. Geno-Sprecherin Karen Matiszick zufolge würden daher verschiedene Maßnahmen ergriffen. So seien beispielsweise planbare Behandlungen und Eingriffe verschoben worden. Das Personal sei stattdessen zum Teil geschult worden, um im Bedarfsfall auf den Intensivstationen aushelfen zu können.

4 60 zusätzliche Mitarbeiter bei der Geno

Darüber hinaus stelle die Geno unbürokratisch für die Dauer der nächsten Wochen neues Personal ein. "Das sind beispielsweise Mitarbeiter, die eigentlich schon im Ruhestand sind, Ärztinnen und Ärzte aus Praxen, die jetzt weniger zu tun haben oder Pflegekräfte, die sich bei uns gemeldet haben", sagt Geno-Sprecherin Matiszick. Insgesamt seien bereits 60 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt worden.

Nicht zuletzt kooperiere die Geno mit der Paracelsus-Klinik und einer größeren Praxis. Diese würden Patienten zur Weiterversorgung übernehmen. Zugleich schickten sie Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal.

5 200 bis 250 Tests am Tag im Land Bremen

Auch zur Anzahl der Covid19-Tests im Land Bremen äußerte sich die Gesundheitssenatorin am Freitag. Diese liege seit dem 9. März, als die erste Ambulanz am Klinkum Bremen-Mitte eröffnet wurde, im Schnitt bei rund 200 bis 250 am Tag. "Das schwankt allerdings", sagte Bernhard.

Hochgerechnet würde sich aus diesen Werten ergeben, dass im Land Bremen bis zu diesem Freitag rund 5.400 bis 6.750 Tests durchgeführt worden sind.

Wieviel Covid19-Tests in den drei Bremer Testlabors genau durchgeführt worden sind, lässt sich allerdings nur schätzen. Das größte von ihnen, das Medizinische Labor Bremen, gibt auf Nachfrage von buten un binnen an, seit dem Beginn der Corona-Pandemie gut 8.500 Tests durchgeführt zu haben, wobei allerdings auch Proben aus ganz Deutschlands eingerechnet sind. Nur rund 15 bis 20 Prozent der Proben stammten aus Bremen – was rund 1.500 Tests ergäbe. Täglich werden im Medizinischen Labor Bremen derzeit rund 570 Proben auf den Virus hin geprüft.

6 Fehlende Reagenzien schränken Laborarbeit ein

Engpass bleiben allerdings für alle Labore die Reagenzien, die unter anderem genau aufeinander abgestimmte Chemikalien enthalten. Diese fehlen derzeit auch im Labor am Klinikum Ost. Weshalb dort bislang keine regelmäßigen Covid19-Testreihen geführt werden können. "Wann die Lieferung eintreffen wird, können wir leider nicht vorhersagen – durch die aktuellen Lieferengpässe dauern Beschaffungen deutlich länger als sonst üblich", so Geno-Sprecherin Matiszick. Mit vorhandenen Reagenzien dürfte das Labor rund 200 Tests pro Tag schaffen.

Das LADR, das dritte Testlabor Bremens, nennt auf Nachfrage buten un binnens zwar keine Zahlen. LADR-Geschäftsführerin Mariam Klouche weist jedoch darauf hin, dass die SARS-CoV-2-Tests weiter anstiegen, weil Proben zunehmend auch direkt von niedergelassenen Ärzten kämen. "Weltweit bestehen seit Wochen massive Lieferengpässe betreffend sämtlicher benötigter Einzelreagenzien, der erforderlichen molekularbiologischen Geräte, der Pipettenspitzen und auch der Abstrichtupfer zur Entnahme der respiratorischen Materialien", sagt Klouche. Es sei daher davon auszugehen, dass die Versorgung über die zusätzlichen Osterferientage kritisch weiter begrenzt werde.

Mitschnitt der Senats-PK über die Entwicklung der Corona-Krise

Video vom 3. April 2020
Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Gebärdendolmetscherin

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. April 2020, 19:30 Uhr